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Pflegereport: Bei Pflegebedürftigen ist die Zahnhygiene oft mangelhaft

Ob Mundhygiene, Prothesenreinigung oder Zahnarztbesuch – bei der Zahngesundheit pflegebedürftiger Menschen liegt einiges im Argen, wie der Barmer GEK-Pflegereport zeigt. Defizite gibt es v.a. in Heimen. Aber auch bei der ambulanten professionellen Pflege hapert es bei der zahnmedizinischen Versorgung.

Pflegereport: Bei Pflegebedürftigen ist die Zahnhygiene oft mangelhaft
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellte in Berlin den neuen Pflegereport vor. -

Je höher die Pflegestufe, desto größer ist laut Dr. Rolf-Ulrich Schlenker die Unterversorgung in puncto Zahnmedizin. Das sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK bei der Vorstellung des Pflegereports der Krankenkasse.

Massive Unterversorgung gilt laut Schlenker allerdings nicht nur in Bezug auf den Zahnarzt, den Betroffene viel zu selten sehen. Auch die regelmäßige Mundhygiene sowie die Prothesenreinigung seien verbesserungsbedürftig. "Dass mit schlechter Zahnpflege und v.a. bei bakteriellen Entzündungen im Mund insgesamt der Gesundheitszustand von Pflegebedürftigen massiv gefährdet werden kann, liegt auf der Hand", so Schlenker.

Pflegebedürftige bekommen weniger zahnärztliche Leistungen

Studienautor Prof. Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen betont, Bedürftige erhielten insgesamt weniger zahnärztliche Leistungen. Während nicht Pflegebedürftige z.B. konservierende, chirurgische und Röntgen-Leistungen zu 30,4 Prozent je Quartal (2012) nutzten, waren es bei Pflegebedürftigen 9,8 Prozentpunkte weniger.

Dieser Unterschied variiert noch nach Versorgungsart und Pflegestufe. Mit Stufe I bei familiärer Betreuung beträgt die Differenz 5,1 Prozentpunkte. Heimbewohner mit Stufe III haben hingegen eine um 16,5 Prozentpunkte verringerte Behandlungshäufigkeit. Auch bei Erkrankungen des Zahnhalteapparates sowie in der Versorgung mit Zahnersatz und Kronen sind Bedürftige dem Report nach schlechter versorgt.

Ursachen für die zahnmedizinische Unterversorgung von Pflegebedürftigen

Als Ursache machen die Autoren verschiedene Aspekte aus: Ein Grund sei, dass die aktuellen zahnmedizinischen Behandlungsleitlinien kaum auf ältere und pflegebedürftige Menschen eingingen. Zudem sei die Möglichkeit der Betroffenen zur Mitarbeit eingeschränkt.

Hilfreich sind aus Sicht Schlenkers mehr Schwerpunktpraxen sowie Haus- und Heimbesuche. Schlenker und Rothgang fordern Heime und Zahnärzte darüber hinaus auf, die gesetzlichen Regelungen zu nutzen und Kooperationsverträge für eine bessere Versorgung zu schließen. Während es für die Ärzte einen Anreiz über eine höhere Vergütung gebe, sei dieser für Heime jedoch nicht vorhanden, kritisieren beide.

Den vollständigen Pflegereport finden Sie als pdf-Datei zum Download auf der Website der Barmer GEK.

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