DGINA Personalmangel in 99 Prozent der Notaufnahmen

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Patientensicherheit

Personal- und Bettenmangel sowie Überbelegung: Die Notfallkliniken sind am Anschlag. Das zeigt eine Blitzumfrage der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) vom 5. Juli 2022. Einen Monat später folgt die Auswertung.

Die Blitzumfrage der DGINA ergab, dass die Mehrheit der an der Notfallversorgung beteiligten Krankenhäuser in Deutschland von Personalengpässen betroffen sind. – © th-photo (stock.adobe.com)

Die real belegbaren Betten lagen demnach im Durchschnitt um etwa 18 Prozent niedriger als die im Krankenhausplan angegebenen Planbetten für 2021.

Die Umfrage ergab:

  • In 86 Prozent der Häuser wurde ein Mangel an normalstationären Betten,
  • in 54 Prozent an Intensivbetten und
  • in 48 Prozent an Intermediate-Care-Betten (IMC) festgestellt.

Überfüllung der Notaufnahmen

Zwei Drittel der teilnehmenden Häuser stellten am Tag der Umfrage eine „gefährliche Überbelegung (Overcrowding) der Notaufnahme“ fest. Ursache war laut DGINA die fehlende Möglichkeit, die Patientinnen und Patienten zur weiteren stationären Behandlung auf eine Station zu verlegen. Hinzu sei die anhaltende Zuweisung von Patientinnen und Patienten über den Rettungsdienst gekommen. Fast 60 Prozent der Notfallkliniken hätten bei der integrierten Leitstelle ihre Kapazitätserschöpfung angezeigt. „Trotz Meldung der Notfallklinik über erschöpfte Versorgungsmöglichkeiten mussten diese in fast 95 Prozent weiter durch den Rettungsdienst angefahren werden“, teilt die DGINA mit.

79 Prozent Personalausfälle in Notfallkliniken

So gut wie alle Notaufnahmen, etwa 99 Prozent, litten unter Personalmangel, weil pflegerische und ärztliche Stellen nicht besetzt waren, wie 82 Prozent der Häuser angaben. Außerdem kämpften 79 Prozent der Einrichtungen mit Personalausfällen durch Krankheit und Quarantäne.

DGINA fordert Notfallpläne

Angesichts dieser Situation verlangt die Fachgesellschaft verpflichtende Notfallpläne. Erforderlich seien außerdem eine pandemiesichere ärztliche und pflegerische Personalausstattung, die Planung von stets verfügbaren Bettenkontingenten für Notfallpatientinnen und -patienten auf Intensiv-, IMC- und Normalstationen, eine kontinuierliche Erhebung der Auslastungsparameter in den Notaufnahmen sowie Maßnahmenpläne vor Eintreten von Überlastungssituationen.