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Lesetipp Stress in Schach halten

Der erste Spekulatius im Supermarkt läutet erfahrungsgemäß ab Oktober die (sehr frühe) Vorweihnachtszeit ein. Fortan tickt die Uhr – irgendwann ist die Adventsdekoration dran, Geschenke wollen besorgt sein. Bis Jahresende muss noch viel im Job weg. Und leider jagt dann noch eine Konferenz den nächsten Kongress… Stress! Wie Sie ihn in Schach halten, bewältigen und vorbeugen ist genauso Thema dieses Sammelbandes wie ein Überblick zu stressmedizinischen Erkrankungen und Therapieansätzen.

Positiver Stress kann motivieren, sogar glücklich machen – so zumindest sprach der Volksmund im letzten Jahrtausend. Doch das Bild hat sich längst gewandelt, wie viele offizielle Studien etwa zu Erkrankungen belegen. Gerade Menschen, die in Gesundheitsberufen tätig sind, klagen immer öfter über zu hohe Arbeitsdichte, Überlastung und entsprechende psychische oder physische Beeinträchtigungen.

Bedrohung der Neuzeit

Tatsächlich wird Stress von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der größten Bedrohungen der Neuzeit eingeschätzt. Ein Reaktionsmuster, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat, wird durch eine rasante Veränderung der Lebensgewohnheiten deshalb auch zunehmend zu einer medizinischen Herausforderung: Chronischer Stress kann krank machen. So gibt es immer mehr Krankheiten und Störungen, die ihre eigentliche Ursache in langanhaltenden Stressoren haben. Was durch Stress verursacht wird, benötigt deshalb eine spezielle therapeutische Herangehensweise, die systemisches Denken und Handeln einbezieht.

Horrende Auswirkungen

Was nach den ersten vier Kapiteln, die sich mit den Grundlagen beschäftigen, im zweiten und dritten Abschnitt zu körperlichen Erkrankungen bzw. seelischen Störungen dann doch erstaunt, ist der Umfang möglicher, weil horrender Auswirkungen.

Angefangen im Kindes- und Jugendalter, reicht das Spektrum zum einen u.a. über Herz, Orthopädie, Magen-Darm-Trakt, Diabetes mellitus bis hin zur Geburtshilfe und zur HNO-Heilkunde. Zum Beispiel „Deutschland hat Rücken“ – diese Formulierung, längst geflügeltes Wort, trifft hier auf diverse konkrete Fakten im Zusammenhang mit Stress. Zum anderen sind natürlich Depressionen und das Burn-out-Syndrom vertreten.

Praxis und Wissen

29 Fachautoren widmen sich zudem der Diagnostik, therapeutischen Interventionen und – last not least – der Arbeitswelt inkl. Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM). Schlagworte wie Widerstandskraft, Resilienz und Reduktion werden beleuchtet, auch Entspannungsverfahren (wie Autogenes Training, Tai-Chi-Chuan und Qigong) und, na klar, Bewegung.

Das Buch mündet schließlich in Wissenswertes etwa zu betrieblichen Kosten stressbedingter Arbeitsausfälle, weitsichtiger Personalentwicklung und Change-Management. Praktische Beispiele u.a. zu lebenszyklusorientierten Arbeitsmodellen und Handlungsempfehlungen runden die 336 Seiten ab.

Sinnvolle Investition

In Zeiten von gewünschter Work-Life-Balance, Selbstoptimierung und -vermessung, ständig neuen Ernährungstrends und Diskussionen um BGM kommt dieses Buch wie ein großes Fragezeichen, gar wie ein Widerspruch daher: „Die Bedeutung des Problems und die Notwendigkeit zu handeln sind in vielen unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft angekommen“, heißt es nämlich im Vorwort der drei Herausgeber.

Wirklich? Fragt sich nur: Und wer zieht jetzt die Konsequenzen? Ein Aspekt, der – wenn alle Geschenke ausgepackt und die Festmenüs verzehrt sind – über die Feiertage zum Nachdenken anregt. Thema wie Buch (jetzt in einer aktualisierten Auflage) sind zumindest eine sinnvolle Investition. Schließlich stehen ja noch die guten Vorsätze fürs nächste Jahr an …

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