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Lernen von Israel „Trainieren Sie Ihre Mitarbeiter!“

Israelische Krankenhäuser haben ihr Vorgehen für Sonderlagen sämtlicher Art strategisch perfektioniert. Jeder einzelne Mitarbeiter weiß, was zu tun ist. Für jede Krisensituation gibt es ein Handlungsprotokoll, das bei regelmäßigen Übungen durchgespielt wird. Maxmiale Vorbereitung auf den Worst Case schafft Sicherheit für alle.

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Egal, wie sicher man sich wähnt, ein Terroranschlag, ein Amoklauf, ein Massenunfall oder eine Naturkatastrophe können jederzeit dafür sorgen, dass der Alltag abrupt unterbrochen wird und andere Regeln gelten. Krankenhäusern kommt in solchen Szenarien nicht zuletzt aufgrund ihres Auftrages der medizinischen Versorgung der Gesellschaft eine der wichtigsten Rollen zu. Sie müssen spontan mit einem Massenaufkommen an Patienten umgehen können und dabei handlungsfähig bleiben. Das bedeutet: Vorbereitung. Wie man diese am effektivsten organisiert, wurde bei einer Studienreise nach Israel thematisiert, die von I.O.E. Wissen und High-Risk-Consulting unter der Leitung von Dr. Elio Adler im Dezember 2018 stattgefunden hat. Die Teilnehmer besuchten u.a. das ­Shaare­ Zedek Medical Center in Jerusalem und Dr. Todd Zalud, den ärztlichen Leiter der Notaufnahme. Das Krankenhaus dürfte weltweit eine der Einrichtungen mit der größten Erfahrung im Umgang mit Terroropfern sein. Mit ein Grund, warum man dort weiß, wie effiziente Krisenvorbereitung funktioniert. Konkret bedeutet das laut Dr. Zalut: „Einrichtungsleitungen müssen sich darüber bewusst sein, dass ein Massenaufkommen an Patienten jederzeit und immer aus verschiedenen Anlässen stattfinden kann – es muss nicht der gefürchtete Terroranschlag sein. Krankenhäuser sollten aber auf sämtliche Szenarien vorbereitet sein.“ Deshalb empfiehlt er, sich in einem ersten Schritt mit der Region zu beschäftigen und dort nach möglichen Gefahrenherden zu scannen. Ist diese Vorbereitung getan, geht es darum, sich über die möglichen davon ausgehenden Risiken zu informieren und einen entsprechenden Notfallplan für die Mitarbeiter aufzustellen. „Die beste Vorbereitung gelingt aber nur mit Training. Wir üben alle paar Monate ein anderes Szenario“, erklärt der Krisenexperte. Nur so erlangt jeder einzelne Mitarbeiter Sicherheit in den Aufgaben, die er im Ernstfall zu erfüllen hat. Am Shaare Zedek bekommen ausgewählte Mitarbeiter bestimmte Rollen und damit verbundene Aufgaben zugeordnet. Für die Pflege heißt das z.B., dass im Krisenfall u.a. eine Pflegefachkraft

  • für den Bereich „Immediate Care“ zuständig ist,
  • im Schockraum die Verantwortung trägt,
  • für den Bereich der posttraumatischen Behandlung zuständig ist und
  • in der Notaufnahme die Anfragen aus sämtlichen anderen Abteilungen koordiniert.

„Versuchen Sie nie, das Chaos zu organisieren. Das wird nicht funktionieren. Sie müssen die Prozesse innerhalb der widrigen Umstände so organisieren, dass die medizinische Versorgung strukturiert abläuft“, erklärt Dr. Zalut. Oberste Regel dabei: „Was nicht einfach ist, wird nicht funktionieren.“ Klingt pragmatisch und ist es auch. Diese simple, aber strategische Herangehensweise mit dem Fokus auf das Worst-Case-Szenario hat sich am Shaare Zedek bewiesen und kann zur Inspiration dienen. Bianca Flachenecker

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