Ethikrat Spende und Adoption überzähliger Embryonen gesetzlich regeln

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Die Weitergabe überzähliger Embryonen wird spätestens seit 2013 auch in Deutschland praktiziert. Damit sind Fragen der Lebens- und Entwicklungschancen von Kindern, elterlicher Verantwortung und familiärer Beziehungen verbunden. Der Deutsche Ethikrat empfiehlt, die Bedingungen für die Embryospende/-adoption gesetzlich festzulegen. Das Gremium hat jetzt eine Stellungnahme veröffentlicht.

© Dan Race (Fotolia.com)

Embryonen können überzählig werden, wenn sie für die fortpflanzungsmedizinische Behandlung des Paares, für das sie erzeugt wurden, endgültig nicht mehr verwendet werden können. Die Spende überzähliger Embryonen und die Annahme durch ein zumeist kinderloses Paar kann Personen, die keine genetisch eigenen Kinder zeugen können oder wollen, zu einem Kind verhelfen und zumindest einigen überzähligen Embryonen Lebenschancen eröffnen.

Das Kindeswohl im Fokus

Für die Ausgestaltung der Embryospende/Embryoadoption geht der Ethikrat vom Kindeswohl als wesentliche normative Maßgabe aus. Daher sollte klar geregelt werden, dass die elterlichen Rechte und Pflichten vom Spenderehepaar aufgehoben werden und an das Empfängerpaar übergehen, erläutert die Vorsitzende des Ethikrates, Prof. Christiane Woopen. Das bedeutet, mit dem Zeitpunkt des Embryotransfers sollte dem Empfängerpaar die rechtliche Elternschaft übertragen werden.

Eine Embryoadoption sollte in der Regel nur dann erfolgen, wenn zwei Elternteile die rechtliche Verantwortung übernehmen. Alleinstehende Frauen sollten jedoch nicht von vornherein ausgeschlossen werden, heißt es in der Stellungnahme. Nach Auffassung der Mehrheit der Ratsmitglieder sollte das Empfängerpaar grundsätzlich entweder verheiratet oder in einer rechtlichen Partnerschaft verbunden sein. Eine Minderheit hält eine rechtliche Verbindung für entbehrlich. Einige Mitglieder sind der Meinung, dass die Embryoadoption nur verheirateten Paaren offenstehen sollte.

Einig ist das Gremium darin, dass Aufklärung und Beratung sowohl bei den Spender- als auch bei den Wunsch- bzw. Empfängereltern medizinische, rechtliche und psychosoziale Aspekte umfassen sollten.

Das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung ist nach Auffassung der Experten zu gewährleisten. Der Ethikrat schlägt vor, eine zentrale Stelle einzurichten, die die Embryonenspende dokumentiert. Die Unterlagen sollten 110 Jahre aufbewahrt werden; dies entspricht der Regelung im § 5 des Personenstandgesetzes. Bei der Dokumentationsstelle kann jeder ab Vollendung des 16. Lebensjahres Auskunft erhalten, ob und welche Informationen zu seiner genetischen Herkunft vorhanden sind.

Die Stellungnahme ist hier zu finden.