Operationen Selbstmanagement besser als behördliche Anordnung

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Corona-Pandemie

Behördlich angeordnete Verschiebungen von elektiven Eingriffen in Krankenhäusern sind wenig zielführend. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die auf einem Benchmarking-Programm des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA), des Verbandes für OP-Management (VOPM) und des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) beruht.

Operationsmanagement
Die Studie zeigt, dass situationsgerechtes Handeln zu besseren Ergebnissen in der Fallzahlentwicklung führt, als behördlich angeordnete Verschiebungen von elektiven Eingriffen. – © ???? ???????? (stock.adobe.com)

Kliniken haben das reguläre OP-Programm angesichts der hohen Corona-Inzidenzen und Hospitalisierungszahlen schon eingeschränkt. Die Analyse zeigt laut einer Pressemitteilung des BDC, dass die deutschen Krankenhäuser während der zweiten und dritten Pandemiewelle die Einschränkung ihres Leistungsprogramms selbst situationsgerecht geregelt haben. Die behördlich angeordnete Absage elektiver Eingriffe während der ersten Welle habe zu einem undifferenzierten pauschalen Fallzahlrückgang in Kliniken geführt.

Fallzahlen werden analysiert

Die Studie basiert auf einer Analyse der Fallzahlentwicklung in der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie der Unfallchirurgie/Orthopädie während der zweiten und dritten Welle bis Ende Mai 2021. „Wenn man die Auswahl der Patienten und Patientinnen den Kliniken überlässt, erhält man ein sehr gut austariertes, sich selbst steuerndes System, das zeigen unsere Zahlen ganz klar“, sagt Dr. Jörg Rüggeberg, Vizepräsident des BDC. So sei deutlich erkennbar, dass Eingriffe mit hoher Dringlichkeit – z.B. Krebsoperationen – in der zweiten und dritten Welle nur mäßig rückläufig waren. Dagegen seien die Fallzahlen bei Eingriffen, deren Verschiebung erfahrungsgemäß für die zu behandelnden Menschen mit keinen negativen Folgen verbunden sei, deutlich gesunken.

Situationsgerechtes Handeln

Auch in der Relation zwischen Operationsfrequenzen und Inzidenz zeige sich der situationsgerechte Umgang der Kliniken mit der Pandemie. So ging die Fallzahl in den unfallchirurgisch-orthopädischen Hauptabteilungen in Hochinzidenzgebieten während der zweiten Welle um bis zu 40 Prozent zurück, in Niedriginzidenzgebieten dagegen nur um bis zu 18 Prozent. Während der ersten Welle sank die Fallzahl aufgrund der behördlichen Beschränkung insgesamt jedoch um bis zu 35 Prozent.