Berufspolitik -

Tag der Pflege #pflegenachcorona: Welche Antworten hat die Politik?

Die kommende Bundestagswahl ist auch eine Pflegewahl. Mit konkreten Forderungen an die Politik und einem "Pfleg-O-Mat" will der DBfK Pflegende für ihre Entscheidung rüsten. Beim gestrigen pflegepolitischen Kongress fühlte der Verband zudem Andreas Westerfellhaus und Klaus Holetschek auf den Zahn.

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Beim gestrigen pflegepolitischen Kongress fühlten Vertretende des DBfK Südost Politikern auf den Zahn. Was plant die Politik, um nach einem Jahr Pandemie, die Lage der beruflich Pflegenden spürbar zu entspannen? Im Herbst haben Pflegende die Wahl und der Berufsverband rief Pflegende auf, sich bewusst in das politische Geschehen einzumischen. Knapp 400 Teilnehmende verfolgten die Online-Veranstaltung. Moderatorin Stefanie Renner, stellvertretende Geschäftsführerin des DBfK Südost, mahnte zu Beginn: "Die Zeit drängt. Wir brauchen jetzt eine spürbare Verbesserung in der Pflege – wir haben konkrete Forderungen, die wir heute mit Gästen diskutieren."

Zu diesen Gästen zählte auch der Bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek. "Ich habe mir zum Ziel gesetzt, nicht nur über Pflege zu reden, sondern gemeinsam Verbesserungen umzusetzen", erklärte er. Wie diese Maßnahmen aussehen könnten, hat der DBfK mit der Aktion #pflegenachcorona, bereits bei den verschiedenen Gesundheitsministerien eingereicht. Hierfür sammelte der Verband die Wünsche und verschiedene Statements von beruflich Pflegenden u.a. über die Kampagnen-Website. In verschiedenen Städten projizierte das Team diese Aussagen an die Fassaden von Gebäuden wie z.B. den Bundestag. Das Ziel der Aktion: Politiker und Politikerinnen sollen ihren Versprechen an die Pflege nun Taten folgen lassen.

Attraktive Arbeitszeitmodelle – auch Arbeitgeber am Zug

Holetschek will sich z.B. mit Steuererleichterungen für Pflegende stark machen, mit verbesserten Regelungen der Akademisierung der Pflege, Einführung von Community Health Nurses und mit attraktiven Arbeitszeitmodellen. Bei Letztem sieht er jedoch auch die Arbeitgeber stark in der Verantwortung, die sich für mehr Planbarkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen müssen. Zudem forderte er Verbesserungen für beruflich Pflegende ganzheitlich zu denken, hierzu gehört laut Holetschek bezahlbarer Wohnraum für beruflich Pflegende. "Es ist zu wenig, dass wir nur Boni ausschütten, das bringt uns nicht weiter. Auch das Klatschen nicht. Wertschätzung ist zwar wichtig, aber wenn wir es jetzt nicht schaffen die Lage zu verbessern, wann sollen wir es dann schaffen?", erklärte der Memminger.

Fokus auf Kompetenz und Professionalität der Pflege

Auch Andreas Westerfellhaus, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, erklärte beim gestrigen Online-Event: "Einmal applaudieren ist OK, aber dabei darf es nicht bleiben." Er sieht v.a. Handlungsbedarf beim Image der Pflege, die kaum als professioneller eigenständiger Beruf wahrgenommen wird, sondern als "Assistenten der Medizin". Die Kompetenzen der beruflich Pflegenden müssen daher noch deutlicher in den Fokus der Berichterstattung. Auch in der Digitalisierung sieht er einen wichtigen Baustein bei der Entlastung der Pflege, aber eben kein "Allheilmittel". Dasselbe gilt für Pflegende aus dem Ausland, die in Deutschland Fuß fassen möchten. Hier fordert Westerfellhaus Integrationskonzepte nicht nur für die ausländischen Pflegenden, sondern auch mehr Unterstützung der Teams bei der wertvollen Integrationsarbeit.

DBfK startet "Pfleg-O-Mat"

Die kommende Bundestagswahl ist laut Verband auch eine Pflegewahl. Hier haben Pflegekräfte die Chance mitzubestimmen wer sich für ihre Belange einsetzt. In einem Booklet hat der DBfK die Forderungen der Pflege an die Politik gesammelt. Dieses soll als Unterstützung dienen z.B. im Dialog mit Entscheidern und Entscheiderinnen. Im Juli folgt dann ein "Pfleg-O-Mat" analog des Wahl-O-Mat. Hierfür befragt der DBfK die einzelnen Parteien zu konkreten Forderungen der Pflegenden. So können Pflegende durch Multiple-Choice-Fragen abgleichen, welche Partei sich ausgehend von ihren persönlichen Wünschen für die Pflege einsetzt.

"Schluss mit der Selbstverzwergung"

Auch Dr. Angelika Zegelin, Autorin und Pflegewissenschaftlerin, riet Pflegenden in ihrem Vortrag, sich nicht länger klein zu machen und aktiv in das politische Geschehen einzugreifen. Sie ruft u.a. dazu auf sich zu organisieren und fordert: "Schluss mit der Selbstverzwergung." Auch sie sieht einen Schlüssel in der Verbesserung der Lage der Pflegenden darin, vermehrt die Fachlichkeit und Komplexität von Pflege in den Fokus zu rücken. Da dies nicht deutlich wird, verschlechtern sich laut Zegelin die Bedingungen immer weiter. Denn viele Aspekte der Pflege sind "unsichtbar" – es gehe im Beruf auch oft um den Alltag der Pflegebedürftigen. "Es geht um gehen, reden, atmen, essen – doch der Alltag ist nicht banal. Der Alltag ist das höchste Gut. Wenn dieser ins Rutschen gerät, geht es uns schlecht."

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