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Akustisch überzeugen Ruhe bitte!

Angefangen bei der Kantine, in der Mitarbeiter und Besucher eigentlich Erholung suchen, über die Rezeption, wo Diskretion gefordert wäre, bis hin zur Intensivstation, in der schwer Kranke genesen sollen – allzu oft machen schallharte Flächen die Kakophonie eines turbulenten Krankenhausalltags zum Stressfaktor. Das muss und darf nicht so sein.

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Unter dem Stichwort Healing Environment wurde in Gesundheitseinrichtungen in den zurückliegenden Jahren viel getan. Die meisten Wohlfühlmaßnahmen wie ansprechende Farb- oder Lichtkonzepte zielen jedoch auf die Optik. Komplett vernachlässigt werden im Bemühen um eine angenehme Atmosphäre für Patienten und Personal sehr oft die Ohren. Die Akustik sei in fast allen Krankenhäusern ein ebenso großes wie ungelöstes Problem, monierte der Inhaber von ProCom-Bestmann, Jens Bestmann, auf der jüngsten Fortbildungsveranstaltung der FKT-Regionalgruppe NRW-Süd. Krankenhäuser, die für mehr Ruhe sorgen, könnten sich ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal erarbeiten, das sie positiv aus der Masse ihrer Mitbewerber hervorhebt. Auf Privatstationen seien mit akustisch optimierten Raumkonzepten auch Mehreinnahmen möglich. Private Krankenkassen förderten Schallabsorber ebenso wie Extras im Bad oder einen Kühlschrank im Zimmer. Auch als Strategie gegen den Fachkräftemangel sei ein akustisch optimiertes Arbeitsumfeld vielversprechend. Immerhin klagten derzeit fast 96 Prozent aller Angestellten über Lärm am Arbeitsplatz, führte Bestmann weiter aus.

Akustik ist in der ASR 3.7 rechtlich verankert

Mit Inkrafttreten der ASR (Arbeitsstätten-Richtlinie) 3.7 im Mai letzten Jahres sind Maßnahmen zur Raum­akustik nicht mehr beliebig. Die technische Regel für Arbeitsstätten konkretisiert die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung in puncto Lärm. Unter anderem definiert die Richtlinie zulässige Nachhallzeiten und Dauerschallpegel. In Bereichen der Tätigkeitskategorie I, die eine hohe Konzentration und Sprachverständlichkeit erfordern, darf beispielsweise ein Beurteilungspegel von 55 dB (A) nicht überschritten werden – ein Wert, den die Geräuschkulisse in vielen Krankenhäusern bei Weitem überschreitet. Selbst für Belastungen durch von Dritten verursachten Baulärm enthält die ASR 3.7 spezielle Vorgaben. In den meisten Gesundheitseinrichtungen besteht hier klarer Handlungsbedarf.

Die ASR 3.7 schreibt vor, die Gestaltung lärmarmer Arbeitsstätten schon bei der Planung zu berücksichtigen. In der modernen Architektur bevorzugte Baumaterialien wie Beton und Glas schaffen dennoch oft schallharte und damit akustisch schwierige Umgebungen. Dazu kommt, dass im Krankenhaus alle Flächen desinfizierbar sein müssen. Schallabsorber können und sollten in diesen akustisch schwierigen Umgebungen Abhilfe schaffen. Spezielle Deckenelemente oder Wandbilder bieten hier ebenso effiziente wie optisch ansprechende Möglichkeiten, unerwünschten Schall zu minimieren, wie Bestmann weiter darlegte. In Kombination mit bewusst gelegten niederschwelligen Geräuschteppichen aus Vogelgezwitscher oder dem Rauschen von Wasser schaffen „schallschluckende Bilder“ sogar ein ganz besonderes Wohlfühlambiente.

Maria Thalmayr

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