Bilanz Pharma- und MedTech-Branche auf Höhenflug

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Die Transaktionen in den Sektoren Pharmazie und Medizintechnologie blieben im ersten Halbjahr 2021 in Europa auf einem sehr hohen Niveau: 152 Deals fanden in diesem Zeitraum statt – fast genauso viele wie in der zweiten Jahreshälfte 2020, dem Rekordhalbjahr der vergangenen Jahre mit 156 Deals.

Nach dem Rekordhalbjahr 2020 konnte die Pharma- und Medizintechnikbranche ihren Umsatz stabil halten. – © bluebay2014 (stock.adobe.com)

Pharmazie und Medizintechnik boomen. Das erste Halbjahr 2021 kann mit Blick auf die Transaktionen in der Branche das zweite Halbjahr 2020 sogar überbieten. Der Gesamtwert aller Transaktionen Im Pharmazie- und Medizintechnologiesektor war mit 34 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte 2021 deutlich höher als im Halbjahr davor (+ 154  Prozent gegenüber dem zweiten  Halbjahr 2020). Das sind einige der Kernergebnisse des „Deals Monitor Europe, Pharma & MedTech /Focus: Consumer Health & OTC Pharma“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland.

Sieben Mega-Deals im ersten Halbjahr 2021

Nach Sektoren aufgeschlüsselt entfielen 68 Deals auf den MedTech-Sektor, 53 auf die Pharma-Branche und 31 auf Pharma Services. Insgesamt fanden im ersten Halbjahr 2021 sieben Mega-Deals mit einem Transaktionswert von mehr als einer Milliarde Euro statt, 75 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2020. Alexander von Friesen , Partner im Bereich M&A bei PwC Deutschland, sagt: „Wir hätten potenziell sogar noch mehr solcher Mega-Deals sehen können. Allerdings stehen dem derzeit noch intensivere Review-Verfahren durch die Kartellbehörden entgegen.“

EBITDA-Multiples für den Pharma-Sektor deutlich gestiegen

Die EBITDA-Multiples für den Pharma-Sektor lagen im Median bei 11.9 Mal, für Pharma-Services bei 22.8 Mal  und für MedTech bei 20.5 Mal – und damit zum Teil deutlich höher als in den vergangenen fünf Jahren (Pharma: 11.7 Mal, Pharma Services: 15.9 Mal, MedTech: 15.8 Mal). Verantwortlich dafür waren insbesondere die Covid-19-Impfstoffe. Sie werden schätzungsweise im laufenden Jahr 2021 für 10 bis 15 Milliarden Euro Umsatz sorgen. Top-Seller ist dabei BioNTech/Pfizer, wobei Prognosen zufolge der Moderna-Impfstoff bis 2026 Marktführer sein könnte.

„Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Wir erwarten daher ein weiteres Wachstum insbesondere bei Consumer-Healthcare-Produkten. Aber auch neuen Marktteilnehmern bieten sich gute Chancen im B2C-Geschäft, insbesondere für schnelldrehende Produkte – vorausgesetzt, sie haben die heute notwendige Digital-Marketing-Expertise“, sagt Michael Burkhart, Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte bei PwC Deutschland. Holger Schmidt , Partner bei Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, ergänzt: „Das große Interesse an der gesamten Wertschöpfungskette im Pharmasektor hat die Börsenbewertungen beflügelt.“

Hohe Private-Equity-Aktivität, SPACs auf dem Weg in den Mainstream

Angesichts des attraktiven Deal-Umfelds und der Bewertungsniveaus in den Pharma- und MedTech-Sektoren setzen auch Private-Equity-(PE-)Investitionen zum Teil Mittel durch Exits frei und zeigen folglich eine hohe Deal-Aktivität. Der Deal-Anteil mit Private-Equity-Beteiligung lag im ersten Halbjahr bei 47 Prozent im MedTech-Sektor. Bei Pharma waren es 31 und bei Pharma Services 22 Prozent. Einer der bemerkenswertesten PE-Deals 2021 war der Verkauf von Cooper Consumer Health durch Charterhouse Capital Partners an ein von CVC Capital und Avista Capital geführtes Investorenkonsortium im Wert von schätzungsweise zwei Milliarden Euro. Von Friesen sagt: „Zwar überwiegen noch traditionelle M&As und Börsengänge, doch wir beobachten, dass Deals mit komplexeren Strukturen, insbesondere SPACs, zunehmen und mehr und mehr zur attraktiven Alternative werden.“ Beispiele dafür sind der Reverse Merger des Schweizerischen Unternehmens Roivant Science und Montes Archimedes Acquisition Corp im Wert von 5,2 Milliarden Euro sowie die Akquisition des britischen Unternehmens LumiraDx durch CA Healthcare Acquisition Corp für 4,23 Milliarden Euro.