Digitale Vernetzung Schneller Datenzugriff per Tablet-PC

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Digitalisierung

Das Klinikum Nürtingen, Teil der Kreiskliniken Esslingen gGmbH, zog im Jahr 2010 in ein neues Gebäude, das vernetzt und digital gestaltet wurde. Ziel war es, ein effizientes Arbeiten auf hohem Qualitätsniveau zu ermöglichen.

Datenerfassung während der Visite direkt am Krankenbett. – © Klinikum Nürtingen

Schneller Datenzugriff per Tablet-PC

Das Krankenhausinformationssystem (KIS) Orbis von Agfa HealthCare bildet einen zentralen Baustein in der IT-Infrastruktur der Klinik. Die Pflegemodule des KIS basieren größtenteils auf Listen und Formularen zum Anklicken und Abhaken. Eine Lösung für stiftbasiertes Arbeiten mit einem sogenannten MCA (Mobile Clinical Assistant) bot sich daher als ideale mobile Umsetzung für häufig genutzte Anwendungen auf den Stationen an.

Unter der Leitung von Gertrud Türk-Ihli, Projektverantwortliche und Vorstandsmitglied der Orbis-Anwendergruppe, wurde das Klinikum in Nürtingen zum Pilotanwender für Orbis auf Tablet-PCs. Die ersten Testläufe wurden Ende 2008 im alten Klinikgebäude durchgeführt. Dank einer Teststellung von Intel konnte das Pflegepersonal Tablet-PCs verschiedener Hersteller im Alltag vergleichen.

Bis dahin hatte die Klinik erste Versuche mit Laptops unternommen, für deren Einsatz die hauseigene Schreinerei spezielle Wagen gefertigt hatte. Die Handhabung der Laptops gestaltete sich jedoch als wenig praktisch. Die Geräte nahmen mit dem Wagen zu viel Platz ein, die Lesbarkeit des Displays war nicht ideal und die Akku-Laufzeiten waren zu kurz.

Leicht, robust und versiegelt

Nach einer Testphase von knapp neun Monaten entschied sich die Klinik für den C5v von Motion Computing, der v.a. durch seine für die Stifteingabe optimierte Oberfläche überzeugte. Der C5v erfüllt neben den technischen Anforderungen alle Hygienestandards und lässt sich optimal reinigen und desinfizieren. Bei einem Gewicht von lediglich 1,5 Kilogramm sind die Tablets für das Personal leicht zu handhaben. Die hauseigene IT-Abteilung nahm zusätzlich einige Modifikationen an den Geräten vor. Um einen möglichen Datenverlust zu vermeiden, startet die Software erst, wenn eine sichere, stabile WLAN-Verbindung hergestellt wurde. Da sämtliche Daten im Rechenzentrum des Klinikums gespeichert werden, ist die Datensicherheit durch den flexiblen Gerätewechsel nicht beeinträchtigt.

Die einfache Bedienung der Geräte ermöglichte eine reibungslose Einführung der Motion-Tablet-PCs. Die Pflegefachkräfte waren bereits durch stationäre PCs mit dem KIS vertraut und arbeiteten sich in kurzer Zeit in die stiftbasierte Eingabe ein. In einem ersten Schritt instruierte die IT-Abteilung die Stationsleitungen, die wiederum im Anschluss sukzessive die anderen Mitarbeiter schulten.

Bei der Einführung zeigte sich, dass die Begeisterung und das Gefühl der Arbeitsentlastung bei älteren Mitarbeitern, die den Umgang mit Touchscreen, PDA und Handhelds bis dato kaum gewohnt waren, besonders hoch waren.

Viele Einsatzmöglichkeiten bei leichter Handhabung

Die neuen Tablet-PCs werden pro Station durchschnittlich für die Pflege von 40 bis 60 Patienten eingesetzt. Die einzelnen Stationen verfügen über einen eigenen Gerätepool, aus dem sich alle Beschäftigten bedienen. Die dazugehörigen Dockingstationen sind in den Dienstzimmern installiert. Dort können die Geräte zur Dateneingabe – wie der Nachbereitung der Visite, dem Ausfüllen der digitalen Ambulanzkarten oder dem Erstellen von Rezepten – genutzt werden, während gleichzeitig der Akku auflädt. Parallel zur Visite werden die Vitalwerte über den MCA aufgenommen. Währenddessen kann der behandelnde Arzt z.B. direkt über das OP-Programm per Drag-and-drop-Funktion einen Eingriff neu terminieren. Die Eintragungen auf verschiedenen Blättern einer Akte laufen automatisch zusammen. Lediglich für hochauflösende, großformatige Bilddarstellung – wie Fieberkurvenabbildungen – verwenden die Ärzte Thin-Client-Wagen mit 19-Zoll-TFT-Monitoren.

