Expertenrat Regierung soll bei Corona-Maßnahmen umschwenken

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Protektion statt Containment: Der Corona-Expertenrat empfiehlt der Bundesregierung in einer Stellungnahme einen Strategiewechsel bei den Pandemie-Schutzmaßnahmen. Es bestehe mittlerweile ein hoher Immunisierungsgrad in der Bevölkerung, gepaart mit etwas weniger krankmachenden Virusvarianten.

Noch ist unklar, was der Corona-Herbst bringt. Der Expertenrat der Bundesregierung hat seine Stellungnahme über nötige Vorbereitungen vorgelegt. – © anko (stock.adobe.com)

Statt der bisherigen Strategie des Containments sollte man sich auf die Protektion vulnerabler Gruppen und Mitigierung konzentrieren, sagt Expertenratmitglied und Intensivmediziner Prof. Christian Karagiannidis.

Was sind mögliche Szenarien?

Im Papier entwirft der Rat drei mögliche Szenarien für den Herbst und Winter.

  1. Im „günstigsten Szenario“ dominiert eine im Vergleich zu Omikron weniger krankmachende Variante. „Stärker eingreifende Infektionsschutzmaßnahmen sind nicht mehr oder nur für den Schutz von Risikopersonen notwendig“, heißt es in dem Papier.
  2. Im „Basisszenario“ bleibt die Krankheitslast ähnlich wie bei den jüngst zunehmenden Omikron-Varianten.
  3. Das „ungünstigste Szenario“ ist eine neue Virusvariante mit verstärkter Übertragbarkeit und erhöhter Krankheitsschwere. Intensiv- und Normalstationen würden dadurch stark belastet. „Erst gegen Frühjahr 2023 könnten allgemeine Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebot zurückgefahren werden.“

Was wird im Herbst und Winter wichtig?

Der Rat fordert eine bessere Datengrundlage zu Krankheitsschwere und Belastung des Gesundheitswesens. Karagiannidis betont, man müsse wegkommen von der Sieben-Tage-Inzidenz hin zu einem „digitalen Echtzeit-Lagebild“ der Pandemie. Es sei „besonders schwer erträglich“ gewesen, dass bei den Ministerpräsidentenkonferenzen im vergangenen Jahr „häufig eine Reihe von Daten aus dem Gesundheitssystem nicht vorhanden waren“, beklagt der Vorsitzende des Expertenrats und Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité Prof. Heyo Kroemer.

Stimmen von Politik, Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer

Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) lobt die „exzellente Arbeit“ des Rats. „Das wird Basis für den Corona-Herbstplan der Bundesregierung.“ Die FDP-Fraktion sieht sich durch die Stellungnahme in ihrem Kurs bestätigt. „Prophylaktische allgemeine Freiheitseinschränkungen“ werde es nicht geben, betont ihr gesundheitspolitischer Sprecher Prof. Andrew Ullmann.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, bei der Vorbereitung auf den Corona-Herbst die rechtlichen Veränderungen, die sich auf den Impfstatus der Menschen auswirken, rechtzeitig und verständlich bekanntzumachen. Er bekräftige zugleich, dass die Stellungnahme des Expertenrates der Bundesregierung zu den Pandemie-Vorbereitungen für den Herbst und Winter ein Schritt in die richtige Richtung sei. Das Expertenpapier enthalte sehr gute Impulse und viele nachvollziehbare Ziele.

Der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen, betont dazu: „In den Kliniken ist höchster Infektionsschutz selbstverständlich und wir sind stolz auf über 95 Prozent Impfquote in den bayerischen Krankenhäusern bezogen auf zwei Impfungen.“

„Die Empfehlungen des Expertenrates sind eine gute Grundlage für den Umgang mit der Pandemie. Das Bundesgesundheitsministerium muss jetzt das weitere Vorgehen gemeinsam mit den Ländern im Detail abstimmen. Das ist in Anbetracht der von dem Expertenrat formulierten Empfehlungen ein anspruchsvoller Zeitplan. Die Zeit drängt. Daher rufe ich alle Beteiligten zu einer sachlichen, rationalen und ideologiefreien Zusammenarbeit auf“, erklärt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer.

Die Stellungnahme finden Interessierte mit einem Klick hierauf.