Gebäude&Technik -

Angenehmes Raumklima Sechs von 100 dürfen meckern

Wenn sich nur sechs von 100 Gebäudenutzern über Zugluft oder darüber beschweren, dass sie ständig frieren oder schwitzen, ist die Welt für Planer und Betreiber von Lüftungsanlagen in Ordnung. Das ist die übliche „Mecker­quote“. Sind es mehr, besteht Handlungsbedarf, vor allem wenn definierte Wohlfühlkriterien nicht geboten werden.

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Bisher regelt die DIN EN 15251 das von Lüftungsanlagen zu schaffende Innenraumklima. Raumtemperaturen, Luftgeschwindigkeiten im Aufenthaltsbereich, CO2-Gehalt in der Luft und weitere Faktoren, die die Aufenthaltsqualität in Innenräumen beeinflussen, sind hier genau festgelegt – mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Räume für Kranke und Kinder unterliegen besonders strengen Maßstäben. „Noch findet die DIN EN 15251 zu wenig Beachtung“, monierte Klaus-Dieter Wolf, Systemtechnikberater Süddeutschland bei der Firma Trox, auf einer Fortbildungsveranstaltung der Regionalgruppe Bayern in Ismaning. „Dabei verweist auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) auf diese Norm. Die DIN EN 15251 erhält damit Gesetzescharakter, sobald mechanische Lüftungsanlagen mit einer Gesamtluftmenge von mehr als 4.000 m³/h oder mit 9 m³/h je Quadratmeter geplant werden. Das gilt auch für Umbauten und Sanierungen von RLT-Anlagen.“

Die DIN EN 15251 bleibt anerkannte Regel

Mit der DIN EN 16798 legt der Gesetz­geber bei seinen Anforderungen an das Raumklima noch einmal nach. Geht dieses Regelwerk in seiner aktuellen Fassung mit zum Teil nicht mehr gültigen Normenverweisen durch, dürfte es für Gebäudebetreiber schwer werden, ihre Lüftungsanlagen regelkonform zu betreiben, fürchtet Wolf. Daher hat unter anderem Deutschland gemeinsam mit Belgien, Frankreich, Großbritannien und Norwegen erst einmal Einspruch eingelegt gegen diese neue Auslegungsnorm für Lüftungsanlagen. Die DIN EN 15251 bleibt damit zunächst als anerkannte Regel der Technik bestehen.

Probleme gebe es in der Praxis immer dann, wenn Gebäudenutzer nicht mehr persönlich eingreifen können und sich dadurch der Technik ausgeliefert fühlen, merkte der Leiter der Regionalgruppe und Organisator der Veranstaltung, Josef Wilnauer, an. Sollwert-Einsteller und andere Einrichtungen, die die Möglichkeit suggerieren, das Klima im Raum selbst zu bestimmen, könnten das Reizthema ohne großen Aufwand „befrieden“. Wolf betonte: Auch wenn Lüftungsanlagen zu den größten Verbrauchern im Gebäude gehören, seien die größten Energieverbraucher bekanntermaßen Gebäude ohne Lüftungsanlagen. Fenster auf und Heizung an, gehöre hier leider immer noch zum beliebtesten Betriebsmodus der Gebäudenutzer.

Maria Thalmayr

Die Präsentation zum Vortrag finden Sie auf der Homepage der FKT (www.fkt.de -> Wissen/Tagungspräsentationen).

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