Health&Care -

„Eingeimpft“: Heftige Diskussion um Buch und Film Stich ins Wespennest

Kaum ist das Buch „Eingeimpft“ im Handel, gibt es Diskussionen: Der Autor David Sieveking wird mit Impfkritikern und teils Impfgegnern in eine Reihe gestellt. So einseitig ist das jedoch falsch: Der Berliner, dessen gleichnamiger Dokumentarfilm am 13. September 2018 in den Kinos startet, hat zwar reichlich kritische, gar skandalöse Fakten recherchiert, schildert das Thema aber auch aus Sicht seiner eigenen Familie. HCM sprach mit Sieveking ausführlich über seinen Stich ins Wespennest.

Bis zur Geburt seiner ersten Tochter waren Impfungen für David Sieveking kein Thema. Doch als seine Lebensgefährtin das Baby partout nicht piksen lassen wollte, aus Angst vor Nebenwirkungen, vertiefte sich der werdende Vater und Dokumentarfilmer in die Fachliteratur. Nach Durchsicht einiger Studien und auch kritischer Bücher wuchsen schließlich ebenso bei ihm die Zweifel. Was also tun – impfen oder nicht? Und wenn ja – wann und wogegen?

Die unrühmliche Spur des Impfstoffes Hexavac

Das Ergebnis seiner Recherchen rund um den Erdball ist ab 13. September im Kino zu bestaunen. Doch der Dokumentarfilm „Eingeimpft“ ist nicht nur erstaunlich, sondern teilweise skandalös. Sieveking folgt u.a. der unrühmlichen Spur des Sechsfach-Kombinations-Impfstoffes Hexavac, der nach seiner Neuzulassung zu Todesfällen bei Säuglingen führte. Dazu erklärt der Pathologe Prof. Dr. Randolph Penning vom Münchner Institut für Rechtsmedizin, der den Stein 2002 ins Rollen brachte, vor der Kamera: Als er seine Untersuchungsergebnisse gemeldet habe, „hat man das Ganze runtergebügelt. Was wir schriftlich aus den Kreisen der Ständigen Impfkommission bekamen, war zum Teil schwer unter der Gürtellinie.“

Ähnlich äußert sich Dr. Klaus Hartmann, ehemaliger Mitarbeiter des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), der damals Nebenwirkungen von Impfstoffen sammeln und bewerten musste und gleichfalls auf mögliche, gar „relativ wahrscheinliche“ Zusammenhänge stieß. „Da habe ich irgendwann nur die lapidare Nachricht bekommen: Wir machen nichts, regt euch ab. Und es kamen ja immer mehr Todesfälle.“ Sein Fazit: „Wenn es wirklich was damit zu tun hat… Damit hat man Kinder auf dem Gewissen. Das kann’s nicht sein.“

Fragwürdige Reaktionen, Kritik an der WHO

Der zuständige Pharmahersteller sanofi pasteur MSD nahm Hexavac zwar vom Markt, jedoch nur mit der Begründung, der Stoff habe eine „mangelhafte Langzeitwirkung“. Noch vor Sievekings Kamera, vor der zunächst niemand aus dem Unternehmen Stellung nehmen wollte, sagt der französische sanofi-Pharmasprecher Dr. Joel Calmet: Der Impfstoff sei an den Todesfällen nicht schuld, es gebe keine Beweise.

Und schließlich besuchte der Filmemacher in Westafrika den dänischen Forscher Prof. Dr. Peter Aaby, der nach 40 Jahren Forschung zur Langzeitwirkung von Impfungen die Impfprogramme der Weltgesundheitsorganisation kritisiert: Die WHO sei zu sehr auf die Bekämpfung und Ausrottung spezifische Krankheiten fixiert, statt die Stärkung des Immunsystems im Allgemeinen zu berücksichtigen.

HCM sprach mit David Sieveking, der zuvor für seinen beeindruckenden Demenz-Dokumentarfilm „Vergiss mein nicht“ mehrfach ausgezeichnet wurde, über seine aktuelle Arbeit.

Herr Sieveking, warum ein Dokumentarfilm zum Thema Impfen?

