Virus Sars-CoV-2 Retter brauchen Schutz

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Corona-Pandemie

Ärzte und Pflegefachpersonen sind in der Corona-Krise an vorderster Front. Sie stehen in ständigem und unmittelbarem Kontakt zu Patienten, die mit dem hochansteckenden Virus Sars-CoV-2 infiziert sind.

Die Versorgung von COVID-19-Patienten im klinischen Bereich sollte laut RKI mit persönlicher Schutzausrüstung (Schutzkittel, Einweghandschuhen, mindestens dicht anliegender MNS bzw. Atemschutzmaske und Schutzbrille) erfolgen. Bei direkter Versorgung von Patienten mit bestätigter oder wahrscheinlicher COVID-19 sollten bevorzugt FFP2-Masken getragen werden. Wenn diese nicht zur Verfügung stehen, soll MNS getragen werden. – © Halfpoint (stock.adobe.com)

Steckt sich das medizinische Personal an, hat das weitreichende Folgen – von Personalmangel bis zu einer schnellen Ausbreitung des Virus in den Krankenhäusern. Um dieses Szenario zu verhindern, setzen Experten v.a. auf Schutzmittel jeglicher Art – Masken, Brillen, Kittel. Genau davon gab es in Italien zu wenig – einer der Gründe, warum sich Krankenhäuser dort nicht nur als Orte der Hilfe erwiesen haben.

Teilweise wirkten sie stattdessen sogar als Beschleuniger der Covid-19-Krankheit. Mehrere Ärzte und Experten aus Bergamo, einem Brennpunkt des Ausbruchs, beschreiben das Desaster in einem Ende März erschienenen Fachartikel. „Menschen im Gesundheitssystem sind Träger des Virus, ohne selbst Symptome zu zeigen, oder sie werden krank, ohne das das überwacht wird.“

Fast 100 Ärzte sind gestorben

Fast 100 Ärzte sind dem Mediziner-Verband Fnomceo zufolge an der Lungenkrankheit bisher gestorben. Und mehr als 10.000 Beschäftigte im medizinischen Sektor, etwa in Krankenhäusern, Praxen und Laboren, hätten sich seit dem Ausbruch im Februar mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie die Zeitung „La Repubblica“ kürzlich schrieb. Fachverbände sprechen von acht bis zehn Prozent der Gesamtzahl.

Auch in China kam es zu zahlreichen Erkrankungen von Ärzten und Pflegekräften, ähnlich ist die Lage in Spanien. Auch hier ist Schutzausrüstung knapp.

Lässt sich diese Problematik in Deutschland verhindern?

Und wenn ja – wie? Grundsätzlich bestehe durch den ständigen Kontakt zwar ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für patientennahe Berufe, sagt die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Heidrun Gitter. „Das Risiko verkleinert sich aber, weil die Menschen in diesen Berufen ausgebildet sind und wissen, wie sie sich schützen.“ Genau hier aber liege der Punkt, der sie doch beunruhige: Auch in Deutschland gebe es möglicherweise einen Engpass bei Schutzmaterialien, insbesondere bei Schutzmasken. „Da muss mehr nachkommen.“

Das A und O: Schutzkleidung

Dass Schutzkleidung das A und O zur Verhinderung einer Ansteckung ist, darin sind sich alle Experten einig. Bislang schätzt Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery das Risiko, dass sich die Situation hierzulande ähnlich wie in Italien und Spanien entwickelt, eher mäßig ein. Die Bundesregierung gebe sich große Mühe, etwa mehr Schutzmasken zu besorgen – er hoffe, dass das reicht. Der deutsche Berufsverband für Pflegeberufe sieht das skeptisch. Die unter anderem von Regierungen bestellte Lieferung werde sicher nicht lange vorhalten, heißt es. Ein weiterer wichtiger Punkt, um zu verhindern, dass Ärzte und Pfleger sich anstecken: ausreichende Schulung.

In Deutschland steht zudem die Idee, medizinisches Personal jeden Tag auf den Erreger zu testen, im Raum – unabhängig von Symptomen oder Kontakt zu nachgewiesenen Infizierten. Einige Krankenhäuser wählten diesen Schritt, um Personal, das Kontakt mit Infizierten hatte, nicht in Quarantäne schicken zu müssen, teilt die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit. „Wenn es die Kapazitäten hergeben, und das sieht momentan nicht so aus, halte ich es durchaus für sinnvoll, Personal, das sich in erster Reihe befindet, regelmäßig zu testen“, sagt Montgomery. Nach Ansicht der Ärztevereinigung Marburger Bund ist das kaum praktikabel und derzeit sind dafür zu wenig Testkapazitäten vorhanden. Es bestünde die Gefahr, dass es nicht mehr genug Testmöglichkeiten für symptomatische Patienten gebe.

Tägliche Tests

Gitter hält die Idee des täglichen Testens grundsätzlich nicht für falsch, hat aber Bedenken. Denn bei täglichen Tests gebe es eventuell eine für den Nachweis zu kleine Viruslast. Bei einer höheren Anzahl an infizierten Beschäftigten und Personalnot müsse überlegt werden, ob man Ärzte und Pflegefachpersonen, die zwar positiv getestet, aber symptomfrei sind, Corona-Patienten behandeln lässt – sofern die Mitarbeiter dem zustimmen, sagt Gitter.

Das RKI hatte zu Beginn der Corona-Krise empfohlen, dass Ärzte oder Pflegefachpersonen, die direkten ungeschützten Kontakt mit Infizierten hatten, für 14 Tage in Quarantäne gehen. Ende März wurden diese strikten Vorgaben für Kliniken mit Personalengpässen gelockert.

Montgomery lehnt das Arbeiten trotz Infektion strikt ab. „Wer krank ist, ist krank, der darf nicht noch andere Menschen anstecken und muss zuhause bleiben und sich auskurieren.“ Auch wenn er symptomfrei ist und sich gesund fühlt: „Er darf keinesfalls am Patienten arbeiten, das ist zu gefährlich.

Weitere Informationen und Empfehlungen des RKI finden Sie online.