Transplantationsmedizin Prüfkommission findet weitere schwarze Schafe

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Die Prüfungs- und die Überwachungskommission von Herz-, Lungen-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogrammen hat den Jahresbericht 2014/2015 veröffentlicht. Dieser ergab, dass fünf Herz- und zwei Lungenzentren bei der Vergabe von Spenderorganen manipuliert haben.

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Die überwiegende Mehrheit der Transplantationszentren arbeitet ordnungsgemäß. Bei fünf Herz- und zwei Lungenzentren konnten allerdings Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorgangen nachgewiesen werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht 2014/2015 der Prüfungs- und der Überwachungskommission von Herz-, Lungen-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogrammen.

Manipulationen bei Herztransplantationen

Bei Herztransplantationen seien bereits in der vorangegangenen Prüfperiode die Verstöße beim Deutschen Herzzentrum Berlin und der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München festgestellt word en, erklärt die Vorsitzende der Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder, bei der Vorstellung des Berichts.

Neu aufgedeckt worden seien Manipulationen in den Universitätskliniken Heidelberg, Jena und Köln-Linden thal. Die Zentren hätten Medikamentengaben gemeldet, die sie nicht oder nur kurzfristig verabreicht haben. Damit erfüllten ihre Patienten die Voraussetzungen für den sogenannten High-Urgent-Status, um schneller an ein Spenderherz zu gelangen. Rinder betont, dass 18 der 23 Herztransplantationszentren jedoch korrekt gearbeitet hätten.

Manipulationen bei Lungentransplantationen

Bei Lungentransplantationen hat es in zwei von zwölf Zentren systematische Verstöße gegeben. Es handelt sich um das Universitätsklinikum Jena und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier seien überwiegend zusätzliche Sauerstoffgaben an die Patienten gemeldet word en, um sie kränker erscheinen zu lass en, erläutert Rinder. Wie aus dem Bericht hervorgeht, haben sich bei Nieren- und Pankreastransplantationen keine Auffälligkeiten ergeben.

Maßnahmen zur stärkeren Kontrolle und Transparenz

„Nach Bekanntwerden des Göttinger Transplantationsskandals im Sommer 2012 haben Politik und Selbstverwaltung ein ganzes Maßnahmenbündel für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin auf den Weg gebracht“, sagt die Vorsitzende Richterin am Bundesgerichtshof a.D. In vielen Zentren sei ein Struktur- und Kulturwandel erkennbar.

Neben den verschärften Vor-Ort-Prüfungen aller Programme wurden ein Mehraugenprinzip bei der Anmeldung von Wartelistenpatienten eingeführt und sogenannte Transplantationskonferenzen eingerichtet. Seit November 2012 können sich Betroffene und Interessierte zudem an die unabhängige Vertrauensstelle Transplantationsmedizin wenden und dieser Auffälligkeiten melden. „Die Prüfungen tragen dazu bei, verloren gegangenes Vertrauen der Menschen in die Transplantationsmedizin zurückzuerlangen“, unterstreicht Prof. Dr. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission.

Die Prüfungs- und die Überwachungskommission werden von der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband getragen. Sie überprüfen alle 46 Transplantationszentren beziehungsweise 126 Transplantationsprogramme in Deutschland und haben mehr als 4.300 Krankenakten aus den Jahren 2010 bis 2012 durchgearbeitet.