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Corona-Experiment mit Bendzko Suche nach Teilnehmern verlängert

Konzerte und Sportveranstaltungen mit tausenden Besuchern in geschlossenen Räumen sind seit Monaten nur noch eine Erinnerung aus Vor-Corona-Zeiten. Forscher der Uni Halle wollen das mit einem Experiment ändern - und suchen noch Mitstreiter.

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Rund eineinhalb Wochen vor einem geplanten Konzert des Popsängers Tim Bendzko (35, «Keine Maschine») zur Erforschung des Corona-Risikos bei Großveranstaltungen suchen die Organisatoren weiterhin nach Teilnehmern. Die Anmeldefrist für das Forschungsprojekt «Restart-19» in der Leipziger Arena wurde um eine Woche bis zum 16. August verlängert, wie die Uni-Klinik Halle am Mittwoch (12.08.2020) mitteilte. Es solle trotz der aktuellen Urlaubszeit möglichst vielen Menschen ermöglicht werden, sich zu beteiligen, sagte eine Sprecherin. Anmeldungen sind online möglich.

Derzeit sind nur rund die Hälfte der 4.200 Plätze für die ganztägige Studie am 22. August vergeben. Die Forscher wollen möglichst nah an die Viertausender-Marke kommen. «Damit hätte das Experiment eine Teilnehmergröße, wie sie auch bei großen Konzerten üblich ist», sagte Studienleiter Stefan Moritz laut Mitteilung. Rein rechnerisch sei das Experiment auch mit weniger Beteiligten möglich. «Es findet also in jedem Fall statt.»

Hauptziel der Forscher ist es, ein mathematisches Modell zu entwickeln, mit dem das Risiko eines Corona-Ausbruchs nach Großveranstaltungen in Hallen berechnet werden kann. Derzeit sind Großveranstaltungen untersagt, weil Infektionsherde befürchtet werden. Neben Kultur- und Konzertveranstaltungen betrifft das auch viele Profisportvereine, die gar nicht oder vor leeren Rängen spielen. Deswegen beteiligt sich auch der Leipziger Handball-Bundesligist SC DHfK an dem Konzert-Experiment.

«Wir brauchen solche Studien, um Großveranstaltungen im Sport- und Kulturbereich mit Hygieneerkenntnissen und schützenden Abstandsregeln wieder möglich zu machen», so der frühere Handball-Bundestrainer Christian Prokop. Der Köthener hat sich auch selbst als Teilnehmer der Studie gemeldet und wird am 22. August in Leipzig dabei sein.

Parallel dazu bereiten die Handballer des SC DHfK schon die Rückkehr der Fans in die Kulisse der Arena vor, in der sowohl das Experiment läuft als auch ihre Heimspiele ausgetragen werden. In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden soll die Kapazität schrittweise erhöht werden, so dass beim Testspiel gegen die Füchse Berlin am 5. September womöglich schon mehr als 500 Fans in die Arena dürfen, teilte der Verein Ende Juli mit.

Für die Studie der Uni-Mediziner aus Halle, wie Großveranstaltungen sicher gemacht werden können, müssen alle Teilnehmer negativ auf Corona getestet sein. Alle Beteiligten bekämen nach ihrer Anmeldung einen Test zugeschickt und sollten ihn möglichst bei einer Sammelstelle abgeben, sagte eine Sprecherin der Uni-Klinik. Das Testergebnis werde per Mail versandt und müsse am 22. August mitgebracht werden. Die Forscher stellen FFP2-Masken, die während des gesamten Experiments getragen werden müssen.

Geplant ist, in mehreren Szenarien zu messen, wie lange und wie oft Besucher von Großveranstaltungen Kontakt haben, hieß es. Dabei würden sowohl eine übliche Konzertsituation aus der Vor-Corona-Zeit simuliert wie auch verschieden strenge Schutzkonzepte. Die Auswertung soll vier bis sechs Wochen später vorliegen. Finanziert wird das rund eine Million Euro teure Projekt von den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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