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Lesetipp Perspektiven für „junge Alte“

Irgendwann kommt der Tag, um über den Eintritt ins Rentnerdasein nachzudenken. Beim langjährigen SPIEGEL-Autor Dieter Bednarz war es sein Chef, der den Anstoß gab. Der jetzt 62-jährige Journalist, Vater dreier noch junger Töchter, grübelt seither über die Freiheit nach dem Arbeitsleben und hat sich zwecks Zweitmeinungen Unterstützung von Fachleuten geholt. Eine Reise zu sich selbst, aber auch als gesellschaftlicher Ratgeber tauglich.

Es ist schon etwas absurd: Einerseits sollen bzw. können wir länger arbeiten, hat sich das Altersbild durch die zunehmende Lebenserwartung sehr verändert. Andererseits ist irgendwann Schluss, zumindest in einer Festanstellung. Was dann?

Ein Schlussstrich ist nicht einfach

Eine Frage, deren Antwortspektrum so ziemlich alle Lösungen bietet. Denn der eine ist froh, endlich die Hände in den Schoß legen zu können, während der andere vor Energie nur so strotzt und dringend nach neuen Aufgaben sucht. Also: Die Möglichkeiten reichen von echter „untätiger“ Ruhezeit bis Neuanfang.

Doch so einfach ist das nicht, wie auch Dieter Bednarz schnell feststellt. Nach gut 30 Jahren als Redakteur lässt sich nicht mal eben ein Schlussstrich ziehen – erst recht nicht, wenn man eine junge Ehefrau und drei kleine Kinder hat, die einen auf Trab halten. Seinem häuslichen „Jungbrunnen“ hat der Journalist dann auch sein Buch gewidmet.

Zwischen Altersarmut und Fortbildung

Zudem sind die Ausgangspositionen äußerst individuell. So tastet sich Bednarz heran: Wie ist es aktuell zur demografischen Entwicklung bestellt und was bietet die Rentenversicherung? Da kommt man um Themen wie drohende Altersarmut und unfreiwillige weitere Erwerbstätigkeit nicht herum. Was dem einen ein Zubrot wäre, entpuppt sich für den anderen als existenzielle Notwendigkeit.

Ein breiter Blumenstrauß hingegen tut sich in puncto Fortbildung auf: Seniorenstudium, Bildungsreisen, Ehrenamtsinitiativen, Freiwilligenagenturen oder Jobs als Mentor locken, um ab Mitte 60 erworbene Kompetenzen auszuweiten oder verpasste Chancen nachzuholen.

Der „junge Rentner“ Philipp Lahm gibt Tipps

Was es zur Historie, zu Altersbildern, Seniorentypen und deren Verhalten zu erfahren gibt, berichten in Gesprächen Fachleute wie Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse vom Institut für Gerontologie in Heidelberg. Und auch ein ganz „junger Rentner“ gibt Auskunft: Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, der mit 33 Jahren seine Profikarriere beendet hatte. Sieben Ratschläge gibt der Ex-Sportler, der inzwischen als Unternehmer in der Nahrungs- und Körperpflegebranche mitspielt, dem Autor und uns Lesern an die Hand. Spätestens da ist klar: Ein beruflicher Ausstieg will früh geplant sein, um danach neue Initiativen zügig anzupacken.

Lektüre mit Orientierungshilfe

„Zu jung für alt“ greift also eine Debatte auf, die eigentlich längst Alltag ist. Allerdings – alt sind meist die anderen, nicht man selbst, wer will darauf schon hingewiesen werden … Auch Bednarz tut sich schwer mit dem Loslassen. Deshalb ist es nicht verkehrt, sich in einer ruhigen Stunde schon einmal mit dem Thema zu beschäftigen. So individuell die Suche nach Antworten hier ist, bietet sich doch manch eine anregende Orientierungshilfe.

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