Mutmach-Geschichte Schwimmen, boxen und radeln mit Hightech-Beinprothese

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Mike Schmitz‘ Geschichte macht greifbar, was Digitalisierung im Gesundheitsbereich leistet. Denn der 50-Jährige verdankt seiner smarten Beinprothese ein neues Leben. Der Essener schwimmt und springt damit sogar vom drei Meter Brett. Nun will er auf Facebook andere inspirieren und ermutigen.

Mike Schmitz
Mike Schmitz aus Essen schwimmt u.a. mit der wasserdichten Beinprothese von Ottobrock. – © Privat

Mike Schmitz schwimmt, boxt und fährt Fahrrad – doch das war nicht immer so. Vor 30 Jahren verlor der heute 50-Jährige sein rechtes Bein bei einem Motorrad-Unfall. Die mechanische Prothese, die der Mann aus Essen zunächst trug, ließ sportliche Aktivitäten kaum zu. Erst eine Hightech-Prothese ermöglichte ihm vor vier Jahren wieder das zu tun, was ihn mit Freude erfüllt: Sport. Seine neue Freiheit und Lebensqualität verdankt er auch der smarten Technik in seinem neuen Bein.

Smarte Beinprothese

Die Prothese „Genium X3“ von Ottobock läuft über sechs Mikroprozessoren und denkt selbstständig mit. Sie erkennt das gesunde Bein und wechselt zwischen verschiedenen Bewegungsmodi z.B. vom Geh- auf den Treppenmodus. Sobald Schmitz schneller läuft, erkennt die Prothese automatisch die Geschwindigkeit des gesunden Beins und passt sich dem Gangbild an. Ein integrierter Stolperschutz unterstützt zusätzlich.

Außerdem kann Schmitz seine intelligente Prothese via Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Mit der speziellen App aktiviert er bis zu 30 Sportarten z.B. Inlineskating, Ski-Langlauf, Tischtennis oder den Fahrradmodus. Bei letzterem läuft sein Bein flüssig mit der Radel-Bewegung mit, denn der sonst aktivierte Stolperschutz wird dabei abgeschalten. Damit fährt Schmitz zwischen 40 bis 80 Kilometer pro Fahrradtour – mit reiner Muskelkraft.

Für den Hersteller Ottobock läuft Schmitz mittlerweile auf Messen als Model. Treppen, über Hindernisse oder Gefälle laufen ist heute selbstverständlich. Mit dieser Botschaft will er auch anderen zeigen, dass man trotz Handicap ein aktives und erfülltes Leben führen kann. Vor einem Jahr ging daher „Mike macht Mut“ auf Facebook online. Mittlerweile haben über 4.000 User seine Seite abonniert.

„Mike macht Mut“ auf Facebook

Dort lässt er Follower an seinem Leben teilhaben – teils auch mit Augenzwinkern, so schrieb er Anfang der Woche als die Maskenpflicht aufgrund des Coronavirus in Kraft trat: „Am Montag, den 27.04.2020 heißt es für mich ca. 15 Minuten in Zukunft eher aufstehen. Erst Beinprothese anziehen, dann die Schutzmaske. Hoffentlich bleibt Hörgerät und Gebiss außen vor.“

Auch für den gemeinnützigen Verein „Inklusion braucht Aktion“ setzt sich Schmitz als Botschafter ein. Das Ziel der Organisation ist es Inklusion im Sport und durch Sport in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.