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20. PEG-Fachtagung im Hilton Munich Park Hotel "Sicherheit und Vertrauen in der digitalen Gesellschaft stärken"

„Gesundheitswirtschaft im Wandel“ lautete das Motto der PEG-Fachtagung am 10. Oktober 2019 in München. Wandel im Hinblick auf KI, Big Data und Robotik, v.a. auch im ethischen Kontext, diskutierten renommierte Referenten und rund 500 Akteure verschiedener Professionen.

Topic channels: Fort- und Weiterbildung, Einkauf und Digitalisierung

Im voll besetzen Auditorium begrüßte der Vorstandsvorsitzende der PEG. eG Anton J. Schmidt das Publikum und stellte kurz das Programm und die Highlights der Fachtagung vor.
Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Human und Digital – Der Mensch als Mittelpunkt in einer Welt aus Daten“ hielt Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth. Dabei ging es zunächst einmal um die Frage, was uns der Fortschritt als Individuen, als Gesellschaft und als Menschheit insgesamt bringt. Diese grundsätzlichen Fragen zu erörtern und sich zu vergegenwärtigen, um sie im Einzelnen immer wieder neu zu bewerten sei stets notwendig, häufig hilfreich und nicht auch selten ethisch geboten, sagte Prof. Nagel. Des Weiteren zeigte er an Beispielen auf, welche Möglichkeiten die Digitalisierung in der Medizin bietet und wie sie einsetzbar ist. Dabei verwies er aber auch auf die Schwachstellen zum Beispiel durch die Gefahr einer Manipulation der besonders sensiblen medizinischen Daten durch Missbrauch oder unerlaubte Hackerzugriffe. „Ein wirksamer und strukturell angepasster Datenschutz ist daher unabdingbar und nicht nur rechtlich notwendig, sondern auch ethisch geboten", betonte Prof. Nagel in seinem Vortrag. Sicherheit und Vertrauen müsse in der digitalen Gesellschaft gestärkt werden. Dazu gehöre zum Beispiel ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme, nannte Nagel unter anderem als Beispiel aus den Forderungen der Resolution zur Digitalisierung.
Sein Fazit lautete, dass der Mensch immer zentraler Gestalter seiner eigenen Entwicklungen und Errungenschaften sei – im positiven wie im negativen Sinne.
Das Thema des Eröffnungsvortrags von Prof. Nagel „Human und Digital – Der Mensch als Mittelpunkt in einer Welt aus Daten“ war dann auch Gegenstand der angeregten Podiumsdiskussion, an der Jana Aulenkamp, Daniel Bahr, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel und Andreas Westerfellhaus teilnahmen. Allgemeines Fazit war, dass die Digitalisierung zum Wohle des Menschen ein wichtiger Prozess sei, deren Umsetzung im Gesundheitswesen zügig vorangetrieben werden müsse. Dies müsse auch unter Berücksichtigung des notwendigen Datenschutzes geschehen. Moderiert wurde die Runde von Prof. Dr. Jörg Debatin, dem Leiter des Beratergremiums Health Innovation Hub des Bundesministeriums für Gesundheit.

Die fünf Foren

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion der Eröffnungsveranstaltung konnte das Publikum in fünf Foren zwischen inhaltlich verschiedenen Themenkreisen wählen. So behandelte das Forum Akut die Thematik innovative Gesundheitsversorgung in der Zukunft und welche Herausforderung diese für unsere alternde Gesellschaft bedeutet. Im Fokus standen dabei die demografische Entwicklung, der medizintechnische Fortschritt und die Erwartungshaltung der Patienten. All das müsse auch im Hinblick begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen bewältigt werden.
Diese Problematik wurde auch aus der Sicht der Industrie diskutiert. Die Industrie sei hochinnovativ und die Medizin solle die Innovationen wissenschaftlich evaluieren und gemeinsam mit den Geschäftsführungen ein sinnvolles Versorgungsniveau festlegen, so eine Erkenntnis dieses Forums. Der Einkauf habe sich dann um die professionelle Beschaffung zu kümmern. Die an die Vorträge anschließende Podiumsdiskussion u.a. mit Referent Dr. Michael Dahlweid, leitete der Experte für Gesundheitsökonomie Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff von der Universität Münster.

Reha vor Pflege

Welche Bedeutung die medizinische Rehabilitation hat und welchen Stellenwert in der Politik bzw. Gesellschaft, wurde im Forum Reha erläutert. Die medizinische Reha solle im Sinne des SGB V, VI und IX einen physischen oder psychischen Gesundheitsschaden mildern, eine Erwerbsminderung (EM-Rente) bzw. Eintritt von Pflegebedürftigkeit abwehren oder verzögern. Die Wirksamkeit der Rehabilitation würde aber weiterhin angezweifelt, kritisierte Ellio Schneider, Geschäftsführer der Waldburg-Zeil Kliniken, in seinem Vortrag „Rehabilitation von der Politik vergessen?“ Obwohl es entsprechende Nachweise wie das PROGNOS-Gutachten 2009 gebe, würde es bei Kuraufenthalten an hinreichenden Effizienznachweisen mangeln, laute die Auffassung. Entsprechende Zahlen belegen jedoch, dass die Reha durchaus effizient und zum Nutzen des Patienten sei, erklärte Schneider anhand einer Übersicht Kosten-Nutzen-Verhältnis. „Menschen möchten nach schwerer Krankheit möglichst schnell wieder in ihr altes Lebens zurück“, so Schneider. „Mit Rehabilitation kann Pflege verschoben oder verhindert werden.“ Dem Grundsatz „Reha vor Pflege“ komme deshalb hohe Bedeutung zu. Außerdem müsse Reha bedarfs- und nicht budgetgerecht werden, führte Schneider weiter aus. Gesetzgeber sollten verlässliche Grundlagen für die Vereinbarung von Vergütungssätzen schaffen und Begrenzung der Pflegesatzsteigerungen durch die sogenannte Grundlohnrate streichen. Dadurch würde endlich eine angemessene Refinanzierung der stetig steigenden Kosten in der medizinischen Reha möglich.
Welche Bedeutung die Reha für die Gesellschaft hat, war Gegenstand des Vortrags von Klaus Holetschek MdL, Vorsitzender des Landesgesundheitsrats Bayern. Dabei hob er hervor, dass Bayern anteilsmäßig die meisten Reha-Einrichtungen in Deutschland habe, mit bedeutenden wirtschaftlichen Primär- und Sekundäreffekten. Dabei ging Holetschek auch auf die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen bei Schließungen vieler Reha-Einrichtungen ein.
Die sozioökonomische Bedeutung der medizinischen Rehabilitation in Bayern führte der leitende Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege Andreas Ellmaier aus. Dazu erklärte er anhand einer Studie, welche enorme wirtschaftliche Bedeutung Reha-Einrichtungen gerade im ländlichen Bereich hätten und dies kein zu unterschätzender Faktor zum Beispiel im Hinblick auf Arbeitsplätze ist.

