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Digitale Versorgung Gesetz Selfapy: Erste Depressions-App ab sofort per Rezept

Corona steigert die psychische Belastung und kann die Symptome einer Depression verschärfen. Auch Wartelisten von Therapeuten füllen sich. Als Überbrückungshilfe unterstützt die App Selfapy, die nun als Digitale Gesundheitsanwendung zugelassen wurde, und damit auf Rezept verordnet werden kann.

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Seit Dezember 2020 können Patienten mit diagnostizierter Depression mit dem psychologischen Online-Kurs von Selfapy unterstützt werden – ohne Wartezeit und für Patienten kostenlos. Dank des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) können Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und damit auch der Online-Depressions-Kurs von Selfapy ab sofort problemlos per Rezept verordnet werden. Die Kurskosten trägt die gesetzliche Krankenkasse.

Denn durch Corona leiden noch mehr Menschen unter einer psychischen Belastung, gleichzeitig sind Therapieangebote durch die Pandemie schwerer zugänglich, was auch die Deutsche Depressionshilfe bereits im November 2020 bestätigte. Die Zahl der Patienten auf der Warteliste für einen Therapieplatz vergrößert sich und Wartezeiten verlängern sich deutlich.

Da Patienten in dieser Zeit auf sich allein gestellt sind, kann es zu einer Progredienz, einem verzögerten Heilungsverlauf durch z. B. eine länger andauernde Krankheitsepisode oder schlimmstenfalls einer Chronifizierung der Symptome kommen. Auch Prof. Dr. Volker Amelung von der Medizinischen Hochschule Hannover weist darauf hin: "Sehr viele psychisch Kranke bleiben aktuell unbehandelt, weil die Wartezeiten auf eine Psychotherapie so lang sind. Das können digitale Kurse wie Selfapy ändern."

Selfapy als erste Depressions-App auf Rezept

Durch das Verordnen von Selfapys Depressions-Kurs auf Rezept wird nun eine schnelle, erste Unterstützung von Patientenangesichts langer Wartezeiten auf ambulant verfügbare Psychotherapieplätze gewährleistet. Es besteht zeitliche und räumliche Flexibilität, auch außerhalb regulärer Praxiszeiten. Der Kurs von Selfapy ​zur Behandlung von Depressionen ​wurde beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) als DiGA zugelassen. Damit zählt Selfapy zu den Pionieren in der digitalen Gesundheitsversorgung in Deutschland. "Die Anzahl psychischer Erkrankungen steigt in Deutschland. Unser Gesundheitssystem braucht digitale Angebote wie Selfapy, um die Versorgung weiter zu sichern", sagt Anke Ruediger, Vorsitzende des Apotheken Verbandes Berlin.

Wie funktioniert Selfapy?

Selfapy bietet psychologische Online-Unterstützung für Menschen mit leichten bis mittelstarken psychischen Belastungen an. Die Online-Kurse sind ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt und folgen daher strengen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Die Programme sind indikationsspezifisch, haben eine Laufzeit von zwölf Wochen und basieren auf etablierten Manualen der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Kurse wurden gemeinsam mit führenden Wissenschaftlern entwickelt. Im Rahmen der Patientensicherheit stehen Nutzern in vielen Angeboten persönliche Psychologen zur Verfügung, die Fragen zum Kurs beantworten.

Charité bestätigt Wirksamkeit durch Studie

Für die Gewährleistung einer sicheren Nutzung und Wirksamkeit von Selfapy werden mehrere Studien durchgeführt. Nach ersten Ergebnissen einer RCT-Studie der Charité Berlin mit 400 Probanden wird die Symptomatik bei Nutzung des Depressions-Kurses signifikant reduziert. Darüber hinaus laufen derzeit vier weitere RCT-Studien an der Universität Gießen und der Universität Heidelberg.

Keine Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten

Selfapy will niedergelassenen Ärzten, Therapeuten und Psychologen nicht den Rang ablaufen. "​Online-Unterstützung will die reguläre Therapie nicht ersetzen. Sie bietet jedoch die Möglichkeit, jenen schnelle Hilfe zugänglich zu machen, die sonst keine Möglichkeit auf Unterstützung haben. Unsere Kurse eignen sich als Überbrückung der Wartezeit auf den Therapieplatz und auch als niedrigschwelliger Einstieg für jene, die den Schritt zur klassischen Therapie noch nicht wagen wollen​"​, erklärt CEO und Gründerin Nora Blum. Sie spricht sich für ein informierenden Kommunikation mit Ärzten und Psychotherapeuten aus.

Nutzerstimmen verdeutlichen Unterstützung

Selfapy-Nutzer Frank (42) sagt über die App: "Durch die Corona-Pandemie und den zweiten Lockdown hat sich meine Depression leider wieder verschlimmert, mir fällt es schwer aus dem Bett zu kommen, das Haus verlasse ich kaum noch. Durch Selfapy habe ich die Möglichkeit, gegen die Depression aktiv zu werden, obwohl ich keinen Therapieplatz bekommen habe. Der Online-Kurs unterstützt mich dabei, meinen Alltag besser zu strukturieren und die Depression zu verstehen - das hilft mir sehr."

Wie die Online-Kurse verordnet werden

Bei entsprechender Indikation (F32, F33) können Ärzte und Therapeuten mit Kassensitz ihren Patienten den Depressions-Kurs ab sofort per Rezept verordnen. Der Kurs findet sich im Praxisverwaltungssystem über die Pharmazentralnummer (PZN) 16954730. Sollte Selfapy noch nicht in Ihr PVS eingespielt sein, sollte das Rezept übergangsweise händisch ausgefüllt werden. Hierzu kann bei der KV ein Blanko-Muster 16-Rezeptblock bestellt werden. Eine Ausfüllhilfe finden Sie hier.

Weitere Informationen zu den Selfapy-Kursen finden Sie auf der Website oder im BfArM-Verzeichnis.

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