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Herausforderung SARS-CoV-2 Patiententriage von Covid-19-Patienten organisieren

An dieser Stelle beantworten Rechtsanwälte und Fachanwälte der Kanzlei WEIMER I BORK Ihre Fragen, die sich aus der Verbreitung des neuartigen Coronavirus ergeben. Diesmal lautet das Thema: Patiententriage.

Themenseite: Corona-Pandemie

Frage: Ich, Stationsleitung in der Zentralen Notaufnahme, wollte wissen, wie läuft es bei Worst Case mit Triage? Wie wird eine Patiententriage von Covid-19-Patienten so organisiert, dass strafrechtliche und haftungsrechtliche Ansprüche vermieden werden?

Antwort WEIMER I BORK: Am 26. März 2020 veröffentlichten sieben Fachgesellschaften – die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) – die „Empfehlungen zu Entscheidungen über die Verteilung notfall- und intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie“. Dort finden Sie auf Seite 8 entsprechende Handlungsempfehlungen für die Triage in Corona-Zeiten. Die Leitlinien sollen die behandelnden Ärzte bei den schwierigen Entscheidungen unterstützen.

Danach gilt: Die Notaufnahme ist auch weiterhin der primäre Anlaufpunkt für alle Notfallpatienten, also auch der nicht an Covid-19-Erkrankten. Im Rahmen einer Priorisierung für den Zugang zur Intensivtherapie sind für Covid-19- und Non-COVID19-Patienten die gleichen Kriterien anzuwenden. Der Notaufnahme kommt dabei die wichtige Aufgabe zu, frühzeitig und umfassend relevante Kriterien für die Entscheidungsfindung zu erheben (Patientenwille, Patientenverfügung, Advance care planning). In der Notaufnahme können folgende Entscheidungssituationen entstehen:

  • ausreichende intensivmedizinische Ressourcen vorhanden
  • keine intensivmedizinischen Ressourcen, aber Ressourcen in der Notaufnahme (Beatmungstherapie)

keine intensivmedizinischen Ressourcen und keine Ressourcen in der Notaufnahme

Bei ausreichenden intensivmedizinischen Ressourcen soll in der Notaufnahme nach den bekannten Kriterien (siehe unter 2.1.) vorgegangen werden. Bei nicht mehr vorhandenen intensivmedizinischen Ressourcen wird sich zwangsläufig die Frage stellen, welchen Patienten, die in der Notaufnahme zur Verfügung stehenden Ressourcen (invasive Beatmung, Nicht-invasive Beatmung, Monitoring usw.) zugewiesen werden. Hier sollen die unter 3.2. beschriebenen Kriterien angewendet werden. Diese lauten zusammengefasst:

  • Schritt 1: Patientenzentrierte Prüfung der Intensivtherapie
  • Schritt 2: Priorisierung der intensivmedizinischen Versorgung

In dem Dokument heißt es unter Ziffer 2.2. weiter: „Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden.“ So sei es „unausweichlich“, eine Auswahl zu treffen, welche Patienten akut- oder intensiv-medizinisch behandelt werden „und welche nicht (oder nicht mehr)“.

Und weiter: „Die Priorisierung von Patienten sollte sich deshalb am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht orientieren, was nicht eine Entscheidung im Sinne der „best choice“ bedeutet, sondern vielmehr den Verzicht auf Behandlung derer, bei denen keine oder nur eine sehr geringe Erfolgsaussicht besteht. Vorrangig werden dann diejenigen Patienten klinisch notfall- oder intensivmedizinisch behandelt, die dadurch eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bzw. eine bessere Gesamtprognose (auch im weiteren Verlauf) haben. Die Empfehlungen sprechen sich außerdem für ein Mehr-Augen-Prinzip aus. Wenn möglich sollten zwei intensivmedizinisch erfahrene Ärzte gemeinsam mit einem Vertreter des Pflegepersonals und anderer Fachleute beschließen, welche Patienten welche Behandlung bekommen. Dabei dürfen Corona-Erkrankte auch nicht vor beispielsweise Krebs- oder Schlaganfall-Patienten bevorzugt werden.

 

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Kontakt zum Fachanwalt
Dr. Tobias Weimer, M.A, Fachanwalt für Medizinrecht, c/o WEIMER I BORK – Kanzlei für Medizin-, Arbeits- & Strafrecht, Frielinghausstr. 8, 44803 Bochum; www.kanzlei-weimer-bork.de; weimer@kanzlei-weimer-bork.de

 

 

 

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