Krankenhaus-Branchentreff 2016 Reformstau in Krankenhäusern?

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Krankenhausgesetzgebung

„In den Krankenhäusern gibt es seit zehn Jahren einen Reformstau, man muss jetzt Unruhe reinbringen, um einen Strukturwandel zu bewirken“, sagt Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband. Dass bereits viel Unruhe herrscht, beweist der kontroverse Polit-Talk „Reform-Hektik“ auf dem Krankenhaus-Branchentreff 2016.

Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhäuser im GKV-Spitzenverband, äußerte sich auf dem Krankenhaus-Branchentreff 2016 kritisch zum Reformstau in den Krankenhäusern. Ihm zufolge ist seit der Einführung des DRG-Systems in Krankenhäusern nicht viel passiert. Es sei aber zwingend eine Strukturbereinigung in den kommenden Jahren nötig, um die Versorgungsqualität zu verbessern – auch aus ökonomischer Sicht sei dies unerlässlich, so der Experte vom GKV-Spitzenverband.

Krankenhauskonzentration riskant

„Nach der Reform ist vor der Reform“, meint hingegen Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Er findet die Strategie von Krankenhauskonzentrationen höchst riskant und ein Ergebnis werde zwangsläufig sein, dass sich in Deutschland aus Klinikschließungen resultierend eine „Wartelisten-Versorgung wie in Irland entwickelt, wo Patienten ein Jahr lang auf eine Hüftprothese warten müssen“. Das größte Manko sei aber nach wie vor die Investitionsfinanzierung – ein seit Jahren bekanntes Problem, das die Politik immer wieder ungelöst vor sich her schiebe. Bei einem Gesamtumsatz der Krankenhäuser von knapp 100 Milliarden Euro jährlich belaufe sich der Investitionsanteil der Länder gerade einmal auf rund drei Milliarden Euro. Weitere drei Milliarden Euro erwirtschafteten die Kliniken aus ihren Betriebserlösen, obwohl Investitionsmittel dort nicht einkalkuliert seien. Der VKD fordert hier eine Erhöhung der Finanzierung von Regelinvestitionen durch die Bundesländer auf über sechs Milliarden Euro pro Jahr.