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Studie: Versorgung von Dialysepatienten ist langfristig gefährdet

Die Zahl der dialysepflichtigen Menschen wird bis zum Jahr 2020 von derzeit 83.000 um ein Fünftel auf rund 100.000 steigen. Zugleich wird dann altersbedingt bundesweit fast jeder zwölfte niedergelassene Nephrologe fehlen, weil Nachwuchs ausbleibt.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des IGES Instituts zur Zukunft der Dialyse. Die steigenden Patientenzahlen haben der Analyse zufolge v.a. drei Ursachen: die weiter zunehmenden Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, die zu Nierenversagen führen können, immer mehr jüngere Patienten und die Erfolge in der Nierenersatztherapie. Erschwert werde die künftige Dialyseversorgung, weil der Rückgang der ambulant tätigen Nephrologen regional sehr verschieden ausfalle. "Damit wir weiterhin eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung haben, muss das ambulante Dialyseangebot besser verteilt und vielfältiger werden", sagt Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES Institut. Nötig sei, den Nachwuchs in der Nephrologie zu fördern sowie die Teamstrukturen in den Dialysepraxen durch stärkeren Einsatz und bessere Vergütung von Pflegekräften zu verbessern.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Zu selten kämen Heimdialyseverfahren zum Einsatz, bei denen sich Betroffene zu Hause selbst dialysieren. Nur fünf Prozent der Patienten nutzten sie, obwohl diese laut Qualitätsvereinbarung die Methode der Wahl sein sollte. "Der stärkere Einsatz der Heimdialyse trägt entscheidend dazu bei, den künftigen Versorgungsbedarf bei der künstlichen Blutwäsche zu decken", sagt Bleß. Nach Schätzung der Experten könnten bis zu 33 Prozent der Patienten sie nutzen. Vor allem die Peritonaldialyse, bei der Schadstoffe über das Bauchfell in eine Dialyselösung gelangen, sei als Heimverfahren besonders geeignet. Sie sei jedoch nicht in der Facharztausbildung verankert und komme nur selten zum Einsatz. 95 Prozent der Dialysepatienten würden mittels Hämodialyse behandelt. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers über synthetische Membranen gereinigt, was derzeit fast ausschließlich in Dialyseeinrichtungen geschieht. "Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr stark auf die Hämodialyse in Dialysezentren ausgerichtet." Es fehlten häufig Wissen und Ausbildungsvorgaben zur Peritonealdialyse sowie zu Heimdialyseverfahren, sagt Prof. Mark Dominik Alscher, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Die gesundheitliche und individuelle Situation der Patienten sollten die Wahl des Dialyseverfahrens bestimmen und nicht die strukturellen, insbesondere räumlichen oder personellen, aber auch fachlichen Gegebenheiten ambulanter Angebote, so der Nephrologe.

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