Therapieäquivalent zu Antibiotika entdeckt

Forschern des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig ist es gelungen, eine Alternative zu den etablierten Antibiotika zu entwickeln.

Immer mehr Krankheitserreger sind immun gegen Antibiotika. Die WHO warnt vor wachsenden Resistenzen. Forschern des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig ist es nun gelungen, mit antimikrobiellen Peptiden eine Alternative zu den etablierten Antibiotika zu entwickeln. "Wir haben bereits 20 dieser kurzen Ketten von Aminosäuren identifiziert, die zahlreiche Keime abtöten. Darunter fallen Enterokokken, Hefen und Schimmelpilze, aber auch humanpathogene Bakterien wie der Streptococcus mutans, der in der Mundhöhle Karies erzeugt. Sogar der multiresistente Krankenhauskeim Staphylococcus aureus wurde in unseren Tests in seinem Wachstum stark beeinträchtigt", sagt Dr. Andreas Schubert, Gruppenleiter am IZI.
Aus bekannten fungizid und bakterizid wirkenden Peptiden entwickelten die Forscher Sequenzvariationen. Diese testeten sie in vitro an unterschiedlichen Keimen. Die Fäulniserreger wurden mit den künstlich hergestellten antimikrobiellen Peptiden inkubiert. Die neu entwickelten Peptide besitzen positiv geladene Aminosäurereste, so dass sie sich an die negativ geladene Bakterienmembran binden und diese durchdringen können.

Bei den Tests verglichen die Forscher die Überlebensfähigkeit der Erreger im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrolle. Der Fokus wurde dabei auf Peptide mit einer Länge von weniger als 20 Aminosäuren gelegt. "Antibiotika-Peptide entfalten ihre mikrobizide Wirkung innerhalb von wenigen Minuten. Auch wirken sie bereits bei einer Konzentration von unter 1 µM, konventionelle Antibiotika hingegen erst bei einer Konzentration von 10 µM. Das Wirkspektrum der untersuchten Peptide schließt neben Bakterien und Pilzen lipidumhüllte Viren ein. Entscheidend ist außerdem, dass die in unseren Tests identifizierten Peptide gesunde Körperzellen nicht schädigen", fasst Schubert die Ergebnisse zusammen.
Auch die Lebensmittelindustrie könnte künftig von den antimikrobiellen Peptiden profitieren. So sind etwa Salate stark durch Hefen und Schimmelpilze kontaminiert. Die Haltbarkeit von Lebensmitteln könnte verlängert werden, wenn man den Nahrungsmitteln bereits im  Herstellungsprozess antimikrobielle Peptide beimischt.  

Im nächsten Schritt wollen die Forscher am IZI die antimikrobiellen Peptide in vivo an Infektionsmodellen testen.  

Weitere Informationen: http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/18/alternative-zu-antibiotika.jsp

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