Register soll Transparenz bei Kunstgelenken bringen

Lange wurde darum gerungen, jetzt ist es an den Start gegangen: das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD). "Wir wollen die Zahl der Fehlschläge reduzieren", sagt Prof. Dr. Joachim Hassenpflug, Geschäftsführer der EPRD gGmbH, die das Register betreibt.

Hüftgelenk
Hüftendoprothese. -

Die gemeinnützige Gesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Die Einbindung der wissenschaftlichen Fachgesellschaft in das Projekt ist nach Aussage von Hassenpflug, Direktor der Klinik für Orthopädie des Universitätsklinikums Scheswig-Holstein, besonders wichtig: „So wird ein Feedback an die Leistungserbringer ermöglicht“, sagt er.

Das Einsetzen von künstlichen Hüft- und Kniegelenken gehört zu den häufigsten Operationen. Im Jahr 2009 wurden hierzulande knapp 400.000 Gelenke eingebaut – davon allein 159.221 Hüftendoprothesen und 148.298 künstliche Kniegelenke. Die Zahl der Wechseleingriffe betrug bei den Hüftgelenken 23.269 und bei den Kniegelenken 11.256. Ein nicht unerheblicher Teil der Wechsel-OPs werde schon einige Jahre nach dem Eingriff notwendig, so Hassenpflug. Dieser Anteil soll mit Hilfe des Registers reduziert werden. Hassenpflug verweist auf Schweden, wo sich die Revisionsrate seit Einführung des Registers Ende der 1970er Jahre fast halbiert habe.
Für Krankenhäuser ist die Teilnahme an dem Register freiwillig. Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, hofft jedoch, dass sich große Teile der Kliniken ihrer Verantwortung gegenüber den Patienten bewusst seien. „Ich gehe davon aus, dass insbesondere qualitätsbewusste Krankenhäuser mit ihrem Beitritt zum Register die allgemeinen Anstrengungen für einen besseren Patientenschutz unterstützen werden.“ Gespräche mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die das Vorhaben unterstütze, und mit einzelnen progressiven Klinikträgern bestätigten dies.

Wer steht hinter dem Register?

Beteiligt sind an dem Register neben der ärztlichen Fachgesellschaft auch die Ersatz- und Ortskrankenkassen sowie die Industrie der Medizintechnologie. Letztere stellt eine Produktdatenbank zur Verfügung, in der alle auf dem deutschen Markt verwendeten Knie- und Hüftendoprothesen erfasst werden. Jedes Bauteil ist durch einen Barcode identifiziert. Zusammen mit den Routine-Abrechnungsdaten der Kassen (fast 50 Millionen Versicherte) und den Daten der gesetzlich vorgeschrieben Qualitätssicherung steht für das Register ein aussagekräftiger Zahlenfundus zur Verfügung. Damit sollen Ursachen für einen Misserfolg ermittelt werden. Hassenpflug: „So wird es möglich zu erkennen, ob die verwendeten Implantate, das operative Vorgehen oder patientenspezifische Merkmale für die erneute Operation verantwortlich sind.“

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