9. Bundesweite Onkologische Qualitätskonferenz 2022 Therapieänderungen bei an Krebs erkrankten Menschen empfohlen

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Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) präsentierte auf dem diesjährigen Deutschen Krebskongress die bundesweite Auswertung von Daten der klinischen Krebsregister. Bei einigen Krebsarten empfehlen die Expertinnen und Experten neue medikamentöse Behandlungen und sprachen sich außerdem für die Änderung einiger Leitlinienempfehlungen in der Onkologie aus.

Onkologische Qualitätskonferenz
9. Bundesweite Onkologische Qualitätskonferenz – durch das Programm führten die Vorsitzenden der Sitzung: Prof. Dr. Thomas Seufferlein (Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft) und Prof. Dr. Monika Klinkhammer-Schalke (Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren). – © ADT

Die 9. Bundesweite Onkologische Qualitätskonferenz wurde von Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit mit einer Zusammenfassung des bisher im Bereich der Krebsregisterdatenforschung Erreichten und einem Ausblick auf die nächsten Schritte eröffnet. Es folgten Vorträge zu den Auswertungen der Krankheitsbilder verschiedener Karzinome, wie Magen-, Lungen- und Nierenzellkarzinom, sowie Sarkome – mit teilweise entscheidenden Ergebnissen.

Elf interdisziplinär besetzte Teams werteten die Daten von über 3,3 Millionen an Krebs erkrankten Menschen und insgesamt 16 Krebsarten für die Jahre 2000 bis 2020 aus. Die Auswertung ergab bei einigen Krebsarten, etwa beim Prostata– und Endometriumkrebs, eine signifikante Verlängerung des Überlebens durch neue medikamentöse Behandlungen. Auf der Basis der Ergebnisse sprachen sich die Expertinnen und Experten außerdem für die Änderung einiger Leitlinienempfehlungen in der Onkologie aus.

Wichtige Ergebnisse

Beim Vulvakarzinom beispielsweise ließ sich mit Hilfe der Daten darlegen, dass eine Vulvektomie keine Vorteile gegenüber einer lokalen Exzision hat, weder bei der Überlebensrate noch bei der Rezidivrate. „Dies ist entscheidend für die Lebensqualität der betroffenen Patientinnen“, sagt Prof. Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren.

Statistisch signifikante Effekte konnten außerdem im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie beim Rektum- und Kolonkarzinom festgestellt werden. So weisen laparoskopische Eingriffe klinisch sehr bedeutsame Vorteile gegenüber offenen Operationen auf. „Wenn operiert werden muss, sollte minimalinvasiv operiert werden“, rät Prof. Dr. Stefan Rolf Benz, stellvertretender Vorsitzender der ADT, im Namen der auswertenden Gruppe. „Beim Rektumkarzinom wird dies inzwischen in circa 70 Prozent, bei rechtsseitigen Kolonkarzinomen aber nur in 35 Prozent der Fälle durchgeführt. Hier besteht ein erhebliches Verbesserungspotenzial“, sagt Benz. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs bestätigten die Auswertungen, dass Patienteninnen und Patienten mit singulären Lungenmetastasen bei Diagnosestellung eine deutlich bessere Prognose haben als bei einer Fernmetastasierung in andere Organe. Das Überleben lässt sich in diesen Fällen durch die Resektion der Lungenmetastase weiter deutlich verbessern.

Hintergrund

Seit 2006 organisiert die ADT bundesweite Onkologische Qualitätskonferenzen. Diese sind Instrumente zur Qualitätssicherung in der Versorgung von an Krebs erkrankten Menschen. Sie basieren auf Auswertungen anonymisierter Daten aus klinischen Krebsregistern, welche sich auf Krebserkrankungen, Therapiearten, Krankheitsverläufe und Überlebenszeiten beziehen.

Perspektivisch sollen die Daten der Krebsregister anlassbezogen ebenso mit anderen versorgungsrelevanten Daten, wie z.B. den Abrechnungsdaten der Krankenkassen, zusammengeführt und ausgewertet werden können. Ein Konzept dazu soll bis Ende 2024 von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe, den Landeskrebsregistern gemäß § 65c SGB V, dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut, dem Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e.V. sowie klinisch-wissenschaftlichen Akteuren aus Versorgung und Forschung vorgelegt werden. Das Vorhaben wird durch Gelder des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert.