Psychische Erkrankungen: Arbeitnehmer müssen zu lange warten

Arbeitnehmer mit psychischen Problemen fallen oft monatelang aus, weil sie zu lange auf eine Therapie warten müssen. Deshalb müssen Arbeitgeber immer öfter auf die Hilfe externer Dienstleister zurückgreifen, kritisiert die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeber (BDA).

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„Leider ist unser Gesundheitssystem nicht so gut im Angebot, dass es enorme Wartezeiten bei der Versorgung von Menschen, die dringend Hilfe brauchen, verhindert“, kritisiert Norbert Breutmann, Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), anlässlich einer Veranstaltung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK).
So sei es für die Betriebe „unheimlich schwer“ Mitarbeiter ein halbes Jahr von der Arbeit fern zu halten, weil sie keine vernünftige Versorgung erhielten. Die Unternehmen stünden vor der Herausforderung, psychisch bedingte Fehlzeiten und Leistungseinschränkungen ihrer Mitarbeiter zu vermeiden oder zu begrenzen. Das sei der Motor für viele Unternehmen gewesen, zusätzliches Geld außerhalb der Beitragszahlungen in die Hand zu nehmen, um die eigenen Mitarbeiter „vernünftig versorgen zu lassen“.


Checklisten für EAP
Für Breutmann ein politischer Zustand, der grundsätzlich überdacht werden sollte. Er weist aber auch darauf hin, dass derzeitige Angebote häufig intransparent seien und es für die Anbieter keine Qualitätskontrolle gebe. Um die bestehenden Angebote der so genannten „Employee Assistance Programme“ (EAP) besser vergleichen zu können, hat die BPtK gemeinsam mit der BDA eine Checkliste für Mitarbeiterberatungsprogramme erarbeitet. Damit sollen Transparenz und Qualität am Beratungsmarkt gefördert werden, hoffen BPtK und BDA.
Typische Beratungsanlässe für EAP sind sowohl private Sorgen, wie z.B. familiäre oder finanzielle Probleme, als auch Konflikte am Arbeitsplatz, etwa mit Vorgesetzten oder das Gefühl des „Ausgebranntseins“ (Burnout).


Schlimmeres vermeiden durch schnellen Erstkontakt
„Mit der BPtK-Checkliste sollen Unternehmen EAP-Anbieter finden, die Mitarbeiter so beraten und betreuen, dass sich aus psychischen Krisen oder Burnout-Beschwerden keine behandlungsbedürftigen oder letztlich sogar chronische Krankheiten entwickeln“, erklärt BPtK-Präsident Richter. Er sieht den Vorteil der EAP v.a. in einem schnellen Erstkontakt; ein Kassenpatient muss auf ein erstes Gespräch mit einem Psychotherapeuten ansonsten im Schnitt bundesweit rund drei Monate warten.
Richter verweist aber auch darauf, dass bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung die Abklärung durch Psychotherapeuten oder entsprechend qualifizierte Fachärzte erfolgen müsste. Gefährdete, aber noch nicht erkrankte Mitarbeiter benötigen weitergehende Beratung, angeleitete Selbsthilfeprogramme oder Kontakt zu Selbsthilfegruppen sowie Präventionsangebote, die von Entspannung und körperlicher Aktivität bis hin zu gezielten psychotherapeutischen Interventionen reichen können.