Politik -

Sachverständigenrat: Maßnahmen gegen die Unterversorgung auf dem Land

Sieben Wissenschaftler haben gemeinsam das deutsche Gesundheitswesen unter die Lupe genommen. Jetzt haben die Sachverständigen Berlin ihr umfangreiches Gutachten vorgelegt. Darin sind viele alte Vorschläge zu finden, aber auch neue Ansätze.

Mehr Honorar für Landärzte, Verkauf von Praxen in überversorgten Gebieten, lokale Gesundheitszentren einrichten. Dies sind nur einige Vorschläge, die der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) zur bedarfsgerechten medizinischen Versorgung in seinem neuen Gutachten macht.

Das 629 Seiten starke Werk hat der Sachverständigenrat Ende Juni an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe übergeben. Der CDU-Politiker zeigte sich beeindruckt von der umfangreichen Expertise und sei schon gespannt, "was Sie uns ins Stammbuch geschrieben haben". Das Gutachten trägt in diesem Jahr den Titel „Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und ausgewählte Leistungsbereiche“. Das seitenstarke Werk enthält viele Vorschläge, die schon ein echter Evergreen sind.

Maßnahmen gegen die Unterversorgung auf dem Land

Neu ist allerdings der Ansatz, gegen Unterversorgung in ländlichen Regionen sogenannte Lokale Gesundheitszentren zur Primär- und Langzeitversorgung (LGZ) einzurichten. "Das sind Einrichtungen, die im Grunde eine Zentralisierung gesundheitlicher Versorgungsangebote darstellen", sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Prof. Ferdinand M. Gerlach. Zu den medizinischen Angeboten gehörten auch Dienstleistungen anderer Gesundheitsberufe sowie ein Kindergarten für die Mitarbeiter. In einem LGZ könnten die Belastungen der Beschäftigten durch Notfallversorgung und Bereitschaftsdienste auf mehrere Schultern verteilt werden.

Einen Vergütungszuschlag von 50 Prozent für alle Landärzte, lautet der Vorschlag der Wissenschaftler zudem. "Bis alle Maßnahmen gegen Unterversorgung greifen, braucht es Zeit. Der Druck des demografischen Wandels wird spürbar größer. Abwarten ist keine Option", meint Gerlach. Der Rat plädiert außerdem dafür, eine Förderstiftung medizinische Aus- und Weiterbildung zu gründen.

Sachverständigenrat fordert strenge Prüfverfahren

Die sieben Wissenschaftler äußern sich auch dezidiert zu anderen Leistungsbereichen. Beispielsweise sollten Medizinprodukte einem ähnlich strengen Prüfverfahren unterliegen wie in den USA. Bei Arzneimitteln sei eine Harmonisierung in Europa angezeigt. Die Preisverhandlungen könne jedes Land für sich durchführen, aber das Ergebnis einer Nutzenbewertung eines Arzneimittels müsse doch in jedem Land gleich sein, meint Prof. Eberhard Wille, stellvertretender SVR-Vorsitzender. Die Finanzierung der Investitionskosten der Krankenhäuser sieht der SVR nicht mehr bei den Ländern, dies sollte die Krankenversicherung übernehmen (monistische Finanzierung).

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen