Digitalisierung -

Robotik in der Pflege Pepper, mein Freund und Helfer

130.000 – das ist die Zahl, die im Gesundheitswesen in diesem Jahr für Aufsehen gesorgt haben dürfte. Denn mindestens so viele Pflegekräfte müssten Pflegeeinrichtungen und Kliniken laut Pflegereport der AOK Krankenkasse bis 2030 einstellen, um die fachgerechte Versorgung der Bevölkerung im Alter sicherzustellen. Ist Robotik darauf eine Antwort?

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Mit weniger Personal werden sie den zunehmenden Pflegebedarf in der Gesellschaft unmöglich stemmen können, prognostiziert die Studie. Keine Frage: Deutschland altert und das Personal, die diese Menschen bedarfsgerecht versorgen kann, wird nicht so leicht zu finden sein. Wie können ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser also nicht nur ihre Pflegekräfte entlasten, sondern auch dem vorherrschenden Fachkräftemangel begegnen, ohne dabei die zu Pflegenden aus dem Blick zu verlieren? Eine Kombination aus lernfähigen Softwaretechnologien in Verbindung mit Robotern haben auf diese Frage innovative Antworten parat.

Dank Pepper im Alter geistig fit bleiben

Trotz seiner Größe von nur 1,20 Meter ist der humanoide Roboter "Pepper" bereits groß rausgekommen. Immer öfter kann man ihn bereits an Flughäfen oder gar in der Gastronomie bei der Aufnahme von Bestellungen antreffen. Denn Pepper ist, wie sein japanischer Hersteller Softbank Robotics mit Stolz verkündet hat, der erste Roboter mit der Fähigkeit, menschliche Emotionen nicht nur zu erkennen, sondern auch auf sie zu reagieren. Er kann sogar einmal gelernte Gesichter wiedererkennen. Einer von vielen Gründen weshalb Robotik auch für den Pflegesektor zunehmend interessanter wird. Denn Pepper kann Klienten mit seinem integrierten Tablet zum einen unterhalten und Informationen weitergeben und zum anderen nicht zuletzt die kognitive und körperliche Fitness nicht nur älterer Menschen aktiv fördern. Ein häufiges Szenario in stationären Pflegeeinrichtungen sind die immer wiederkehrenden, einfachen, jedoch in der Summe zeitraubenden Fragen von Bewohnern nach dem Tagesablauf, dem Essensplan, dem Wetter oder der Empfang und die Anmeldung von Besuchern. Hier kann ein sozialer Roboter wie Pepper das Fachpersonal punktuell und fortwährend geduldig unterstützen.

Pflegeroboter sind in der Charité ein Kinderspiel

Ihre Fähigkeiten müssen Robotern wie Pepper allerdings schrittweise von Menschen beigebracht werden. Softwareunternehmen übernehmen diese Programmierung. In der Berliner Universitätsklinik Charité wird der mit Spiel-, Dialog- und Interaktionsmöglichkeiten gefütterte Pepper seit Anfang 2019 testweise eingesetzt. Das geschieht im Augenblick auf einer Kinderstation des Virchow Campus, wo er den kleinen Patienten mit einfachen Gesprächen und Spielen viel Freude bereitet und es damit schafft, sie zeitweise auf andere Gedanken zu bringen. Pepper und seine robotischen Weggefährten sollen aber zukünftig noch mehr können: Beispielsweise könnten sie gerade ältere Menschen an die Medikamenteneinnahmen oder die Flüssigkeitszufuhr erinnern und diese über eine Softwareschnittstelle in einem Krankenhausinformationssystem (KIS) oder einer anderen Software wie zum Beispiel die der Firma BoS&S aus Berlin in der elektronischen Patientenakte dokumentieren.

Datenschutz gilt für alle Patienten

Gerade im Gesundheitswesen ist die Beachtung des Datenschutzes ein grundlegender Faktor, denn hier fallen besonders sensible und schützenswerte Daten der Klienten bzw. Patienten an. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfordert eine schriftliche Einwilligung für die Verarbeitung personenbezogener Daten. Insbesondere an Demenz erkrankte Personen sind beispielsweise zu solchen Zusagen jedoch nicht mehr in der Lage. Ob an ihrer Stelle ein amtlicher Vormund die Entscheidung darüber treffen darf, was mit ihren Daten passiert, ist aktuell Teil einer Debatte im Deutschen Ethikrat. Denn auch mit einer solchen Erkrankung steht informationelle Selbstbestimmung an erster Stelle. Dort wo Mensch und Technologie in Form humanoider Maschinen aufeinandertreffen, gilt es bereits jetzt, in der Frühphase der Entwicklung, Verfahrensweisen für deren Umgang miteinander zu erarbeiten. Diese müssen das Ziel haben, dem größtmöglichen Wohl des Patienten und gleichzeitig dem Schutz seiner sensiblen Daten zu dienen.

Robotik soll entlasten, nicht ersetzen

Die Robotik ist im Augenblick demnach vor allem in der Lage, Pflegefachkräfte bei sozialen und administrativen Aufgaben zu unterstützen, ohne ihnen jedoch ihre Rolle als vollwertige Arbeitskraft streitig zu machen oder sie gar vom Arbeitsmarkt zu verdrängen. Mit einem Anschaffungspreis von rund 20.000 Euro ist Pepper jedoch auch alles andere als günstig und wird von Krankenkassen bislang nicht bezuschusst. Dennoch haben sie Pflegeroboter seit einiger Zeit im Blick. Denn ihre Kunden trauen Pepper und Co. einiges zu: In einer Studie der Techniker Krankenkassen 2018 gaben 58 Prozent der Versicherten an, dass sie sich eine technische Unterstützung gut vorstellen können. Auch fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF, technische Innovationsprojekte wie Pepper schon jetzt mit mehreren Millionen Euro. Das Ziel von Forschung und Entwicklung ist es, Roboter weiterhin intelligenter und vielseitiger zu machen. Der Programmierungsaufwand, den es derzeit allerdings noch erfordert, um Pepper ein umfangreicheres Repertoire an Fähigkeiten beizubringen, könnte dank selbstlernender Algorithmen und künstlicher Intelligenz, künftig minimiert werden bzw. wegfallen.

Kein kurzweiliger Trend

Schon jetzt ist klar: Robotik ist nicht einfach nur ein kurzweiliger Trend im tristen Klinikalltag – in Verbindung mit innovativer Softwaretechnologie hat sie das Potenzial, die Digitalisierung der Pflege in großen Schritten mit voranzutreiben. In Zeiten des Pflegenotstands braucht es genau solche Lösungen, um einerseits eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten und andererseits, die wertvolle tägliche Arbeit von Pflegekräften so effektiv wie möglich zu unterstützen. Robotik könnte zukünftig genau das leisten. Das positive Feedback der Patienten aus der Berliner Charité oder von Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen zeigt aktuell die breite Akzeptanz der Technologie. So können Pepper und Co. schon heute in Kliniken einzelne Prozesse unterstützen, in stationären Pflegeeinrichtungen das Fachpersonal punktuell entlasten und für die zu Pflegenden eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung in ihrem Alltag sein.

Weiter Informationen sind über die Internetseite des Berliner Healthtech-Unternehmen BoS&S Software abrufbar.

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