Klinik -

Entlassungsmedikation Patienten wissen zu wenig

Nach einem Krankenhausaufenthalt kennen einer aktuellen Studie zufolge die wenigsten Patienten die neu verordneten Arzneimittel, die sie zukünftig einnehmen sollen. Ausschlaggebend dafür sei, dass zu wenig Zeit für ein angemessenes Arzt-Patienten-Gespräch zur Verfügung steht, betont die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

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Patienten wissen zu wenig

Sie rät zu einem verbindlichen Austausch zwischen Arzt und Patienten und einem Arztbrief, der auch den weiterbehandelnden Hausarzt umfassend über die Therapie informieren soll.

Im Rahmen der Studie, die in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen ist, wurden 179 Personen vor ihrer Entlassung aus einem Akut- oder geriatrischen Krankenhaus hinsichtlich ihrer Medikation befragt. Das Ergebnis: Den meisten Patienten – 81 Prozent – wurde während des stationären Aufenthaltes ein neues Medikament zur ambulanten Weiterbehandlung verordnet. Doch nur elf Prozent konnten das Mittel zutreffend benennen.

Die DGIM befürchtet, dass nicht zuletzt die unzureichende Vergütung im DRG-System einer umfassenden Patientenaufklärung im Weg stehe. Es sei die Aufgabe der behandelnden Ärzte, ihre Patienten richtig über die Medikation aufzuklären. „Dafür bleibt jedoch gerade im stressigen und wirtschaftlich orientierten Klinikalltag zu wenig Zeit – diese sprechende Medizin wird nicht honoriert“, sagt die DIGM-Vorsitzende Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger. Die Internistin empfiehlt eine ergänzende Aufklärung der Patienten durch aktuelle Medikationspläne. Nur so könnten Ärzte Wissensdefizite auffangen und damit das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen minimieren.

Im Vergütungs-System müsse Raum für den Austausch mit dem Patienten geschaffen werden, verlangt Prof. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM. „Da ist vor allem die Gesundheitspolitik gefragt.“ Das E-Health-Gesetz sehe zwar den Anspruch des Versicherten auf einen Medikationsplan durch den Hausarzt vor, nicht aber durch das Krankenhaus, obwohl dies inhaltlich genauso erforderlich sei, kritisiert Fölsch.

Die Fachgesellschaft befürchtet, dass im Zuge einer zunehmenden Ökonomisierung der Medizin die entscheidende persönliche Hinwendung zum Patienten zunehmend auf der Strecke bleibe. Diesen Trend sieht sie in der aktuellen Studie bestätigt.

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