Unterhaltsreinigung Pro Bett lassen sich bei der Reinigung rund 1.000 Euro einsparen

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Wie können Kosten und Qualität bei der Unterhaltsreinigung unter einen Hut gebracht werden? Ein Krankenhausmanagement, das vor dieser Frage steht, sollte u.a. bekannte Problemfelder kennen und angehen. Welche das sind und was es außerdem auf rechtlicher Seite zu beachten sind, erklärt Christina Troha.

Unterhaltsreinigung
Bei der Unterhaltsreinigung sollte das Krankenhausmanagement v.a. auf Qualität und Kosten achten. – © Kadmy (stock.adobe.com)

Zugegeben: Der Durchschnittswert von 1.000 Euro an Einsparung im Bereich der Unterhaltsreinigung pro Bett ist nicht in jeder Klinik zu erzielen. Er ist aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Das zeigen diese realen Beispiele:

  • Klinik mit 600 Betten: 524.000 Euro pro Jahr
  • Klinik mit 450 Betten: 540.000 Euro pro Jahr
  • Klinik mit mehr als 1.000 Betten: 1.100.000 Euro pro Jahr

Der Wert von 1.000 Euro pro Bett soll deutlich machen, dass es sich lohnt, auch die Unterhaltsreinigung genauer zu betrachten. Natürlich gibt es auch Beispiele mit weniger Einsparpotenzial. Aber wenn eine Klinik mit 350 Betten 210.000 Euro einsparen kann, kann das bereits helfen.

Mindestlohnsteigerung bei der Unterhaltsreinigung bedenken

Zumal ein Fakt bald ins finanzielle Gewicht fällt: Der Mindestlohn wird zum 1. Oktober 2022 von 10,45 Euro auf 12 Euro die Stunde erhöht. Dies stellt die Klinikgeschäftsführenden vor einer weiteren Herausforderung bei der Unterhaltsreinigung. Die Reinigung unterliegt dem Arbeitnehmerentsendegesetz und wird daher durch Zollbehörden geprüft. Damit ergibt sich für den Auftraggeber, also der Klinikgeschäftsführung, eine Besonderheit in der Verantwortung: Der Auftraggeber muss die Stundenverrechnungssätze des beauftragten Dienstleisters auf Auskömmlichkeit prüfen. Oft ist sich die Klinikgeschäftsführung der persönlichen Verantwortung gar nicht bewusst bzw. kann nicht hinreichend bewerten, ob Stundenverrechnungssätze auskömmlich sind. Die Vermutung diese Verantwortung durch den Auftrag an den Dienstleister delegiert zu haben, ist falsch: die Einhaltung des Gesetzes kann nicht delegiert werden.

Unterhaltsreinigung: GHP einhalten und gleichzeitig Kosten sparen

Neben den wirtschaftlichen Faktoren sind auch die hygienischen Aspekte zu beachten: die Gute Hygienepraxis (GHP). Mit einem Präzedenzfall 2018 wurde die Beweislastumkehr eingeführt, d.h. die Klinik muss nachweisen, dass sie die GHP umsetzt. Damit sind die Kliniken in der Pflicht, entsprechende Dokumentationen durchzuführen. Das kann im Falle eines Falles vermeiden, dass auf die Klinik hohe Kosten zukommen. Neben den möglichen Strafzahlungen hat die Klinik gegebenenfalls auch einen hohen Kommunikationsaufwand, weil sie in der Presse entsprechend schlecht dargestellt wird.

Mit der Einführung der DIN/ISO 13063 Reinigung im Krankenhaus wurden dieses Jahr erstmals Standards in der Krankenhausreinigung festgeschrieben. Damit ist ein Handlungsrahmen gesetzt, der bei Streitfällen als Grundlage herangezogen wird. Bedeutet für die Klinik, man kann sich daran halten, muss es aber nicht. Im Falle von Gerichtsstreitigkeiten wird die DIN-Norm als Leitfaden herangezogen.

Wie können Kosten und Qualität mit einhergehenden Rechtsnormen nun zusammengebracht werden? Folgende Probleme treten häufig dabei auf:

  • fehlerhafte oder gar keine Dokumentation der Arbeit,
  • fehlende Verfahrensanweisungen, Schulungen, Stundendokumentationen,
  • Mitarbeitende halten sich nicht an die Hygieneregeln des Hauses, z.B. Regelung lackierte Fingernägel, Reinigung von Isolationszimmern, keine systemische Zimmerreinigung, keine adäquate Einarbeitung der Mitarbeiter, keine adäquate Führung
  • Gesetz über Medizinprodukte (ehem. MPG): häufig reinigen Mitarbeitende Medizinprodukte, ohne dass eine entsprechende und dokumentierte Einweisung erfolgt ist; hierbei wird missachtet, dass auch Klinikbetten Medizinprodukte sind; hier findet Consus Clinicmanagement in 90 Prozent der Aufträge Defizite,
  • Bettenaufbereitung: kein strukturierter Prozess vorhanden, angefangen von der Reinigung bis zur Kennzeichnung oder Dokumentation.

Unabhängig von der Wirtschaftlichkeit und Qualität, sollten Kliniken unter einem weiteren Aspekt die Reinigung berücksichtigen: die Sicht von Patientinnen und Patienten sowie Besuchenden. Deren subjektive Wahrnehmung der Sauberkeit kann für den Ruf der Klinik mit entscheidend sein.

Kontakt zur Autorin

Christina Troha, Leitung Speisenversorgung, Reinigung und Wäscheversorgung bei consus clinicmanagement