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Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes Qualitätskatalysator oder Innovationsbremse?

Sieben Jahre sind seit der Neuordnung des Arzneimittelmarktes vergangen. Noch immer gibt es Unklarheiten. An verschiedenen Stellen fehlt es an Antworten auf Weiterentwicklungsmöglichkeiten – und an AMNOG-pflichtigen Arzneimitteln für deutsche Patienten.

Themenseite: DGFM

Da der Koalitionsvertrag der Großen Koalition (GroKo) den Arzneimittelmarkt ausgespart hat, bleiben drängende und dringende Fragen der Weiterentwicklung des Regulierungsrahmens offen, die es zu klären und zu thematisieren gilt:

  • Wie kann der Interessenausgleich zwischen Herstellern und Krankenkassen in Preisverhandlungen und Schiedsstelle besser gelingen?
  • Wie kommen wir zu einer belastbaren Ableitung der Zahlungs­bereitschaft der Gesellschaft für Zusatznutzen?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchen wir, damit der Mischpreis nicht nur erhalten bleibt, sondern auch angemessen in den Regionen gelebt werden kann?
  • Ist die europäische Nutzenbewertung nur ein Schreckgespenst oder sind damit auch berechtigte Hoffnungen verbunden?

Das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) ist am 1. Januar 2011 in Kraft getreten. Ziel des AMNOG ist die Eindämmung der ansteigenden Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung. Befürworter sprechen von einem Qualitätskatalysator und der Sicherstellung der Bezahlbarkeit von Arzneimitteln. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sieht das AMNOG jährliche Einsparungen für die gesetzliche Krankenversicherung in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vor.

Kritiker des AMNOG sehen das Gesetz eher als Innovationsbremse mit deutlichen Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung. Denn Nichteinführungen und Marktaustritte von Arzneimittel­innovationen führen dazu, dass den Patienten immer weniger Therapiealternativen in Deutschland zur Verfügung stehen. Die Gesundheitsökonomen Dieter Cassel und Volker Ulrich haben in einer im Jahre 2017 vorgestellten Studie im Beitrag „AMNOG paradox: Fast ein Drittel der AMNOG-Arzneimittel für Deutschland verloren“ die Effekte von Nutzenbewertung und Preisfindung ­neuer patentgeschützter Arzneimittel der vergangenen sechs Jahre empirisch untersucht (www.bpi.de). Das Ergebnis war, dass beinahe ein Drittel der AMNOG-pflichtigen Arzneimittel in Deutschland nicht oder nicht mehr verfügbar sind (BPI 2017). Es bleibt diskussionswürdig, ob die Stellschrauben also zu sehr angezogen wurden oder Regulierung und Kostendämpfung die richtigen Schritte waren. Fest steht, dass ein derart wichtiges System einer optimierenden Weiterentwicklung bedarf, die es mit allen am AMNOG-Verfahren Beteiligten zu thematisieren gilt.

Unter dem Motto „Schiedsstelle trifft Wissenschaft und Praxis“ bietet die EsFoMed GmbH auf der AMNOG-Tagung am 15. Juni 2018 in Essen eine lösungsorientierte Plattform für Impuls- und Fachvorträge relevanter Interessenvertreter zu den wichtigen Entwicklungen und v.a. zu Berichten aus vielen Jahren Schiedsstellenerfahrung. In der Diskussion über Weiterentwicklungsoptionen treffen der AMNOG-Schiedsstellenvorsitzende, Wissenschaftler, Fachexperten und Tagungsteilnehmer direkt aufeinander. Weitere Infos unter: www.esfomed.de/amnog-tagung/.

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