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Lesetipp Pflege und Strafrecht – Kompendium für die Praxis

„Stehe ich als Pflegekraft immer mit einem Bein im Gefängnis? Und in der Tat dürfte sich jeder – und vor allem Neulinge im Pflegeberuf – schon mal diese Frage gestellt haben. Der Jurist und Dozent Manfred Seiler liefert in seinem Buch „Pflege und Strafrecht – Kompendium für die Praxis“ hilfreiche Antworten.

Nur zu gut kennt man Situationen im Pflegeberuf, die eine solche Frage aufwerfen. Denke man nur an kognitiv eingeschränkte Patienten, die man kurze Zeit außer Acht lässt, stürzen und sich verletzen. Unter welchen Umständen solche Fälle und andere typische Situationen strafrechtlich von Bedeutung sind, erläutert Manfred Seiler in seinem Kompendium. Dem Autor geht es in seinem Buch allerdings nicht darum, angehenden Pflegefachfrauen und -männern Angst vor dem Beruf zu machen. Das Buch soll vielmehr zu einer Sensibilisierung und mehr Aufmerksamkeit vor gewollter und ungewollter Gewalt in stationären Einrichtungen oder bei ambulanten Pflegediensten führen. Und es soll eine Unterstützung im Umgang mit Staatsanwalt und Polizei bieten, wenn es zu Ermittlungen in Einrichtungen und Pflegediensten kommt, erklärt Seiler in seinem Vorwort.

Wichtiges Basiswissen

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Erläuterungen zu allgemeinen Grundsätzen und was eine Straftat und Ordnungswidrigkeit überhaupt bedeuten, helfen zunächst zu verstehen, wann möglicherweise etwas Strafbares vorliegt. Dabei setzt eine Straftat erst einmal menschliches Verhalten voraus, dass den Tatbestand eines Strafgesetzes oder eines Gesetzes, welches den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit beschreibt, verwirklicht, zudem muss es rechtswidrig und schuldhaft sein. Was zunächst sehr theoretisch und juristisch trocken klingt, ist wichtiges Basiswissen, um dann in die Straftatbestände einsteigen zu können.

Parallelen zur Pflege

Auf die für Pflegeberufe wichtigen Straftatbestände geht Seiler dann in den weiteren Kapiteln des Bandes ausführlich ein und zieht stets Parallelen zur Pflege. Ein recht häufiger Tatbestand ist beispielsweise die fahrlässige Körperverletzung. „Diese stellt nahezu den Musterfall einer Körperverletzungshandlung im täglichen Pflegebetrieb dar. Sie soll nicht geschehen, geschieht aber aus vielerlei Gründen, aber gerade nicht, weil die Körperverletzung als solche gewollt ist oder bewusst verursacht wird“, wie Seiler schreibt. So verbrüht sich in einer stationären Einrichtung ein Bewohner unter der Dusche mit heißem Wasser, weil die Tür zum Badezimmer nicht zugesperrt war, obwohl bekannt war, dass die zu pflegende Person aufgrund ihrer Demenzerkrankung nicht alleine das Badezimmer betreten darf, was sie aber immer wieder versuchte. Die Pflegekraft wusste dies, vergaß aber die Türe zuzusperren, weil sie wegen eines privaten Telefongesprächs mit ihrem Handy unkonzentriert war.

„Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Pflegekraft kein vorsätzliches Verhalten anzulasten ist, sondern ihr vorzuwerfen ist, ein objektiv vorhersehbares Verhalten mit ihren subjektiven Kenntnissen und Fähigkeiten nicht verhindert hat“, erklärt Seiler die rechtliche Situation. In der Mehrzahl dieser Fälle handelt es sich um eine fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen – der gebotenen Handlung – im Sinne der §§ 229, 13 StGB.“  

Wird ein Ermittlungsverfahren im Krankenhaus oder der Einrichtung eingeleitet, wird das Strafprozessrecht bedeutsam. Hier erklärt der Autor allgemeine Grundsätze zum Verfahren sowie zu den Rechten und Pflichten der Beteiligten. Dabei zeigt er auf, wie Strafbarkeit vermieden werden kann und worauf es beim Umgang mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft ankommt.

Fazit

Das Buch „Pflege und Strafrecht – Kompendium für die Praxis“ ist ein logisch aufgebautes, grundlegendes und gut strukturiertes Fachbuch. Der Autor hat es verstanden, auch für Nichtjuristen, das komplexe Fachgebiet des Strafrechts für die Zielgruppe Pflegefachpersonen, Studierende der Hochschulen, examinierte Pflegekräfte oder Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen verständlich aufzubereiten.

Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Strafverteidiger und Dozent an Pflege- und Fachhochschulen ist es Seiler außerdem gelungen, mit besonders relevanten Fallbeispielen aus Krankenhaus und Einrichtungen die Verbindung zwischen Pflegealltag und möglichen Straftatbeständen herzustellen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis bietet darüber hinaus Quellen zum vertieften Studium des Themas.

Sein Buch hilft dabei, strafrechtlich relevante Situationen für Beschäftigte in Krankenhäusern und Einrichtungen besser und sicherer einschätzen zu können, sodass keine Pflegekraft das Gefühl haben muss, immer mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

Dieses Buch und weitere Fachbücher können Sie direkt über den Holzmann-Medien-Shop beziehen:
Seiler Manfred (2019), Pflege und Strafrecht – Kompendium für die Praxis, 1. Auflage, ISBN 978-3-8288-4212-0, Baden-Baden: Tectum Verlag
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