Gesundheitswirtschaftskongress 2019 Risiken und Chancen des Wandels

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Abrechnung & DRG und Digitalisierung

Mit mehr als 850 Teilnehmern und gut 220 hochkarätigen Referenten überzeugte auch der 15. Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg wieder als feste Größe zum Start des „heißen Kongressherbstes“. Trotz des Dauertrendthemas Digitalisierung zeigten die mehr als 40 Einzelveranstaltungen auch, dass es der Branche an bedeutend mehr Ecken zwickt, etwa bei den Aspekten Finanzierung, Prozessoptimierung oder Anbindung von Mitarbeitern wie Patienten.

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    Kongresspräsident Prof. Heinz Lohmann appellierte in seiner Eröffnungsrede im Grand Elysée Hotel Hamburgdaran, Menschen die Chance zu geben, zu den Gewinnern des Wandels zu gehören.
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    Zum aktuellen Technikstand der Regierung gab Dr. Gottfried Ludewig – Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation des Gesundheitswesens im Bundesgesundheitsministerium – Auskunft (links auf dem Monitor).
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    Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks berichtete u.a. über eine neue Pflegekampagne, mit der in der Hansestadt jetzt um (Ausbildungs-)Personal geworben wird.
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    Das Plenum „Mein lieber Feind: Krankenhäuser zwischen Wettbewerb und Kooperation“ bot Einblick in verschiedene Finanzierungsmodelle. U.a. berichtete Dr. Christian Boris Robbers (2.v.r.), Leiter des Referats Krankenhäuser im Niedersächsischen Gesundheitsministerium über Maßnahmen in seinem Bundesland.
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    Dr. Christian Heitmann (Partner und Leiter Geschäftsbereich Unternehmensberatung der Curacon GmbH) präsentierte bei der Session „A big Player is a good Player: Fusionen haben Konjunktur“ aktuelle Zahlen zu Transaktionsaktivitäten.

Mit dem Einstieg in seine Willkommensrede brachte es Kongresspräsident Prof. Heinz Lohmann auf den Punkt. „Vieles von dem, was heute möglich ist, haben wir vor einigen Jahren, einiges sogar vor einigen Monaten, noch für völlig ausgeschlossen oder doch wenigstens für äußerst unwahrscheinlich gehalten“, so der Gesundheitsunternehmer.

Er warnte aber auch anlässlich des rasanten Tempos: „Die Dynamik der Veränderungen verunsichert nicht wenige Menschen, ja, sie macht vielen sogar Angst. Das gilt für die Umbrüche in unserer Gesellschaft insgesamt, aber auch innerhalb der Unternehmen.“

„DRG-System mit Hochdruck ergänzen“

Ein tiefgreifender Wandel, der inzwischen die Gesundheitsbranche voll erreicht habe, etwa aufgrund der anstehenden Herauslösung der Pflegekosten aus dem DRG-System, die er für nicht sachgerecht halte.

Lohmann: „Ich plädiere dafür, das seit 2003 geltende DRG-System mit Hochdruck um weitere Bewertungselemente zu ergänzen. Insbesondere müssen künftig das Patientenwohl, die Pflege- und Servicequalität und das Innovationsvermögen, auch gerade für Investitionen, berücksichtigt werden. Das Fallpauschalensystem muss als patientenzentrierte Krankenhausfinanzierung mit klarem Qualitätsbezug unter Integration der Pflegeleistungen gestaltet und auf die ambulante Patientenbehandlung ausgeweitet werden.“

Aktiv mitwirken und seinen Platz finden

Insbesondere legte der Kongresspräsident das Augenmerk auch auf die Menschen im System. „Das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Gelingen des Ganzen zu leisten, darf niemandem abhandenkommen. Im Gegenteil, jeder muss am Veränderungsprozess aktiv   mitwirken können und seinen wertgeschätzten Platz in Gesellschaft und Betrieb finden“, appellierte Lohmann.

„Auch die in den letzten Jahrzehnten so kritisch diskutierten Statussymbole spielen dabei eine gewichtige Rolle. Beschäftigte dürfen nicht mitten im Kulturumbruch, etwa durch die alles erfassende Digitalisierung, massive Statusverluste befürchten oder sogar erleiden müssen.“ Menschen bräuchten die Chance, „zu den Gewinnern des Wandels zu gehören“.

Fallpauschalen auf weitere Fehlanreize überprüfen

Die Pflege aus dem DRG-System zu lösen sei richtig, meinte hingegen Gastrednerin Cornelia Prüfer-Storcks. Hamburgs Gesundheitssenatorin (SPD) plädierte jedoch ebenso dafür, die Fallpauschalen auf weitere Fehlanreize zu überprüfen. Und kritisierte: „Ich halte es nicht für ein Ruhmesblatt, dass wieder per Ministerverordnung weitere Pflegepersonaluntergrenzen festgelegt werden.“

„Wir sind in eingefahrenen Spuren unterwegs“

Dass es mit dem „Mitnehmen“ von Menschen in modernen Zeiten so einfach nicht funktioniert, zeigte beispielsweise das Auftaktplenum „Herausforderung Digitalisierung: Chance für mutige Manager“. „Es gibt eine erhebliche Schizophrenie in unserer Branche, was die Digitalisierung betrifft“, skizzierte Michael Franz von der CompuGroup Medical SE. Es gebe in Krankenhäusern zudem Techniken, die nicht genutzt würden, weil sie nicht angebunden seien, meinte Dr. Jens Peukert (Lohfert & Lohfert AG).

Da tat es gut, dass Dr. Gottfried Ludewig in selber Runde Perspektiven ausgab: „Sorge vor Veränderung ist nichts Schlechtes, sondern etwas Gutes, denn wir sind in eingefahrenen Spuren unterwegs“, so der Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation des Gesundheitswesens im Bundesgesundheitsministerium. „Die Digitalisierung wird die Versorgung besser machen“, ist der CDU-Politiker überzeugt. Allerdings: „Die Politik muss den Rahmen schaffen – aber gelebt werden muss es vor Ort.“

Großes Interesse an Finanzthemen

„Vor Ort“, so das zweitägige Kongressprogramm im Grand Elysée Hotel Hamburg, drückt offenbar vor allem bei der Finanzierung der Schuh. Das große Interesse an Sessiontiteln wie „Mein lieber Feind: Krankenhäuser zwischen Wettbewerb und Kooperation“, „A big Player is a good Player: Fusionen haben Konjunktur“ oder „Zwangsweste Selbstkostendeckung“ belegten, wie sehr die Teilnehmer derzeit dankbar Tipps für aktuelle Herausforderungen und neue Modelle annehmen.

Ebenso im Fokus stand das Thema Management im weitesten Sinne, darunter Fragen zu Beschwerde-, Technik- und Chancemanagement. Input kam gleichfalls durch Aspekte wie „Schwachstelle Selbstverwaltung“, „Krankenkassenstrategien in Zeiten der Regulierung“ oder viele Diskussionen rund um Medizin und Roboter.

Verleihung des Lohfert-Preises

Mit gutem Beispiel voran geht da der Gewinner des diesjährigen Lohfert-Preises, den die Christoph Lohfert Stiftung am ersten Kongresstag feierte. Ausgezeichnet wurde ein digitales Pflegedokumentationssystem, das erfolgreich am AKH Wien eingesetzt wird: Es baut Bürokratie ab und entlastet die Pflegekräfte, die somit mehr Zeit für Patienten haben. Mehr Informationen dazu finden Sie in diesem HCM-Bericht.

Der 16. Gesundheitswirtschaftskongress findet am 22. und 23. September 2020 wiederum in Hamburg statt.