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Best-Practice Stressquelle Lärm: Wie Kliniken die Raumakustik verbessern

Piepsen, Alarm und Stimmengewirr – Krankenhäuser sind voller Geräusche. Doch Lärm kann den Gesundheitszustand von Patienten und Personal belasten. Dr. Achim Klein entwickelt Konzepte für Raumakustik bei Ecophon und erklärt wie Wand- und Deckenpanels für mehr Ruhe sorgen.

Das Leben und Arbeiten bringt oft Stress und Hektik mit sich. Hinzu kommt ein Problem, das auch heute in vielen Fällen immer noch nicht systematisch adressiert wird: Lärm. Dabei zeigt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien, dass Lärm negative physische wie psychische Auswirkungen auf Patienten und Personal haben kann.

Stressquelle Lärm

Grundsätzlich ist die akustische Umgebung in Krankenhäusern geprägt von der technischen Ausrüstung, Patienten und Familienmitgliedern, die sich im Gebäude bewegen, und klingelnden Telefonen. Diese Geräusche werden von den harten Oberflächen in den Räumen reflektiert. Zu den medizinischen Folgen erhöhter Schallexposition gehört u.a. ein steigender Blutdruck, der zu Herz-Kreislauferkrankungen führen kann. Studien belegen zudem eine eindeutige Korrelation zwischen der Lärmbelastung in Krankenhäusern und der Genesung der Patienten. So kann eine ruhige Umgebung beispielsweise die Pulsfrequenz von Bluthochdruckpatienten um bis zu 24 Prozent senken. Die Schlafqualität ist ebenfalls betroffen, was besonders in medizinischen Einrichtungen ein wichtiger Faktor im Heilungsprozess ist.

Schallabsorbierende Flächen

Auch auf Seiten der Behandelnden sind die Effekte gravierend: Unter Lärmbelastung sinkt die Leistungsfähigkeit von Ärzten und Ärztinnen und Pflegekräften, die Fehlerhäufigkeit nimmt zu. Stress, Müdigkeit und Erschöpfung der klinischen Mitarbeitenden können sich somit negativ auf die Genesung der Patienten auswirken. Die Bedämpfung eines Raumes, also die Einbringung schallabsorbierender Flächen, ist daher essentiell und schafft bessere Bedingungen für eine gut verständliche, deutliche Kommunikation ohne unnötige Sprech- und Höranstrengung. In einem Umfeld, in dem reger Betrieb herrscht und regelmäßig unter Stress weitreichende Entscheidungen für die Gesundheit eines Menschen getroffen werden müssen, ist die klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten unerlässlich.

Mehr als 100 Dezibel im Operationssaal

Räumlichkeiten wie Operationssäle, die für präzise und konzentrierte Arbeit genutzt werden, weisen eine besonders hohe Lärmbelastung auf. Vor allem in den Bereichen Neurologie und Orthopädie werden laut einer Studie der Johns-Hopkins-Universität während 40 Prozent der Operationszeit Schallpegel von mehr als 100 Dezibel erreicht. Diese Geräuschkulisse beeinträchtigt nicht nur die Sprachverständlichkeit und das Wohlbefinden der Beteiligten, sondern unter Umständen die Qualität der Behandlung.

Was können medizinische Einrichtungen gegen diese akustischen Missstände tun? Um wirksame Veränderungen zu schaffen, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Dazu zählen das menschliche Verhalten, die Geräuschimmissionen der medizinischen Geräte und die baulichen Voraussetzungen im OP-Saal. Letztere können durch den Einbau einer schallabsorbierenden und gleichzeitig desinfizierbaren Decke verbessert werden, damit die Chirurgen und Chirurginnen die besten Voraussetzungen haben, sich voll und ganz auf die Patienten zu fokussieren.

Weitere Folgen der Lärmbelastung

Lärm wirkt sich auch auf das soziale Leben in klinischen Einrichtungen aus. Oft wird ein hohes Maß an interaktiver und integrativer Bereitschaft des Personals gefordert. Unglücklicherweise führt ein hoher Geräuschpegel jedoch zu einer abstrahierten, verkürzten Kommunikation, die durch Körpersprache verstärkt wird. Das wiederum kann zu einer Verflachung des Patientenkontakts führen. Folglich können individuelle Bedürfnisse von Patienten im wahrsten Sinne des Wortes „überhört“ werden. Ähnlich verhält es sich mit Hilfsbereitschaft und dem Fürsorgegedanken, die eventuell zu Lasten der Patienten im Stress untergehen. Hieraus entsteht eine unbefriedigende Arbeitssituation.

In Ruhe genesen

Um den Bedürfnissen des Personals und der Patienten gerecht zu werden, muss das Krankenhausmanagement die Raumakustik mehrdimensional betrachten. Konzentration ist zweifellos ein entscheidender Faktor für die Qualität der Arbeit aller Mitarbeitenden im Krankenhaus. Eine unzureichende Raumakustik fördert Stress und verringert die kognitive Leistungsfähigkeit. Klar ist aber auch, dass ein gewisser Grundgeräuschpegel in Krankenhäusern unvermeidlich ist. Um dennoch eine akustische Umgebung zu schaffen, in der Patienten und Personal sich wohlfühlen, sollte die Raumakustik in die bauliche Planung einer medizinischen Einrichtung integriert werden: So können die Patienten in Ruhe genesen und die Mitarbeitenden mit voller Konzentration arbeiten.

Dänemark macht es vor: Hvidovre-Krankenhaus in Kopenhagen

In einer Studie im Hvidovre-Krankenhaus in Kopenhagen wurde der positive Effekt einer adäquaten Raumakustikgestaltung anhand von drei Operationssälen nachgewiesen. Das teilnehmende Personal arbeitete in allen drei OP-Sälen. In zwei von drei Operationssälen wurde eine schallabsorbierende Decke eingebaut, um die Schallstärke im Raum zu reduzieren und dadurch den Hintergrundgeräuschpegel zu minimieren. Eine zusätzliche Verbesserung wurde durch Wandabsorber erreicht.

Diese verringern noch einmal die Lautstärke im Raum und geben dadurch eine bessere Sprachverständlichkeit. Notwendige Abstimmungen zwischen den an der Operation beteiligten Mitarbeitenden konnten aufgrund dessen mit leiserer Stimme erfolgen. Jede einzelne dieser Akustikmaßnahmen führte zu einer messbaren Verbesserung der Raumakustik, die das Personal deutlich spürte. Der akustisch am stärksten modernisierte Operationssaal wurde als beste Arbeitsumgebung bewertet, da er eine ungestörte Kommunikation ermöglichte.

Überblick: Auswirkungen einer guten Raumakustik

  • Pulsfrequenz von Bluthochdruckpatienten wird um bis zu 24 Prozent gesenkt.
  • Stress wird um elf Prozent reduziert.
  • Wiederholte Patientenaufnahme wird um bis zu 56 Prozent reduziert.
  • Einnahme von Schmerzmittelmedikation nimmt um bis zu 67 Prozent ab.
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