Positionspapier Telemedizin für eine bessere Versorgung nutzen

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Um allen Patientinnen und Patienten eine gleiche Teilhabe an der Telemedizin zu ermöglichen, schlägt der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V. (SVDGV) vor, ein telemedizinisches Versorgungszentrum (TMVZ) als neuen Leistungserbringer zu etablieren.

Telemedizin, TMVZ
Der SVDGV schlägt ein telemedizinisches Versorgungszentrum (TMVZ) analog einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) vor. – © tippapatt (stock.adobe.com)

Die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnen seit Jahren vor Engpässen in der medizinischen Versorgung. Insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen könne eine bedarfsgerechte Versorgung immer weniger sichergestellt werden. Im Jahr 2035 werden laut einer Studie der Robert Bosch Stiftung (2021) in Deutschland etwa 11.000 Hausärztinnen und -ärzte fehlen. Rund 40 Prozent der Landkreise werden unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht sein.

Durch Telemedizin Versorgung sicherstellen

Besonders vielversprechend sei laut SVDGV das Vorhaben der neuen Bundesregierung, die telemedizinische Versorgung regelhaft zu ermöglichen. Die Pandemie habe belegt, dass ärztliche Beratungen, Diagnosestellungen, Behandlungen sowie Nachsorge für eine Vielzahl an Indikationen telemedizinisch und damit ortsunabhängig erbracht werden können. Auch wenn die Anzahl der durchgeführten Videosprechstunden in den letzten zwei Jahren gestiegen sei, würde bisher nur ein geringer Anteil telemedizinisch durchführbarer Leistungen auch tatsächlich umgesetzt. Dabei habe besonders die Corona-Pandemie den Bedarf und die Notwendigkeit aufgezeigt, digitale Wertschöpfungspotenziale ganzheitlich zu erschließen. Die Leistungserbringung erfolgt überwiegend analog und in Sektoren, die durch eine starke Spezialisierung und Abgrenzung gekennzeichnet sind. Telemedizin könne die Schnittstelle zukünftiger integrierter Versorgungsmodelle sein. Dafür schlägt der SVDGV das TMVZ als neuen Leistungserbringer vor.

Die zentralen Überlegungen zum TMVZ

Mit einem telemedizinischen Versorgungszentrum soll ein Leistungserbringer eingeführt werden, der – analog zu einem MVZ – eine ärztlich geleitete Einrichtung bildet, in der mehrere Ärztinnen und Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sind. Dies gilt ebenfalls für die ärztliche Leitung, die in medizinischen Fragen weisungsfrei bleibt. Dabei sollte ein TMVZ ausschließlich Ärztinnen und Ärzte solcher Fachgebiete anstellen, die fachspezifisch telemedizinische Versorgung erbringen könnten. Damit werde mehr Patientinnen und Patienten der Zugang gewährt. Das TMVZ könne auch eine Triagefunktion erfüllen, um Patientinnen und Patienten zielgerichtet telemedizinisch zu beraten und zu behandeln. Sofern es medizinisch notwendig sei, könnten diese dann niederschwellig zu einer ambulanten bzw. stationären Behandlung weitergeleitet werden. Das TMVZ entlaste so die Ärzteschaft vor Ort, die weiterhin für physische Leistungen essenziell bleibt.

Möglichkeiten der Umsetzung

Eine mögliche Verankerung im SGB V könnte in einem neu zu regelnden Paragrafen erarbeitet werden. Die Zulassung eines TMVZ könnte dabei das Ziel der Qualitätssicherung und einer leitliniengerechten Versorgung unterstützen. Eine mögliche Zulassung könnte über einen eigenen Zulassungsausschuss oder Zulassungsausschüsse mit Spezialzuständigkeiten erfolgen. Besonderheit des TMVZ wäre, dass sich der Planungsbereich im Sinne von § 7 Bedarfsplanungs-Richtlinie von anderen Leistungserbringern unterscheidet. Die räumliche Grundlage bilden nicht mehr die kreisfreie Stadt, der Landkreis oder die Kreisregion. Stattdessen kann für ein TMVZ das gesamte Bundesgebiet als einheitlicher Planungsbereich fungieren. Dies sei sinnvoll, da medizinische Leistungen im TMVZ ortsunabhängig durchgeführt werden können. So wird es möglich, dass auch Patientinnen und Patienten in unterversorgten Gebieten den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen erhalten, wie in urbanen Regionen üblich. Die Etablierung des TMVZ als Leistungserbringer ließe sich laut SVDGV rechtlich unkompliziert und damit auch zeitnah in die bestehende Systematik des deutschen Gesundheitssystems integrieren.