Personal&Führung -

TikTok in der Gesundheitsbranche Potenzial und Fallstricke der Videoclip-App

Das Klinikum in Dortmund hat ein Problem, von dem andere Gesundheitsdienstleister aktuell nur träumen können: mehr Bewerber als offene Stellen. Nebst attraktiven Arbeitsbedingungen ist dies v.a. der Unternehmenskommunikation zu verdanken.

Topic channels: Digitalisierung und Social Media

Das Klinikum Dortmund ist online bekannt für seine rege Firmenaktivität im Internet. Im vergangenen Jahr hat sich das Krankenhaus­team allerdings selbst übertroffen. Im Sturm eroberte die Klinik die Online-Community, und das mittels kurzer Videoclips. Der Schlüssel zum Erfolg? Einblicke schaffen und aufzeigen, dass auch die Arbeit im Krankenhaus viel Spaß machen kann.

Eine Portion Gelassenheit im Klinikalltag

Dass die Belegschaft vom Klinikum Dortmund für jeden Spaß zu haben ist, beweist sie in regelmäßigen Videos. Diese sind lediglich wenige Sekunden lang, relativ unkompliziert produziert und punkten durch pointierte Handlungen, Tanzeinlagen und poppige Musik. Das Konzept klingt simpel, doch die wachsende Fanbasis beweist dessen Wirkung. Mittlerweile zählt das Klinikum über 74.000 „Follower“, Abonnenten des Kanals @klinikumdo, die keinen der Klinik-Clips auf TikTok verpassen wollen. Über eine Million Personen haben den Kanal mit „gefällt mir“ markiert. Kurzum: Die Klinik schlägt Wellen, und das über die Weiten des Internets hinaus.

Was genau ist TikTok?

Hinter der Smartphone-App TikTok steht ein chinesisches Start-up-Unternehmen namens „ByteDance“. Ende 2019 betrug dessen Marktwert circa 75 Milliarden Euro. Das Erfolgsunternehmen betreibt nebst TikTok auch die chinesische Nachrichtenseite „Toutiao“. Im Netz geht in Fachkreisen seit Ende Oktober 2019 das Gerücht umher, dass ByteDance noch innerhalb des ersten Quartals dieses Jahres an die Börse gehen möchte, und zwar in Hongkong. Dieser Information hat das Unternehmen selbst widersprochen, doch bleibt abzuwarten was in den nächsten Wochen tatsächlich geschieht.

Anleger unter Hochspannung

Einem ByteDance-Börsengang stehen derzeit nicht zuletzt die Proteste der Hongkonger Bevölkerung im Wege. Dabei handelt es sich um eine Bewegung für Demokratie, die sich gegen jüngste Gesetzesentwürfe, gegen das chinesische Festland, gegen Peking und die kommunistische Justiz richtet. Zum Hintergrund: Die heute halbautonome Region Hongkong und ehemalige britische Kolonie verfügt seit 1971 trotz chinesischer Zugehörigkeit über besondere Rechte: eine unabhängige Justiz, eine freie Presse sowie eine offene Marktwirtschaft und ein relativ hohes Maß an Autonomie.

Warum? Die chinesische „Wiedereingliederung“ in den 70ern hielt die oben genannten Rechte in einem Abkommen für 50 Jahre ab Vertragsunterzeichnung vertraglich fest. Mit anderen Worten: Im Jahr 2021 verfallen diese Rechte. In Vorbereitung auf diese Zeit sind aktuell entsprechende Gesetze in Arbeit, die das Recht der Hongkonger Bevölkerung zu beschneiden drohen. Als Antwort darauf gehen die Menschen auf die Straße und protestieren seit 2014 zunehmend. Seit dem akuten Ausbruch des Coronavirus jedoch haben sich die Proteste von der Straße in die Wirtschaft verlagert. Die lokale Bevölkerung unterscheidet mittlerweile zwischen „gelben“ (prodemokratischen) und „blauen“ („pekingnahen“) Geschäften und Unternehmen. Der Umsatz der „blauen“ Geschäfte leidet immens. Vor diesem Hintergrund wäre es verständlich, wenn das chinesische Internet- und Technologieunternehmen ByteDance mit dem Börsengang wartet, bis sich die politische Situation Hongkongs geklärt hat und sich die örtliche Gesetzeslage im Einklang mit den übergeordneten Rechten und Ansprüchen der Bevölkerung befindet.