Sieveking: „Meine Geschwister und ich sind alle geimpft und ich hatte mir darüber nie Gedanken gemacht. Dann wurden bei meiner Lebensgefährtin Jessica während der Schwangerschaft die Diphterie-Tetanus-Impfung aufgefrischt, wonach sie sehr krank wurde. Was nicht ihre erste eigene schlechte Erfahrung mit dem Impfen war und ihre Sorge bestätigte, dass diese Stoffe starke Nebenwirkungen haben können. Als unsere Tochter Zaria dann acht Wochen alt war und die ersten Impfungen anstanden, kam das Thema erneut hoch.“

Welchen Disput gab es dazu in Ihrer Familie?

Sieveking: „Jessica hatte mehr Angst vor Nebenwirkungen, ich vor möglichen Krankheiten. Ich war auch der Überzeugung, dass man auf Profis wie unsere Kinderärzte oder die STIKO hören sollte, während sie wollte, dass wir uns mündig selber informieren. Natürlich konnte ich nicht mal eben Medizin studieren. Doch nach Gesprächen beim Kinderarzt und v.a. anderen Eltern begriff ich: Das ist ein heißes Eisen.“

Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten überrascht oder auch entsetzt?

Sieveking: „Die Geschichte um Hexavac hat mich erschüttert: dass sowas in Deutschland passieren kann, dass ein Impfstoff zunächst weiter eingesetzt wird, trotz des eindeutigen Verdachts, er könnte Babys töten. Auch die Tatsache, dass er dann vom Markt genommen wurde, aber angeblich nur, weil die Langzeitwirkung mangelhaft war: Das war meiner Ansicht nach keine glaubhafte Begründung, obwohl seriöse Fachleute, auch im Film, eben auf den wahrscheinlichen Zusammenhang mit den Todesfällen hingewiesen hatten.

Und erstaunt haben mich zwei Dinge. Zum einen, dass man grundsätzlich viel über potenziell giftige Zusatzstoffen in Impfungen wie Aluminiumsalzen weiß, aber die Behörden und Hersteller trotz vieler Untersuchungen die Schädlichkeit des Leichtmetalls abstreiten. Dass mit dieser Problematik nicht offener umgegangen und aktiver nach einer Alternative gesucht wird, verstehe ich nicht.

Am meisten aber hat mich die 40-jährige Arbeit des Forschers Dr. Peter Aaby erstaunt, weil seine wissenschaftlichen Ergebnisse Impfgegner wie -befürworter gleichermaßen überraschen dürften. Er hat durch seine innovativen Langzeitstudien die sogenannten „nicht-spezifischen-Effekte“ von Impfungen belegt: Lebendimpfstoffe, wie etwa die gegen Masern, helfen der menschlichen Gesundheit insgesamt, nach der Impfung ist man nicht nur gegen Masern, sondern auch gegen ganz andere Infekte besser gerüstet, es kommt offenbar zu einem positiven Trainingseffekt. Totimpfstoffe hingegen sorgen für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit: man ist zwar gegen die Erkrankung gegen die die Impfung entwickelt wurde geschützt, handelt sich aber leichter andere Infekte ein als ohne die Impfung. Aabys Erkenntnisse eröffnen eine ganzheitliche Sichtweise auf unser Immunsystem, das durch die richtige Stimulierung insgesamt gestärkt werden kann.“

Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Arbeit?

Sieveking: „Das Thema ist sehr politisiert und ideologisiert. Obwohl z.B. Prof. Aabys Studien in renommierten Fachmagazinen veröffentlicht wurden, ignoriert die WHO bislang die negativen nicht-spezifischen Effekte der Totimpfstoffe und erkennt nur die positiven Effekte der Lebendimpfstoffe an. Es wird wohl befürchtet, die allgemeine Impfbereitschaft würde abnehmen, wenn bekannt würde, dass Impfungen nicht so segensreich sind wie behauptet wird. Umgekehrt picken sich Impfkritiker nur die negativen Aspekte aus Peter Aabys Arbeit heraus, um ihre Thesen zu untermauern. Anstatt das nüchtern auf die Fakten gehört wird, geht es beim Impfen dauernd darum, die eigene Position zu bestärken.“

Was erhoffen Sie sich an Reaktionen?

