Aus dem Markt -

PwC Transaktionsmonitor Gesundheitsmarkt: Ambulante Anbieter im Fokus

Trotz Corona hat es im vergangenen Jahr mehr Transaktionen auf dem Gesundheitsmarkt gegeben. Insbesondere ambulante Rehakliniken wecken das Interesse von Investoren. Das zeigt der aktuelle Transaktionsmonitor der Beratungsgesellschaft PwC.

Topic channels: Finanzen & Investieren und Klinikmarkt
  • PwC Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2020/2021: Zahl der Fusionen und Übernahmen steigt im Vergleich zum Vorjahr
  • Finanzinvestoren an Aufbau medizinischer Versorgungszentren (MVZ) interessiert
  • Pflegeimmobilien verzeichnen Allzeithoch
  • Akzeptanz von Video-Sprechstunden wird immer größer

Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren auf dem Gesundheitsmarkt. So hat Covid-19 den Trend zu ambulanten Therapien beflügelt, während stationäre Leistungserbringer zum Teil starke Einbrüche hinnehmen mussten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei den Transaktionen im Gesundheitsmarkt wider.

Insgesamt kam es 2020 zu 149 Fusionen und Übernahmen, sieben mehr als im Vorjahr. Das zeigt der Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2020/21 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. "Mit der Pandemie ist die Akzeptanz digitaler Angebote im deutschen Gesundheitswesen stark gestiegen. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Treiber für Transaktionen. Der deutsche Gesundheitsmarkt rückt nun auch in den Fokus ausländischer Investoren", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC.

Ambulante Rehakliniken für Finanzinvestoren attraktiv

Der Schwerpunkt der Fusionen und Übernahmen lag 2020 v.a. in den Bereichen Krankenhäuser und Fachkliniken (32), niedergelassene Leistungsträger und Labore (39), Pflegeimmobilien (34) und Pflege (30). Innerhalb dieser Gruppen kommt es allerdings zu Verschiebungen: "Während stationäre Leistungserbringer wie Rehakliniken Einbußen durch die Pandemie verzeichnen, sind Plankrankenhäuser und Krankenhäuser mit Versorgungsvertrag für Finanzinvestoren attraktiv. Denn mit ihnen lassen sich Strukturen für die ambulante Versorgung wie medizinische Versorgungszentren (MVZ) aufbauen", sagt Burkhart. Diese Zentren, bei denen Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach angesiedelt sind, entstehen häufig im Umfeld von Krankenhäusern. Das biete Synergieeffekte und die Möglichkeit, die ambulante Versorgung nach einem Krankenhausaufenthalt zu verbessern.

Reha und Pflege Spitze bei Übernahmen

Das Segment der ambulanten Rehabilitation rückt zunehmend in den Fokus von Private-Equity-Gesellschaften: "Dabei handelt es sich um einen attraktiven, aber stark fragmentierten Markt, der in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird", sagt Alexander von Friesen, Partner bei PwC im Bereich Healthcare M&A. Die Zahl der Transaktionen stieg 2020 von 26 auf 30. So übernahm allein das Private-Equity-Haus Athera 2020 in Deutschland vier Dienstleister aus dem Bereich der ambulanten Rehabilitation.

Nach wie vor sehr gefragt ist das Segment Pflege. Das Jahr 2020 markiert ein Allzeithoch bei Fusionen und Übernahmen von stationären Einrichtungen. Der Wert der Transaktionen lag bei 3,4 Milliarden Euro und war damit so hoch wie nie zuvor. "Pflegeimmobilien gelten als krisenstabile Nutzungsklasse mit konstanten und kalkulierbaren Einnahmen und sind deswegen sehr beliebt", erläutert von Friesen. Allerdings sinke die Spitzenrendite immer mehr und nähere sie sich mit etwa vier Prozent dem Niveau klassischer Nutzungsarten wie Büro, Wohnen und Einzelhandel an. Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnet von Friesen auch in den kommenden Jahren mit anhaltendem Interesse. Ein weiterer großer Transaktions-Fokus liegt auch in den Bereichen Radiologie und Orthopädie. Orthopädische Praxen werden entweder als MVZ-Ketten zusammengeführt oder an Radiologien angeschlossen.

Telemedizin auf dem Vormarsch

Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der medizinischen Behandlungen per Video. Im vergangenen Jahr fanden 1,4 Millionen Videogespräche zwischen Ärztinnen und Ärzten aus somatischen und psychischen Fachbereichen und ihren Patientinnen und Patienten statt. Ein starker Anstieg im Vergleich zu 2019 mit nur 3.000 Sitzungen. Doch das markiert noch lange nicht das Ende der Entwicklung: "Videosprechstunden haben auf beiden Seiten an Akzeptanz gewonnen. Das Vertrauen in diese Technologie ist gestiegen. In naher Zukunft rechnen wir mit einer weiteren Steigerung der Nutzungsrate bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten", betont Burkhart.

Diese Veränderung zeigt sich auch auf dem Transaktionsmarkt. Gab es im Jahr zuvor noch keine einzige Transaktion in diesem Bereich, kam es 2020 zu sechs Fusionen und Übernahmen. Allerdings akzeptieren derzeit gesetzliche Krankenversicherungen nur Software-Programme, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifiziert sind. Das verhindert im Moment eine flächendeckende Verbreitung.

Mehr zum Thema finden Sie auf der HCM-Themenseite Fusion & Kooperation und auf der HCM-Themenseite Klinikmarkt

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