Qualitätsmanagement -

9. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit Qualitätsbewertung trifft auf Krankenhaus

Viele Fragezeichen stehen noch hinter dem neu zu definierenden Qualitätsbegriff, der mit der Krankenhausreform 2016 Realität werden soll. Was genau ist Qualität? Wie kann man sie definieren? Wie kann man sie messen? Wie kann man danach bezahlen? Und v.a., wie kann man sie verbessern? Erste Ansätze wurden von Experten – allen voran der IQTIG-Chef Dr. Christof Veit – auf dem Qualitätskongress in Berlin thematisiert.

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Qualitätsbewertung trifft auf Krankenhaus
Hochkarätige Experten rund um Kongresspräsidenten Ulf Fink, Senator a.D., diskutierten auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin über den neuen Qualitätsbegriff für das Gesundheitswesen.... -

150 Referenten, 30 Veranstaltungen, zwei Tage und das Thema Qualität im deutschen Gesundheitswesen. Und es geht voran mit der Weichenstellung für die Definition des Qualitätsbegriffs für deutsche Krankenhäuser und Kliniken. Wie, erklärten namhafte Experten wie

  • Dr. Christof Veit vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG),
  • Prof. Dr. Matthias Schrappe, Lehrbeauftragter Patientensicherheit und Risikomanagement an der Universität Köln,
  • Prof. Dr. Michael Schäfer, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft,
  • Martin Litsch, Geschäftsführender Vorstand, AOK-Bundesverband (kommissarisch),
  • Dr. Matthias Gruhl, Leiter des Amts für Gesundheits- und Verbraucherschutz,
  • Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und
  • Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen,

unter der Leitung von Kongresspräsident Ulf Fink, Senator a.D., beim Qualitätskongress Anfang Dezember in Berlin. Dazu war auch Annete Widmann-Mauz, MdB, parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Gesundheit, eingeladen.

Qualität muss zur Spitzenmedizin wachsen

„Man kann Qualität nicht verordnen, sie muss wachsen“, lautete eines ihrer Eingangsstatements. Eine solche Qualität mit der neuen Krankenhausreform gesetzlich zu implementieren sei nötig gewesen, um eine grundlegende Neuausrichtung des Gesundheitswesens erzielen zu können. Nur so könne das Gesundheitswesen in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben. Widmann-Mauz prognostiziert mit dem im kommenden Jahr eintreffenden Qualitätswettbewerb das Eintreffen Deutschlands in der internationalen Rangliste der Spitzenmedizin. Dafür sei es von größter Priorität, dass die Qualitätssicherung fest in der Krankenhausplanung verankert wird. Dafür brauche man in erster Linie das IQTIG, die Zusammenarbeit mit den Ländern und die Möglichkeit, auf bisherige Erfahrungswerte zurückgreifen zu können. Dabei dürfe man aber v.a. eines nicht vergessen: „Die Patientensicherheit muss immer aus der Sicht des Patienten gedacht werden.“ Das heißt, dass Krankenhäuser patientenfreundlicher unter den Leitgedanken

  • Transparenz,
  • Information und
  • Aufklärung

gestaltet werden müssten. Zudem soll es die Möglichkeit geben, zusätzliches Hygienepersonal einzustellen und den Bereich der Infektiologie auszubauen. Doch die Staatsministerin rät dazu, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass eine tiefgreifende Veränderung im Gesundheitswesen durch das neue Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) und den neuen Qualitätsbegriff ein längerer Prozess ist. Für das Gelingen brauche man Partnerschaften.

