Patientensicherheit -

Klinikum Memmingen Patient Blood Management: Sorgsamer Umgang mit Blutreserven

Jede Bluttransfusion birgt Risiken. Das Klinikum Memmingen setzt daher auf eine präzise OP-Vorbereitung nach dem sogenannten Patient Blood Management. Aber auch während des Eingriffs können Kliniken unnötige Transfusionen vermeiden.

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„Es gibt viele wichtige Argumente, warum man sparsam mit der wertvollen Ressource Blut umgehen sollte“, betont der Chefarzt der Anästhesiologie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Memmingen, Prof. Dr. Lars Fischer. Er und seine Kollegen verfolgen das Konzept des sogenannten Patient Blood Managements (PBM) ein ganzheitliches Konzept für einen sparsamen und bewussten Umgang mit Blut. „Früher hatte man die Einstellung: Bei Blutverlust während einer Operation gibt man einfach eine Blutkonserve, um den Mangel auszugleichen“, so Fischer. Doch diese Denke sei überholt.

„Jede Bluttransfusion birgt Risiken“

Jede Bluttransfusion birgt Risiken“, erklärt Fischer. „Durch das Fremdblut entwickelt der Patient ein Abwehrverhalten, das ihn schwächen und gefährden kann. Dadurch erholen sich manche Erkrankte schlechter.“ Bei Tumorpatienten bestehe sogar die Gefahr, dass sich die Wiedererkrankungsrate erhöhe. Deswegen sei es vor einer Operation wichtig, ein detailliertes Patientengespräch zu führen. „Dies braucht Zeit, die wir uns gerne nehmen“, betont Fischer. „Denn nur durch die Abklärung im Vorfeld kann der Patient optimal vorbereitet in eine Operation gehen.“ Neben der Besprechung von Vorerkrankungen und Medikamentenlisten wird der Hämoglobinwert des Patienten gemessen. „So bestimmen wir beispielsweise automatisch auch den Eisenstatus des Erkrankten, falls er eine Blutarmut aufweisen sollte“, erklärt Fischer. „Denn in unseren Breitengraden ist eine Blutarmut häufig durch einen Eisenmangel bedingt.“ Dieser Mangel kann dann noch vor der Operation durch ein gut verträgliches Eisen-Präparat ausgeglichen werden.

Moderne Operationstechniken beugen Blutverlust vor

Auch setzen während des chirurgischen Eingriffes die Operateure moderne OP-Techniken ein, um den Blutverlust des Patienten relativ gering zu halten. Bei etlichen Operationen mit hohem Blutungsrisiko kommt am Klinikum Memmingen auch die sogenannte maschinelle Autotransfusion zum Einsatz: „Das Blut, das der Patient verliert, wird aufgesaugt, gereinigt und dem Patienten wieder zugeführt. Auch so kann die Gabe von Fremdblut während oder nach einem Eingriff deutlich gesenkt werden“, so Fischer.

Blutgerinnung: Störungen rechtzeitig erkennen

Ein weiterer Aspekt des Patient Blood Managements ist es, während und nach der Operation eine aufgetretene Blutgerinnungsstörung so spezifisch wie möglich zu behandeln: „Eine Besonderheit im Klinikum Memmingen ist eine spezielle Messmethode, die auch an vielen Unikliniken eingesetzt wird“, beschreibt Fischer. Der Einsatz dieser Messmethode ermöglicht innerhalb weniger Minuten eine Diagnosestellung über eventuelle Mängel im Blutgerinnungssystem des Patienten. Die Ergebnisse dieses Tests werden direkt an den Anästhesisten im OP oder den Intensivmediziner übermittelt, damit diese sofort gezielt reagieren können.

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