Case Study Teledermatologie: wie Mitarbeitende und Erkrankte profitieren

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Mit einer teledermatologischen Lösung setzt man im Kantonspital Baden (KSB) auf digitale Befunde. Diese würde zeitliche und personelle Ressourcen sparen sowie eine schriftliche ärztliche Einschätzung des Hautleidens nach maximal 48 Stunden bringen.

Teledermatologie, OnlineDoctor
Über eine digitale Anwendung können teledermatologische Befunde gestellt werden. – © OnlineDoctor

Im KSB erfolgt bei dermatologischen Problemen die Konsultation von Dr. Paul Scheidegger, Facharzt für Dermatologie und Venerologie. Vor Nutzung der Teledermatologie erhielt er E-Mails mit Bildern zur Befundung von Sekretariat oder Assistenzärzteschaft. Problematisch: Oft war dies nicht zeiteffizient, die Datensicherheit lückenhaft oder die Einschätzung der Dringlichkeit der Fälle sowie Diagnosestellung nicht möglich.

Scheidegger ist Mitbegründer und medizinischer Leiter der Plattform OnlineDoctor. Um das Dilemma im KSB zu ändern, wurde eine Zusammenarbeit über die Plattform vereinbart. „Mir ist es so möglich, Fälle schnell zu sichten, die Dringlichkeit zu bewerten und meine Einschätzung mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu teilen. Das Team vom KSB bekommt dann von mir eine Diagnose und Therapieempfehlungen. Das verbessert die Qualität der medizinischen Behandlung“, sagt Scheidegger. Über die Anwendung können Personen mit einem Hautleiden Fotos und Informationen an den Facharzt oder die Fachärztin senden und erhalten dann zeitversetzt die Diagnose und Handlungsempfehlungen.

Technische und finanzielle Voraussetzungen

Bei der Integration der teledermatologischen Lösung entstanden Initialisierungskosten im Hinblick auf technischen Voraussetzungen und Schulungen der Mitarbeitenden. Zusätzlich fallen laufende Kosten für die Nutzung der Pro-App an, die sich nach der Zahl der medizinischen Mitarbeitenden richten. Als Projektleitung fungierte jeweils die Departementleitung. Jana Efe, Departmentsmanagerin Frauen und Kinder im KSB, war eine der treibenden Kräfte hinter der Umsetzung des digitalen Tools: „Wir kannten Scheidegger bereits sehr mehreren Jahren und er hat uns schnell von seiner Idee begeistert: Telemedizin, zeitnahe Befundung. Dieser Service ist gerade für ein Akutspital von höchster Bedeutung. Der Weg zur App war auch für ein Spital eine neue Erfahrung und es hat einige Anstrengungen mit unserer IT gebraucht.“ Technische Voraussetzung für die Nutzung war der Besitz eines mobilen Endgerätes, auf dem die App installiert ist. Darüber hinaus war es notwendig, individuelle Logins für alle Mitarbeitenden einzurichten, die mit dem Tool arbeiten.

So funktioniert die teledermatologische Abklärung

Wenn eine Patientin oder ein Patient im Spital an einer Hauterkrankung leidet, wird diese konsiliarisch abgeklärt. Das Behandlungsteam stellt dazu mit der App eine digitale Anfrage bei Scheidegger. Nach maximal 48 Stunden erfolgt die schriftliche ärztliche Einschätzung des Hautleidens, bestehend aus einer allgemeinen Beurteilung, Handlungsempfehlungen und möglichen Therapieoptionen. Das Behandlungsteam leitet auf Basis dieser dermatologischen Einschätzung die Therapie vor Ort ein. Die schriftliche Handlungs- und Therapieempfehlung kann im Krankenhausinformationssystem (KIS) zu Dokumentationszwecken abgelegt werden. Die Vergütung für die asynchrone teledermatologische Befundung erfolgt direkt über die Lösung. Dadurch entfallen Abrechnungsprozesse innerhalb des Spitals.

KSB und Mitarbeitende profitieren von der digitalen Anwendung

Seit der Einführung der Anwendung liegt die Fallabschlussquote bei 90 Prozent, sodass es nur in jedem 10. Fall notwendig ist, den Konsiliararzt einzubestellen. Der Entfall von Dokumentationspflichten und Organisation einer dermatologischen Befundung erzielt auf ärztlicher Seite eine Effizienzsteigerung. Da durch die digitale Anwendung eine schnelle Diagnose und ein zügiger Start der Behandlung möglich seien, erfolge eine effiziente Therapieeinleitung, was ebenfalls zu einer Zeitersparnis auf ärztlicher Seite führe.

Dr. Petra Ferrari-Pedrini, Oberärztin am KSB, sieht Vorteile für das ärztliche Team und die Betroffenen: „Bei Patientinnen und Patienten sorgt das digitale Tool für eine schnelle Entlastung der Sorgen durch die rasche, unkomplizierte Diagnose samt Therapieempfehlung. Für mein Team fügt sich das Ganze optimal in die Abläufe ein, denn es ist zeitversetzt und damit flexibel. So steigt die Zufriedenheit der Behandelnden hier im KSB und gleichzeitig die Behandlungsqualität.“ Darüber hinaus ergebe sich ein relevantes Einsparungspotenzial pro dermatologischem Konsil, abhängig vom Versicherungsstatus des zu Behandelnden.

Digitales Entwicklungspotenzial

Das Projekt zwischen dem KSB und OnlineDoctor soll digitale Konsile noch tiefer in der Infrastruktur des Spitals verankern und in allen Prozessen implementieren. Notwendig hierzu erscheinen zukünftig folgende Entwicklungen: Die nahtlose Abrechenbarkeit digitaler Konsile und erweiterte Interoperabilität. Aktuell eruieren die Partner die Abrechenbarkeit noch. Auch eine interoperable Lösung, die es ermöglicht, Bilder der Hautläsionen direkt in das Krankenhausinformationssystem (KIS) einzuspielen, befindet sich noch in der Entwicklung. „Wir sind auf Polymorbidität spezialisiert und die Vernetzung mit anderen Fachrichtungen ermöglicht die hohe Behandlungsqualität im KSB. Jeder Fall, den unser Behandlungsteam teledermatologisch abklärt, ist auch eine Chance zum fachlichen Austausch und zur Weiterbildung. Davon profitieren Mitarbeitende und Erkrankte“, erklärt Dr. Katharina Gut-Fischer, Oberärztin am KSB.