Sieveking: „Der Film wird hoffentlich eine Brücke für Kritiker wie Befürworter bauen und beide Seiten zum Nachdenken anregen. Ich kann mir vorstellen, dass Eltern, die eine anthroposophische Haltung haben und nicht impfen, weil sie glauben, Krankheiten seien wichtig, um das Immunsystem der Kinder aufzubauen, sich für die Forschungsergebnisse zu Lebendimpfstoffen interessieren, die ja in abgeschwächter und weniger gefährlicher Form genau die erhoffte Stärkung der Abwehrkräfte bewirken.

Ich hoffe v.a., dass Eltern sich informieren und beharrlich bei Ärzten und Instituten nachhacken, anders wird nichts zu bewegen sein. Denn wenn man etwas ändern will, braucht das neue Studien, und die kosten sehr viel Geld. Die Rolle von Kritikern ist auch die, der Industrie auf den Zahn zu fühlen, die ohne Druck nichts an ihrem Geschäftsmodell ändern wird.“

Aber viele Fachleute werden von Ihrem Film kaum begeistert sein...

Sieveking: „Das Robert Koch-Institut kennt den Film schon. Die sagen: ‚Es ist nicht damit getan, alle zu Wort kommen zu lassen. Auch in der Wissenschaft und in der Ärzteschaft gibt es Außenseiter.‘“

Ursprünglich waren Sie ein Befürworter von Impfungen – und nun?

Sieveking: „Jetzt sehe ich das differenzierter. Man wird immer gefragt: Sind Sie dafür oder dagegen? Das Thema ist aber viel komplexer und man kann nicht alle Impfungen und Krankheiten in einen Topf werfen. Viel wichtiger ist es, individuell auf jeden Menschen zu gucken – in welchem Umfeld bewegt sich ein Kind, kommt es zum Beispiel früh in eine KiTa und was braucht ein Erwachsener, der vielleicht viel ins Ausland reist. Wichtig wäre eine Gesundheitspolitik, die weniger auf das Ausmerzen von Krankheiten abzielt, was ja niemals umfassend gelingen kann, als auf die Stärkung der menschlichen Abwehrkräfte, die dann mit sämtlichen Erregern besser fertig werden.“

Trotzdem haben viele Leute Ihre Recherchen bereits in den falschen Hals bekommen. Ihre Antwort?

Sieveking: „Wer mein Buch wirklich liest merkt, dass man im Text laufend erfährt, worauf sich meine Recherchen stützen. Mehrmals wird aktuell behauptet, ich würde den Verdacht äußern, Impfungen lösten Autismus aus, während ich im Film aber gar nicht darauf eingehe und im Buch sogar darauf hinweise, dass dieser Verdacht wissenschaftlich ausgeräumt ist. In meinem Film würde außerdem nicht erwähnt, dass Impfungen, die natürlichen Mechanismen der Immunisierung nutzen, was völlig absurd ist, weil dafür sogar mehrere erklärende Animationen gestaltet wurden. Auch wird unterstellt, dass der soziale Aspekt des Impfens, also der Schutz der Mitmenschen, bei unserer Impfentscheidung keine Rolle gespielt hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Im Film beschäftigen sich mehrere Szenen mit dieser Frage und auch im Buch sind diese sozialen Gesichtspunkte ganz entscheidend für unsere Impfentscheidung.“

Und was ist aktuell Stand zu Ihren beiden Töchtern?

Sieveking: „Sie sind inzwischen geimpft gegen Masern, Mumps und Röteln, auch gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. Wir haben aber darauf geachtet, dass nach der Spritze mit Totimpfstoffen eine Lebendimpfung folgt, die das Immunsystem positiv stimuliert.“

Kinotour in Anwesenheit des Filmemachers

Von Montag, 10. September bis Sonntag, 23. September 2018 ist David Sieveking bundesweit auf Kinotour: In 13 Städten begleitet er die Vorstellungen und steht für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung. Die genauen Termine gibt es auf der Homepage zum Dokumentarfilm.

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen