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Übernahme der Behandlungskosten für ärztliche Homöopathie Pro & Contra: Homöopathie

Kritiker behaupten, dass die Wirksamkeit der Homö­opathie wissenschaftlich unmöglich sei, da homöopathische Arzneimittel im Produktionsprozess potenziert – also verdünnt und verschüttelt – werden. Die Menge der Wirksubstanz ist im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten gering. Gelegentlich nutzen homöopathische Ärzte auch Potenzen, bei denen die Wirksubstanz im Mittel chemisch nicht mehr nachweisbar ist. Das widerspricht der Auffassung der konventionellen Pharmakologie, die davon ausgeht, dass nur eine erhöhte Dosis mehr Wirkung auslösen kann. Dem Nutzen in der Praxis tut das keinen Abbruch. So zeigt der Gesundheitsmonitor 2014: Bei mehr als 80 Prozent der Patienten, die homöopathisch behandelt wurden, besserten sich das Allgemeinbefinden und die seelische Verfassung. Am deutlichsten gingen mit 85 Prozent die körperlichen Beschwerden zurück. Dabei gaben 43 Prozent der Befragten an, den homöopathischen Arzt wegen einer chronischen Erkrankung aufgesucht zu haben. Als häufigstes Motiv nannten sie, „dass anderswo keine Besserung erzielt worden war“. Die ärztliche Homöopathie ist kein Allheilmittel. Doch offenbar ist sie dazu geeignet, den medizinischen Herausforderungen in einer Gesellschaft mit immer mehr chronisch Erkrankten wirkungsvoll zu begegnen. Viele Krankenkassen haben das erkannt.

Dr. med. Christian W. Lübbers, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Informationsnetzwerk Homö-opathie (INH), Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP): Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Eine Leistung oder ein Medikament haben wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig (WANZ) zu sein, um vom Solidarsystem der GKV übernommen werden zu können. Der G-BA lässt sich nicht durch pseudowissenschaftliche Versorgungsforschung oder die selektive Wahrnehmung von einzelnen Studien blenden und würde die Homöopathie durchfallen lassen. Aber es gibt ein Schlupfloch, durch das die WANZ-Kriterien umgangen werden: homöopathische Medikamente können von den gesetzlichen Krankenkassen als sogenannte Satzungsleistungen freiwillig erstattet werden. Tatsächlich machen viele Krankenkassen davon Gebrauch und begründen dies wie z.B. Markus Kamrad von der BKK-VBU mit dem Wettbewerb.

Es ist unfassbar, dass die GKKen Placebo-Medizin als ein Marketinginstrument nutzen, um damit gezielt junge und einkommensstarke Versicherte zu bewerben. Für den Vorsitzenden des G-BA, Josef Hecken, ist dies nicht mit der Verantwortung der GKKen vereinbar (ARD-Magazin „Plusminus“, Sendung vom 15. März 2017).

Noch schlimmer ist es, wenn sich selbst Ärzte nicht klar von dieser Pseudomedizin distanzieren. Anstatt bei einem banalen Infekt lange zu erklären, was der Unterschied zwischen Bakterien und Viren ist, ließe sich der Patient mit Globuli in deutlich kürzerer Zeit abspeisen. Wie heißt es so schön: Treffen sich zwei Ärzte einige Jahre nach dem Staatsexamen. Fragt der eine den anderen: „Redest du noch oder gibst du schon Globuli?“

Im Gegensatz zu den Ärzten fehlt vielen Eltern meist das nötige Grundwissen. Die wenigsten wissen z.B., dass Homöopathie nichts mit Naturheilkunde zu tun hat. Wenn ein Kind heute hinfällt, bekommt es Globuli. Früher hat man gepustet. Die Wirkung ist die Gleiche.

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