Lesetipps -

Lesetipp Schöne Bescherung auf der Überholspur

Weihnachtszeit – Geschenkezeit. Manch eine Dame findet dazu unter dem Tannenbaum (gewünschte) Kosmetika. Doch an Anti-Falten-Programmen können auch noch Herrschaften Gefallen finden, die lange jenseits der Zielgruppe überlebt haben. Eine dazu passend schöne Bescherung ist das humorige Sammelsurium: „Oma, die Nachtcreme ist für 30-Jährige!“ Anja Fritzsche, die mit ihrer Großmutter Maria eine Facebook-Seite betreibt, hat die besten Anekdoten familiärer Erkenntnisse nun in einem Taschenbuch verewigt. Und Ewigkeit ist wörtlich zu nehmen: Oma Maria wird dieser Tage 108 Jahre jung.

Steht eine 107-Jährige vor dem Spiegel und stellt fest: „Es hat schon alles seine Richtigkeit, dass die Sehkraft im Alter nachlässt!“ So zu lesen auf der sehr originellen Facebook-Seite „Was macht eine 107-Jährige heute“. Zumal eine Erkenntnis, die bereits 50 Jahre früher ebenso ihre Berechtigung hätte. Mehr zu diesem bewundernswerten Humor findet sich jetzt im Taschenbuch „Oma, die Nachtcreme ist für 30-Jährige!“. Autorinnen sind, wie bei Social Media, Anja Fritzsche und ihre Großmutter Maria. Anders als auf dem Cover und online verhält es sich inzwischen jedoch noch sportlicher: Die 107-Jährige wird dieser Tage nämlich 108 Lenze jung.

Bei der Geburt war Kaiser Wilhelm II. noch im Amt

Nun finden sich Glückwünsche für hochbetagte Mitbürger nicht zuletzt täglich als kleine Meldungen in Lokalzeitungen. Auch immer mehr Studien zu Hundertjährigen treiben die demografische wie gesundheitspolitische Debatte voran. Da ist es neben Multimorbidität oder Polypharmazie so Erleichterung wie Unterhaltung, was „das Alter“ an unglaublichen Momenten hervorbringt. Als die Titelheldin 1909 in Essen geboren wurde, war Kaiser Wilhelm II. noch im Amt. Zwei Weltkriege, eine Mondlandung, noch mehr technische Errungenschaften folgten. Inzwischen hat die gelernte Innendekorateurin zwei Kinder, fünf Enkelkinder, zwei Urenkel. Und ein Handy und seit Sommer eben einen eigenen Facebook-Account mit nunmehr knapp 6.000 Fans.

Es fehlt nicht an ernsten Gedanken

Und die verfolgen, wie im Buch, Urlaube in Spanien oder Thailand, aberwitzige Restaurantbesuche, schräge Gottesdienste, ungewöhnliche Familienfeiern oder eher unprätentiöse Arzttermine. Auch schmunzelhafte Momente wie die Schilderungen, dass Maria keine Lust auf Rente hatte und deshalb mit über 60 in einem Hotel als Kaffeeaufsicht beim Frühstück anheuerte. Trotzdem fehlt es nicht an ernsten Momenten. Denn natürlich machen sich die Verwandten seit ca. 25 Jahren darüber Gedanken, ob der nächste Geburtstag nicht der letzte würde. Irgendwann wurde eine neue Herzklappe fällig. Und gute Freunde starben.

„Immer vorwärts gehen, niemals stehen bleiben“

Das ist aber noch nicht alles. Denn auch Anja Fritzsches andere Oma Mia ist schon 100 Jahre alt. So mischen sich beide Viten und Anekdoten munter zu einer Sammlung aus abenteuerlichen, manchmal auch historischen Erlebnissen und Weisheiten. Zwei Lebensläufe auf der Überholspur – rund um die Feiertage mit Familien und Freunden, auch als Rückschau und Ausblick eine so leichte, besinnliche wie anregende Lektüre: Was nehmen Sie sich für das neue Jahr vor? Noch keine Idee? Dann lesen Sie einfach von diesen beiden Großmüttern und erkennen: „Immer vorwärts gehen, niemals stehen bleiben“ ist die so harmlose wie allererste Option.

Schade übrigens, dass die offiziellen biografischen Unterlagen zum Buch zwar mit dem erfrischend-jugendlichen Alter beider Omas werben, nicht jedoch mit den kalendarischen Lenzen der Enkelin. An diesem Selbstverständnis wäre (für Frauen) noch zu arbeiten …

© hcm-magazin.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen