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Onlinekolumne Standards absenken – ein Volkssport mit Wachstumsperspektiven

In seinem aktuellen Beitrag beschäftigt sich HCM-Kolumnist Eckhard Eyer mit dem richtigen Umgang mit Standards in der Pflege.

Ist die Luft am Stuttgarter Neckartor zu hoch belastet, dann liegt die Ursache laut Expertenaussagen darin, dass dort zu viele Autos fahren, die entsprechend viel Abgase ausstoßen. Lassen sich der Verkehr und die Abgase je Dieselfahrzeug nicht kurzfristig reduzieren, dann wird der Bereich für Dieselfahrzeuge gesperrt. Es dürfen dort dann nur „saubere“ Autos fahren. Wird diese Entscheidung von Bürgern als unpopulär gebrandmarkt, werden die jahrelang gültigen und für gut befundenen Standards und die Meßmethoden infrage gestellt.

Merke: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Eine schlechte Luft, die zu Krankheiten und vorzeitigem Tod führt gibt es nicht. Schließlich kümmert sich eine demokratisch gewählte Regierung um das Wohl und die Gesundheit ihrer Bürger, im Zweifel durch das Absenken der Standards (im vorliegenden Fall durch das erhöhen der erlaubten Schadstoffe), die sie selbst – unter großem Lob ein paar Jahre zuvor – beschlossen hat! Sind die verwässerten Standards eingehalten, ist die Regierung aus dem Schneider.

Richtiger Umgang mit Standards

Geltende Standards, davon dürfen wir meines Erachtens ausgehen, haben grundsätzlich ihren Sinn, sonst hätten wir sie nicht als gut erachtet und in Kraft gesetzt  sondern uns schon früher an ihnen gerieben! Wichtig ist, dass die Grundlagen der Standards wissenschaftlich ermittelt und die vorgenommenen politischen Setzungen für die Öffentlichkeit transparent sind. Die politischen Festlegungen erfolgen – unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessengruppen – ebenso wie die Überprüfung ihrer Einhaltung nach standardisierten Meßmethoden.

Standards in der Pflege

In der Pflege gibt es eine Reihe von Standards. Sie sind wie überall zunächst einmal begründet gesetzt und einzuhalten. Es empfiehlt sich sie in angemessenen Zeiträumen zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Eine Diskussion über die Reduktion der Standards, nicht zuletzt aufgrund der sich abzeichnenden leerer werdenden Kassen, wird es in den nächsten Jahren allerorten geben. Wir haben die Diskussion über Standards zur Zeit schon bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen für Pflegeheime in Mietimmobilien in Nordrhein-Westfalen, wir werden sie bei der Diskussion über angemessene bundeseinheitliche Pflegeschlüssel bekommen und bei der Pflegefachkraftquote wird sie anhalten. Wenn bewährte Standards dazu dienen die versprochene Qualität der Pflege zu sichern, dann sollten wir sie → auch in Zeiten leerer werdender Kassen – nicht einfach absenken.  

Es wäre schade, wenn es stimmt, was Dieter Hildebrand einmal sagte: „Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.“

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