Optimierte Abläufe

Durch die Digitalisierung konnten einige Prozesse effizienter und weniger fehleranfällig gestaltet werden. Mit der elektronischen Erfassung der Vitalwerte werden z.B. Fieberkurven trotz geringerem Zeitaufwand präziser. Im Gegensatz zu einer mit der Hand gezeichneten Kurve ist die elektronisch erfasste immer gut lesbar und weist keine Übertragungsfehler durch den wöchentlichen Blattwechsel auf.

Im Bereich der Wunddokumentation wurde von Agfa HealthCare mit der Umstellung auf die C5v-Modelle eine neue zentrale Funktion erschlossen. Bei einem Verbandwechsel wird die Wunde mit der integrierten Kamera fotografiert und das Bild direkt in der elektronischen Patienten-akte abgelegt. Der Arbeitsgang ist in einem Schritt abgeschlossen, das heißt, das Bild muss nicht auf einen PC überspielt, zwischengespeichert und zugeordnet werden. Der behandelnde Arzt kann sofort und von jedem beliebigen Ort auf das Bild zugreifen und Anweisungen geben.

Eine weitere Arbeitserleichterung und Zeitersparnis ergibt sich bei der Medikamentenerfassung. Die Medikamente eines Patienten werden mithilfe einer Liste der Zentralapotheke der Klinik in die Patientenakte übertragen, die Dosierung wird in ein Zahlenfeld eingefügt.

Höhere Zufriedenheit der Patienten

Auch im Umgang mit den Patienten haben sich durch den Einsatz der Tablet-PC Vorteile ergeben. Die Pflegefachkräfte können Fragen des Patienten sofort beantworten: „Wer hat mich operiert? Wie ist der Laborwert ausgefallen?“ Der Patient fühlt sich intensiver und individueller betreut. „Zu unserer eigenen Überraschung hat sich gezeigt, dass durch die Tablet-PCs ein viel näherer und persönlicherer Umgang mit den Patienten möglich ist. Man kann sich zum Patienten setzen und ist nicht versucht, von oben herab zu sprechen“, sagt Eva Sutus, Stationsleitung einer interdisziplinären Einheit mit 56 Betten am Klinikum Nürtingen.

Dank einer strikten Rechtevergabe, in deren Rahmen sich jeder Mitarbeiter mit einem persönlichen Pass- und Kennwort an den Geräten anmelden muss, kann jede Eingabe bzw. Veränderung rückverfolgt und der Datenschutz und die Privatsphäre der Patienten gewährleistet werden. Die datenschutzkonforme Rechtebeschränkung ist u.a. nach Abteilungen, Berufsgruppen und Tätigkeiten gestaffelt. Die Geräte ermöglichen zudem die Anmeldung über Fingerabdruckerkennung, die bei personalisierten Geräten außerhalb des Stationspools genutzt wird.

Messbare Zeit- und Kostenersparnis

Der kontinuierliche Datenfluss und -zugriff macht sich klar in der Qualität und Effizienz der Pflege bemerkbar. Die Arbeitsabläufe fallen durch die mobile Datenerfassung schlanker aus, Mehrfachbefragungen werden ausgeschlossen, MDK-Anfragen werden schneller abgewickelt und die Patientenkommunikation verläuft reibungslos. Die Zeitersparnis in den Routineabläufen zeigt die Effizienz der neuen Technologie auf: Bei der elektronischen Dokumentation, in der Leistungsanforderung und bei der Befundrückübermittlung werden bis zu 40 Prozent Zeit eingespart.

Das Klinikum Nürtingen geht dabei auch von einer durchschnittlichen Materialkostenersparnis von einem Euro pro Behandlungsfall aus: „Bei zunehmend knappen Budgets müssen Prozesse ständig optimiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zukünftig werden weitere Standorte der Kreiskliniken Esslingen mit den Geräten ausgestattet“, resümiert die Projektverantwortliche Gertrud Türk-Ihli.