Neue Wege gehen

Andreas Westerfellhaus äußerte sich zur Situation der Pflegekräfte aus Sicht des Pflegebevollmächtigen der Bundesregierung. „Man kann die Herausforderungen pflegerischer Versorgung für die Zukunft nicht solitär denken", sagte Westerfellhaus. „Wir müssen interdisziplinär, interprofessionell mit neuen Arbeitsmethoden, neuen Qualifizierungswegen und mit einem anderen Selbstverständnis vorgehen. Wer glaube, dass die Herausforderungen der Zukunft der nächsten Jahrzehnte mit den Instrumenten der letzten 30 Jahre zu lösen sind, der irrt. Man müsse bei diesen Herausforderungen auch den Mut haben, neue Wege zu gehen.“
Nobert Matscheko
der Leiter der Bayerischen Pflegeakademie erläuterte in seinem Vortrag die Entwicklung der Krankenpflegeausbildung und zeigte die Veränderungen durch die generalistische Pflegeausbildung auf. Sein Fazit war ein Appell an alle Verantwortlichen, dass wir auf dem Weg zu einer sicheren pflegerischen Versorgung der Menschen in Bayern, allen interessierten Schulabgängern ein vielfältiges Bildungsangebot in der beruflichen Pflege und in der akademischen Qualifizierung unterbreiten müssen, um so junge Menschen für die Pflege zu gewinnen. „Pflegekräfte müssten die Änderungen positiv begleiten, um die Zukunft professionell zu gestalten", sagte Matscheko.
Weitere Referenten waren Dr. Jan Harder, der über die Möglichkeiten zur Unterstützung der Pflegekräfte durch Robotik sprach. Manfred Zwick erklärte das Magnethausmodell in Theorie und Praxis. Franziska Fisches beendete das Forum Pflegekräfte mit ihrem Referat zu mobilen Lösungen zur Infektionsprophylaxe und Hygieneprävention.

Care und Digitalisierung

Im Forum Care begrüßte Stefan Köbler die Besucher und Referentin Melanie Eckart, die das Indikatorenverfahren zwischen Pflege und Datenerfassung zum Thema hatte. Bastian Haase referierte im Anschluss über die Indikatorenerfassung via App, Software und QM-Beratung im Gesundheitswesen. Am Nachmittag hatte Heide Gegenfurtner die Bayerischen Leitlinien Seniorenverpflegung im Fokus. Den Abschluss des Care Forums bildet Jürgen Brüggemann mit seinem Referat über die neue MDK-Qualitätsprüfung mit Prüfablauf und -inhalten sowie die Bewertung der neuen Prüfung.
Nachdem Prof. Dr. Jörg Debatin im Forum Digitalisierung Einblick in die Arbeit und die Ziele der Health Care Innovation Hub (hih) des Bundesgesundheitsministeriums gab, sprach Dr. Stephan Balling über das Innovationsmanagement im Gesundheitswesen: Wie schätzt sich das Management ein? Frank Ebeling zeigte im Anschluss Hintergründe und Grundlagen zum Messaging auf und wie sich Unternehmen schützen können. Dabei ging er auf „Netsfere“ als Alternative ein und wie solche Systeme funktionieren.
Priv.-Doz. Dr. Michael Bortz hatte danach die künstliche Intelligenz – Vision und Realität zum Thema. Thomas Wollny erläuterte anschließend das operative Potenzial der KI für das Supply Chain Management im Gesundheitswesen.

Last but noch least - Urs Meier

Nach dem Nachmittagsprogramm der Foren sprach der langjährige FIFA-Reserveschiedsrichter Urs Meier zum Abschluss der PEG-Fachtagung über das Thema „Entscheiden unter Druck“. Viele Verantwortliche der Gesundheitsbranche kennen die Situation, schnelle und präzise Entscheidungen treffen zu müssen. Parallelen zog der Schweizer als Schiedsrichter. In seiner gewohnt unterhaltsamen und überzeugenden Art, sprach er über seine Erfahrungen, wie es ist, weitreichende Entscheidungen bei Europa- und Weltmeisterschaften treffen zu müssen, und das, in einem so emotionalen Sport wie dem Fußball.

Interessenten dürfen sich den 8. Oktober 2020 als Termin der 21. PEG-Fachtagung in München vormerken.

Weitere Informationen über die Veranstaltung und die Vorträge sind über die Internetseite der PEG Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft abrufbar.

Das war die 20.PEG-Fachtagung in München

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