Eine App mit viel Potenzial für Gesundheitsdienstleister

Fest steht: Die Anleger lauern bereits unter Hochspannung auf den Börsengang der hochdotierten Firma. Die Gründung von ByteDance ist mit März 2012 noch gar nicht so lange her. Das junge Unternehmen hat nach seinem Raketen­start sicherlich noch viel vor. ByteDance, ein Unternehmen mit großer Zukunft; TikTok, eine App mit viel Potenzial für Gesundheitsdienstleister. Bis die Hauptzielgruppe von TikTok, nämlich Teenager, in die Jahre kommt, hat die Stunde aller geschlagen, die händeringend auf der Suche nach potenziellen Auszubildenden sind. Denn noch können diese in Scharen über TikTok angesprochen werden. Firmen des Sektors Pflege und Gesundheit sind schon seit Jahren in der Bedrängnis, was die Akquise von Nachwuchpersonal angeht. Die Lösung ist digital, Kontaktwege sind online zu finden und TikTok ist einer der populären Möglichkeiten. Nebst der potenziellen Gewinnung von Auszubildenden kann hier auch die Außenwirkung des Unternehmens ordentlich aufpoliert werden. Verlockend, da unkompliziert und kostengünstig.

Kritik an TikTok

Bei allem Potenzial für die Gesundheitsbranche sei hier aber auch auf bekannte Kritikpunkte der App verwiesen. Verschiedene Berichterstattungen legen nahe, dass TikTok seine Inhalte hinsichtlich ökonomischer Ziele und staatlicher Vorgaben Chinas zensiert. Ganz konkret werden z.B. die Postings von queeren Personen und von denen mit Übergewicht oder mit Behinderung gedeckelt, also nicht flächendeckend und nur zeitlich begrenzt gezeigt. Zudem häufen sich Beschwerden über die niedrige Zugangsschwelle für Menschen mit Pädophilie. Durch den jungen TikTok-Nutzerkreis sei die App ein regelrechter Magnet für pädophile Nutzer. Kritisiert werden v.a. die schwachen Sanktionen für Verfasser problematischer bis illegaler Inhalte, sei dies in Form von Videos oder Kommentaren unter Videos. So werden die Nutzer bei Fehlverhalten nicht zwangsläufig von der Plattform blockiert, sondern lediglich deren Inhalte gelöscht. Die App TikTok bringt nicht zuletzt eine weitere Schwierigkeit mit sich: Im Gegensatz zu ähnlichen Anwendungen sind gepostete Videoclips nicht nur für einen bestimmten Zeitraum öffentlich sichtbar, sondern in den Onlinesphären lange (wenn nicht sogar „für immer“) abrufbar. Das macht also nicht nur die Streuung von Gute-Laune-Videos leicht, sondern auch das Verteilen problematischer Inhalte einfacher.

Fazit: Online-Dienste ja, TikTok unter Vorbehalt

Sind Sie also ein Gesundheitsdienstleister auf der Suche nach dem nächsten großen Wurf effektiven Marketings, so ist die Lösung durchaus online zu finden. Also: smarte Kampagnen im Internet, über ausgewählte soziale Medien und Profi-Netzwerke. Was TikTok angeht, so hat das Unternehmen ByteDance zunächst einiges an Firmenpolitik und operativem Geschäft zu ändern, bis sich dessen App ruhigen Gewissens nutzen lässt. Effektiv ist sie allerdings schon heute. Wir laden Sie ein, dieses Thema in Ihre Kommunikationsabteilungen zu tragen und im Team eingehend zu erörtern.

© hcm-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen