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Thüringen Sprachprüfung ist für viele ausländische Ärzte zu hohe Hürde

Um praktizieren zu können, müssen ausländische Ärzte Fachsprachenkenntnisse nachweisen. Die entsprechende Prüfung bestehen aber viele nicht. Die Landesärztekammer wünscht sich angesichts des Fachkräftemangels ohnehin eine andere Lösung.

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Viele ausländische Ärzte, die in Thüringen praktizieren wollen, schaffen die notwendige Sprachprüfung nicht. Die Durchfallquote lag im Jahr 2018 bei rund 40 Prozent, wie die Landesärztekammer am Donnerstag, 10. Januar 2019, mitteilte. Von den 348 bis Jahresende stattgefundenen Fachsprachprüfungen galten 139 als nicht bestanden, 209 Prüflinge schafften den Test. Nach Angaben der Ärztekammer schneidet Thüringen damit immerhin noch besser ab als der Bundesdurchschnitt. Die deutschlandweite Durchfallquote bei der Fachsprachenprüfung lag den Angaben nach bei 44 Prozent.

Ärzte mit Studienabschluss aus dem Ausland bekommen eine Approbation in Deutschland erst, wenn sie ausreichend fachspezifische Sprachkenntnisse nachweisen können. Laut Landesärztekammer gilt das sowohl für Ärzte aus EU-Ländern als auch aus Drittstaaten. Die Fachsprachprüfung kostet 450 Euro und kann beliebig oft wiederholt werden. Nach Angaben der Landesärztekammer besteht die Prüfung aus drei Abschnitten:

  • einem simulierten Arzt-Patienten-Gespräch,
  • dem Anfertigen eines Arztbriefes und
  • einem Gespräch zwischen zwei Ärzten.

«Unsere Patienten müssen sich auf uns Ärzte verlassen können, dass wir Befunde richtig erheben und erklären und auch weiterbehandelnden Ärzten übermitteln können», erklärte die Präsidentin der Landesärztekammer, Ellen Lundershausen. Ihrer Meinung nach ist es auch für die ausländischen Kollegen wichtig, vor Fehlern bewahrt zu werden, die aus unzureichender Kommunikationsfähigkeit entstehen könnten.

Kandidaten kommen u.a. aus Syrien, Äqypten und Aserbaidschan

Von den Prüflingen im vergangenen Jahr kamen mit 119 Kandidaten laut Kammer die meisten aus Syrien. Aus Ägypten stammten 51, aus Aserbaidschan 43, aus dem Irak 37 und aus Libyen 36. Die Herkunftsländer der Prüflinge gleichen laut Ärztekammer «teils einer Übersicht zu Kriegs- und Bürgerkriegsschauplätzen der Erde».

«Die Landesärztekammer lehnt das gezielte Abwerben von Ärzten ab, die in ihren Heimatländern dringend für die gesundheitliche Versorgung gebraucht werden», sagte eine Sprecherin. Stattdessen sollte nach Auffassung der Kammer die Zahl der Medizinstudienplätze in Thüringen erhöht werden, um auf den Ärztemangel zu reagieren. Sie fordert eine Aufstockung um zehn bis 20 Prozent, wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte.

Auch das Thüringer Gesundheitsministerium sieht eine Erhöhung der Medizinstudienplätze als «mögliche Option», wie ein Sprecher sagte. Andererseits lehne das Ministerium zwar eine gezielte Abwerbung von Ärzten aus dem Ausland ab. «Es kommen aber Migranten zu uns und in diesem Rahmen sollten wir es ihnen auch ermöglichen hier Fuß zu fassen und ihren Beruf auszuüben.»

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