Pflege -

Start-up des Monats: care&creation Start-up des Monats: care&creation

Pflege rückt immer mehr in den gesellschaftlichen Fokus. Dabei steigen die Erwartungen: Pflegebedürftige wollen beste Betreuung und Fachkräfte einen attraktiven Job. Betroffene wie Mitarbeiter müssen aber mehr denn je umworben werden, weshalb Marketing zum A und O wird. Die Werbeagentur care&creation hat sich genau darauf spezialisiert.

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In Zeiten von Jobbörsen und Vergleichsportalen sind sowohl Fachkräfte als auch Pflegebedürftige und deren Angehörige zu gut informierten Kunden geworden. Doch schaut man sich einmal auf den Websites der meisten Anbieter um, muss man sich eingestehen: Umworben fühlt man sich hier nicht. Weder als potenzieller Bewerber noch als potenzieller Pflegekunde. Es klafft also eine große Kommunikationslücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Doch wie soll man diese ohne eigenes Know-how schließen? Woher bekommt man einen Auftritt, der klar herausstellt, warum man ein attraktiver Arbeitgeber und top aufgestellter Pflegeanbieter ist? Und warum ist man überhaupt „besonders“ im Vergleich zu den Wettbewerbern?

Gezieltes Marketing ist da die halbe Miete, wenngleich viele Anbieter die Notwendigkeit für so ein Engagement bisher oft nicht sehen. Obwohl es dabei nicht nur um eine steigende Nachfrage für Pflege insgesamt, sondern auch um Wertschätzung für diesen Beruf geht. HCM sprach mit der Art-Direktorin Anna-Carina Thygs, Dipl.-Kommunikationsdesignerin (FH), die gemeinsam mit dem Dipl.-Betriebswirt und Pflegeheimleiter Ulrich Zerhusen in Hamburg die Werbeagentur care&creation gegründet hat.

Frau Thygs, wie haben Sie und Herr Zerhusen sich gefunden?

Thygs: Wir kannten uns bereits aus Studienzeiten, hatten lange aber nichts mehr voneinander gehört. Über die sozialen Medien bekam Ulrich mit, dass ich mich selbstständig gemacht hatte. Da er zu dieser Zeit jemanden für sein Marketing suchte, nahm er den Kontakt zu mir auf. Das war 2014 und über die jahrelange Zusammenarbeit entstand die Idee, unser kombiniertes Wissen anderen Pflegeanbietern anzubieten.

Warum braucht die Pflege Werbung?

Thygs: Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Warum braucht Kosmetik Werbung? Ein Unternehmen muss unternehmerisch geführt werden, egal in welcher Branche. Auch ein Pflegeanbieter muss folglich für sein Angebot werben, um sich von seiner Konkurrenz unterscheidbar zu machen. Es geht also nicht um das „Warum“, sondern um das „Wie“.

Aber wieso fällt es der Branche oft schwer, so eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen?

Thygs: Meine Erfahrung zeigt, dass da einfach zwei Welten aufeinandertreffen. Es gibt viele gegenseitige Vorurteile, mangelnde Kenntnis über die Arbeit sowie Budgetvorstellungen der jeweils „anderen“ und auch Sprachbarrieren. Wenn die Werbeagentur ganz selbstverständlich nach dem USP fragt, aber die Abkürzung PDL noch nie gehört hat, dann ist die Zusammenarbeit möglicherweise schon am ersten Gespräch gescheitert.

Wie geht care&creation bei einem Auftrag vor?

Thygs: Bevor wir über den konkreten Auftrag sprechen, ist es wichtig sich kennenzulernen. Das klingt erst mal banal, ist aber unglaublich wichtig. Ist gegenseitiges Vertrauen vorhanden, folgt die Analyse: Was möchte man erreichen? Was macht das Unternehmen und sein Angebot aus? Wie ist das Budget? Welche Maßnahmen passen zu Ziel und Budget? Sind diese Fragen beantwortet, beginnt unsere Arbeit. Ein passendes Team wird zusammengestellt und die besprochenen Maßnahmen werden in enger Absprache mit dem Kunden umgesetzt.

Das Image der Pflege müsse aufpoliert werden, da sind sich alle Akteure einig. Doch wie lässt sie sich entsprechend „verkaufen“?

Thygs: Mein Appell an alle Pflegeanbieter lautet: Haben Sie Mut! Denken Sie um die Ecke! Die abgebildete Azubi-Stellenanzeige war ein voller Erfolg mit knapp 600 Likes, 90 ausschließlich positiven Kommentaren und sie wurde fast 200-mal geteilt. Sie kommuniziert eine klare Haltung: „Schulnoten sind in unserem Unternehmen nicht so wichtig, wie du als Person es bist.“ Sie bewirbt also einerseits eine offene Stelle, andererseits stärkt sie das Image als Arbeitgeber.

Ihre Agentur und auch viele Entscheider möchten, dass mehr „gute Geschichten“ über die Pflege erzählt werden. Kommt Marketing wirklich gegen Mängel und Skandale an?

Thygs: Wir alle lieben Geschichten, deshalb ist „Storytelling“ auch das große Thema im Marketing. Und was sich andere Branchen durch Kreative teuer ausdenken lassen, bringt die Pflege von Menschen automatisch mit sich: viele berührende Geschichten. Und genau die gilt es zu erzählen. Es ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Pflegeunternehmens, politische Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen mit eigenen Marketingmaßnahmen aufzufangen. Wichtig ist, seinen Marketingfokus auf die Dinge zu lenken, auf die man selbst Einfluss hat.

Mit dem Aufbau des deutschen „Queen Silvia Nursing Awards“ ist Ihnen ein echter Coup gelungen. Helfen Prominente als Zugpferde?

Thygs: Definitiv. Schauen Sie sich einmal um, wie viele Unternehmen mit Prominenten und Influencern werben. Voraussetzung für den Erfolg ist ein glaubwürdiger Bezug des Promis zum Thema oder Produkt. Im Falle von Königin Silvia war das die Erkrankung ihrer Mutter. Königin Silvia erkannte Handlungsbedarf in der Förderung und Wertschätzung der Pflegenden. Seitdem engagiert sie sich mit verschiedenen Stiftungen, Kooperationen und dem „Queen Silvia Nursing Award“ für die Pflege und Pflegenden.

Wie sieht Ihr Portfolio für die Zukunft aus?

Thygs: Wir freuen uns auf viele spannende Kontakte und Wissensaustausch. Daher sind wir nicht nur für Aufträge buchbar, sondern teilen unser Wissen auch gerne auf Kongressen und in Seminaren. In Workshops entstehen erste Ideen für das eigene Marketing.

Also lassen Sie uns gemeinsam starten. Denn gute Pflege verdient gute Werbung.

Die Fragen stellte Carolina Heske. 

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