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Corona-Schutzmaßnahmen Stationäre Altenpflege: "Möglichst viele Freiheitsrechte aufrechterhalten"

In einem aktuellen Leitfaden setzt sich die Ethikkommission der Pflegekammer Niedersachsen mit dem Dilemma von Pflegeeinrichtungen auseinander: Bewohner vor Covid19-Infektionen schützen, aber weiterhin am sozialen Geschehen teilhaben lassen. Konkrete Hilfestellungen für schwierige Fragen.

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Die aktuelle Pandemie stellt Einrichtungen der stationären Altenpflege und ihre Mitarbeitenden vor besondere Herausforderungen. Die in Alten- und Pflegeheimen lebenden Menschen sind in einem besonderen Maße gefährdet, schwer an COVID-19 zu erkranken. Dieses erfordert weitreichende Schutzmaßnahmen. Aus Sicht der Ethikkommission der Pflegekammer Niedersachsen ist eine vollständige Isolation jedoch weder realistisch noch erstrebenswert.

In diesem Spannungsfeld von Fürsorge und Autonomie sollten möglichst viele Freiheitsrechte aufrechterhalten werden. „Die Rechte pflegebedürftiger Menschen müssen in der aktuellen Situation besonders geschützt werden“, betont der Vorsitzende der Ethikkommission Lutz Schütze. Bedeutsam ist, dass mögliche Infektionen zeitnah identifiziert werden. Außerdem stellen Angehörigenbesuche für Bewohner eine wesentliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dar. Es muss ein Ziel der Pflege sein, solche Sorge-Beziehungen weiterhin zu ermöglichen. U.a. folgende Eckpunkte definiert die Kommission in ihrem ethischen Standpunkt:

  • Die Situation von Menschen mit Demenz erfordert es, sie in besonderer Weise vor einer Infektion und vor sozialer Isolation zu schützen. Grundrechte, wie das Recht auf Teilhabe, sind bei diesen Personen nur in begründeten Einzelfällen einzuschränken.
  • Den Bedürfnissen Sterbender und ihrer Angehörigen ist nachzukommen. Angesichts der hohen Belastungen ist es wichtig, auf Unterstützungsangebote der ambulanten Palliativversorgung sowie ehrenamtlicher ambulanter Hospizdienste zurückzugreifen.
  • Die Mitarbeitenden der stationären Altenpflege sind bis über ihre Belastungsgrenzen hinaus gefordert. Um schwerwiegende Situationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, sollte eine psychosoziale Begleitung und Betreuung der Mitarbeitenden gewährleistet sein.

Der vollständige Wortlaut des Ethikstandpunktes mit den exemplarischen Situationen ist unter dem Titel „Ethischer Standpunkt 2: Stationäre Altenpflege in der COVID-19-Pandemie“ auf der Website der Ethikkommission der Pflegekammer Niedersachsen abrufbar.

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