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Dt. Gesellschaft für Gerontopsychiatrie & -psychotherapie Therapeutische Pflege: Vom Heim zurück in das eigene Zuhause

Dank eines neuen Konzeptes kann die Rückkehr vom Pflegeheim in das eigene Zuhause gelingen. Eine Senioreneinrichtung in Mülheim macht Pflegebedürftige fit für ein selbstständigeres Leben. Experten fordern daher die Neujustierung der gesetzlichen Grundlagen.

Themenseite: Prävention

Stürze, Schlaganfälle und andere akute Erkrankungen sind meist mit Krankenhausaufenthalten verbunden und führen im Alter häufig zu dauerhafter Pflegebedürftigkeit. Je mehr chronische Erkrankungen vorliegen, umso größer ist das Risiko. Experten gehen davon aus, dass etwa 40 Prozent der älteren Patienten in der Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt dauerhaft im Pflegeheim verbleiben.

Dass dies nicht so sein muss, zeigt das Konzept der therapeutischen Pflege mit rehabilitativen Anteilen in den Heimen der Evangelischen Altenhilfe in Mülheim an der Ruhr. Dort wurden in den Jahren 2017 bis 2019 rund 170 Menschen erfolgreich rehabilitativ gepflegt und wieder nach Hause entlassen. Die überwiegende Mehrzahl von 106 Patienten war nur bis zu drei Monate in der Einrichtung.

Enge Zusammenarbeit von Ärzten, Apothekern und Pflegenden

„In unserem Konzept steht der Mensch absolut im Mittelpunkt. Wir schauen zusammen mit Fachleuten wie Ärzten, Apothekern, Pflegefachkräften und Therapeuten, welche Therapie für den Einzelnen die beste ist und wie diese in den Pflegealltag implementiert werden kann. Dabei gibt der pflegebedürftige Mensch mit seiner Tagesform die Taktung für das therapeutische Handeln vor. Hauptaufgabe der Pflegekräfte ist es, zu motivieren und zu beobachten, wann der Pflegebedürftige bereit ist, mitzuarbeiten“, so Oskar Dierbach, der Pflegedienstleiter. „Die enge Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und Therapeuten ist Voraussetzung dafür, dass therapeutisches Handeln im Tagesverlauf auch dann geschehen kann, wenn der Pflegebedürftige die Bereitschaft dazu zeigt.“

Therapeutische Pflege: Der Alltag im Haus Ruhrgarten

Weniger Kosten und bessere Gesundheit

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, Prof. Dr. med. Michael Rapp, hat dieses Konzept und die dazu von der AOK Rheinland/Hamburg erhobenen Zahlen geprüft und kommt zu dem Ergebnis: „Rehabilitative Ansätze bei Heimbewohnern senken die Krankheitslast für den Betroffen und die Kosten für das Gesundheitssystem. Das Konzept der therapeutischen Pflege mit rehabilitativen Anteilen der Evangelischen Altenhilfe in Mülheim an der Ruhr ist gegenüber den Vergleichsheimen kosteneffizient und effektiv.“

Rechtliche Grundlagen schaffen

Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, unterstützt diese Forderung: „Im Haus Ruhrgarten haben wir gesehen, wie rehabilitative Pflege erfolgreich und zum Wohl der Pflegebedürftigen umgesetzt werden kann. Jetzt gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um die Versorgung von Pflegebedürftigen weiterzuentwickeln und soziale und ökonomische Aspekte zu verbinden. Ziel muss es sein, die disziplinären Grenzen zwischen Kranken- und Pflegeversicherung abzubauen und eine ganzheitliche Betrachtung des betroffenen Menschen in den pflegerischen Alltag zu übertragen. Hierfür muss der Gesetzgeber die rechtlichen Grundlagen schaffen.“

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