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Positionspapier: Schwanger im OP arbeiten

Bislang ist es für Chirurginnen kaum möglich, schwanger im OP zu arbeiten. Mit einem Positionspapier wollen zwei junge Medizinerinnen erreichen, dass Schwangere bald nicht mehr das Skalpell aus der Hand legen müssen. Ihr Engagement trägt erste Früchte.

"Operative Tätigkeit während der Schwangerschaft", so heißt ein Positionspapier des Jungen Forums der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Erarbeitet haben es Dr. Maya Niethard und Dr. Stefanie Donner, beide Fachärztinnen für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Vor dem Erfahrungshintergrund ihrer eigenen Schwangerschaft haben sie Handlungsempfehlungen für Kliniken zum rechtlichen Umgang mit Chirurginnen, die während der Schwangerschaft das Skalpell nicht aus der Hand legen wollen, zusammengetragen. Denn bisher werden junge Ärztinnen unmittelbar nach Bekanntgabe einer Schwangerschaft aus dem OP verbannt oder sie verheimlichen ihre Schwangerschaft so lange es geht. Damit verzichten sie auf einen sinnvollen, gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz.

Ziel des Projektes ist es, Arbeitgebern bis 2015 eine Handlungsempfehlung zur Verfügung zu stellen, in der die aktuelle Rechts- und Datenlage aufgeführt ist und die Möglichkeit einer individuellen Gefährdungsbeurteilung vorgestellt wird. Schwangere Chirurginnen sollen so die Chance bekommen, während ihrer Schwangerschaft unter bestimmten Voraussetzungen und Schutzmaßnahmen weiter operieren zu können. Auf diese Weise lasse sich vermeiden, dass jungen Ärztinnen wertvolle Zeit für ihre Aus- und Weiterbildung verloren gehe.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf


"Das Positionspapier stellt einen Meilenstein für alle zukünftigen Chirurginnen dar, die mit viel Ehrgeiz und persönlichem Engagement den Weg der Chirurgie beschritten haben", sagt Projektleiterin Niethard. Es führe zu einem offeneren Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ermögliche es, einen Knick in der beruflichen Karriere von Chirurginnen zu vermeiden.

Im Rahmen des "Perspektivforums Junge Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)" werden bereits jetzt in enger Zusammenarbeit mit anderen chirurgischen Fachgesellschaften gemeinsame Interessen gebündelt und Erfahrungen ausgetauscht, um das Thema "Operative Tätigkeit in der Schwangerschaft" auf eine breite Basis zu stellen.

Mehr als 50 Prozent der aktiv chirurgisch tätigen Weiterbildungsassistenten sind laut einer Umfrage des Berufsverbandes der Chirurgen (BDC) 2013 Frauen. Allerdings bestehen beim Arbeitgeber gerade bezüglich des Einsatzes schwangerer Ärztinnen große Unsicherheiten. Viele Ärztinnen wollen auch während der Schwangerschaft operieren, scheitern aber an der veralteten Auslegung des Mutterschutzgesetzes von 1952 durch den Arbeitgeber, Betriebsarzt oder das Gewerbeaufsichtsamt. Dementsprechend verbieten die Kliniken den Umgang mit schneidenden und stechenden Instrumenten für Schwangere. Eine schriftliche Fixierung dieses Verbotes gibt es im Mutterschutzgesetz jedoch nicht.

Chirurginnen erhalten FamSurg-Sonderpreis

Für das Positionspapier haben die Chirurginnen Niethard und Donner den mit 500 Euro dotierten FamSurg-Sonderpreis erhalten. FamSurg steht für "Family und Surgery" bzw. "Female Surgeon" und ist ein Projekt zur Förderung von Frauen und familienfreundlichen Strukturen in der Chirurgie, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF) gefördert wird.

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