Keine Gelegenheitsversorgung ohne Erfahrung

Für Gruhl vom Amt für Gesundheits- und Verbraucherschutz ist es richtig, Qualität als Paradigmenwechsel in das deutsche Krankenhauswesen einzuführen. Seiner Ansicht nach können Krankenhäuser nur für bestimmte Behandlungsbereiche eine hohe Qualität bieten. Deshalb dürfe es keine Gelegenheitsversorgung ohne ausreichende Erfahrungswerte geben. „Die Konzentration der Behandlung ist das Gebot der Stunde“, sagt Gruhl. Elsner vom Verband der Ersatzkassen legt den Blick noch ein Stück mehr auf das Patientenwohl. „Wir müssen den Patienten fit machen, dass er selbst in der Lage ist, sich ein Krankenhaus auszusuchen. Die Patienten wollen wissen, wo kann ich hin und wo gibt es Operateure, die Erfahrung haben.“

Qualität muss für den Patienten geschehen

Auch François-Kettner vom Aktionsbündnis Patientensicherheit schlägt massiv in diese Kerbe: „Der Patient selbst wird immer noch zu wenig einbezogen, er ist noch zu sehr außen vor.“ Deshalb betonte auch Schrappe, den „Patient related Outcome“ nicht durch eine zu vorzeitige Festlegung des Qualitätsbegriffs zu gefährden. Die zu definierenden Qualitätsindikatoren seien auf Basis von regionalen Aspekten und dem Patientennutzen zu treffen.

Während von der Experten auf der einen Seite v.a. die Gefahr gesehen wird, dass bei der Qualitätsfrage der Patient zu sehr ins Hintertreffen gerät, sieht Litsch vom AOK Bundesverband die Gefahr v.a. darin, „dass jeder unter Qualität das versteht, was ihm persönlich weiterhilft.“ Deshalb seine Bitte um eine Definition auf „ganz einfacher Ebene“. Dabei warnt François-Kettner davor, jetzt in einen Modus des Innehaltens zu verfallen, in dem jeder sich irgendwie mit dem Thema beschäftigt. „Wir müssen wirklich etwas tun“, sagt sie und betont dabei auch, dass Hygiene- und damit Qualitätsmängel in Krankenhäusern wie die Verbreitung von nosokomialen Erkrankungen mit mehr Personal vermeidbar wären.

IQTIG: Mit Patientenbefürchtungen richtig umgehen

„Verbessern, informieren, regulieren“, das will der IQTIG-Chef Veit. „Man muss mit der Befürchtung der Bevölkerung umgehen, die sie nicht ganz zu Unrecht an dieser Stelle hat“, erklärt Veit. Patienten würden nicht erwarten, dass man die Qualitätsdefinition mit Kennzahlen abdeckt. Alles was hier von Seiten des IQTIG geschieht, müsse praktikabel, effektiv und justiziabel sein. So könne dann auch einer Übernahme der Qualitätsindikatoren durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nach § 137 SGB V erfolgen. Ursprung seines weiteren Vorgehens sollen Erfassungsdaten, Sozialdaten und Ergebnisse aus Patientenbefragungen sein. „Wir müssen Fragen beantworten und orientierende Antworten geben, die Nützlichkeitscharakter haben“, erklärt der IQTIG-Leiter.

Qualität in allen Facetten

Neben dem Symposium zur Arbeit des IQTIG hatten die Besucher die Qual der Wahl zwischen hochwertigen Symposien, z.B. zu Themen wie Qualitätssicherung bei chronischen Erkrankungen, Klinikleitungen und Qualität, Verbesserung für stationäre und ambulante Versorgungsqualität durch Digitalisierung, Standards der Flächendesinfektion, Sterilgutaufbereitung, aber auch Themen wie Qualität von Apps für Diagnostik und Therapie, Standards guter Personalführung oder Integration von ausländischem Personal.

Dr. Franziska Diel, MPH, Dezernentin bei Dezernat sektorenübergreifende Qualitätsförderung und -darstellung, Kassenärztliche Bundesvereinigung, fasst zusammen, was wohl viele nach zwei informativen Kongresstagen gedacht haben: „Man darf keine Allheilserwartung haben, man braucht ein klares Projektmanagement und eine schrittweise Vorgehensweise“, wenn es um die Qualitätsdefinition im deutschen Gesundheitswesen geht. Das IQTIG scheint das zu haben, den Krankenhäusern bleibt es zu wünschen.

Eindrücke vom Qualitätskongress finden Sie in der HCM-Bildergalerie.

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