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Arzneiverordnungs-Report 2017 Patentgeschützte Medikamente werden immer teurer

Angesichts der steigenden Zahl von verkürzten Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel drängt der AOK-Bundesverband auf höhere Qualitätsanforderungen. Zum einen sollten diese Medikamente nur in qualifizierten Zentren angewendet werden dürfen, zum anderen müsse eine unabhängige späte Nutzenbewertung verkürzt zugelassener Arzneimittel sichergestellt werden, etwa durch einen Pharmafonds.

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Das forderte der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch anlässlich der Vorstellung des Arzneiverordnungs-Reports 2017. Zudem werden neue patentgeschützte Medikamente immer teurer.

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen inklusive der Zuzahlung der Versicherten lagen 2016 bei rund 38,5 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das Verordnungsvolumen nur um 2,1 Prozent gestiegen ist. „2016 wurden mehr, aber v.a. auch teurere Arzneimittel verordnet. Hauptursache dafür war die überproportionale Kostensteigerung bei den patentgeschützten Wirkstoffen", so Prof. em. Dr. med. Ulrich Schwabe, Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports 2017.

In Deutschland besonders teuer

Der anhaltende Trend zu neuen hochpreisigen Arzneimitteln im patentgeschützten Markt zeige sich etwa an der Entwicklung der höchsten Bruttoumsätze je Verordnung, wie es in einer AOK-Pressemitteilung heißt. Das teuerste eine Prozent aller Produkte hatte 2006 mindestens einen Bruttoumsatz von 946 Euro je Verordnung – 2016 waren es bereits mindestens 3.979 Euro.

„Patentgeschützte Arzneimittel sind in Deutschland besonders teuer. In Ländern wie Österreich oder den Niederlanden, deren Wirtschaftskraft mit Deutschland vergleichbar ist, sind die öffentlich bekannten Listenpreise etwa 20 Prozent günstiger als bei uns“, so Jürgen Klauber, ebenfalls Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports und Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Biologika gewinnen an Bedeutung

Demnach treiben insbesondere die gentechnologisch hergestellten Biologika die Ausgaben im Patentmarkt in die Höhe: Von 2006 bis 2016 habe sich ihr Umsatz auf 7,8 Milliarden Euro erhöht. Eine Abkehr vom Wachstumstrend sei nicht zu erwarten: Mittlerweile sei beinahe jeder dritte neue Wirkstoff im deutschen Markt ein Biologikum. Für sieben Biologika waren in Deutschland Ende 2016 Biosimilars zugelassen. Sie sind einem Biologikum strukturell ähnlich und üben die gleiche pharmakologische Wirkung im menschlichen Körper aus.

„Biologika werden in den kommenden Jahren eine deutlich zunehmen de therapeutische Bedeutung für den Arzneimittelmarkt haben. Aufgrund ihrer meist hohen Preise werden damit auch immer höhere Ausgaben verbunden sein. Durch die konsequente Verordnung von Biosimilars könnten mittelfristig beträchtliche Einsparungen für unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem erzielt werden, ohne dabei die Qualität der Versorgung mit Arzneimitteln in Deutschland zu beeinträchtigen", erläutert Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports.

Trends Preisentwicklung und beschleunigte Zulassungsverfahren

Verstärkt würde die Entwicklung hin zu hohen Preisen für patentgeschützte Arzneimittel dadurch, dass Pharmafirmen in Deutschland den Preis ihres patentgeschützten Produkts in den ersten zwölf Monaten nach dem Marktzugang noch immer frei festlegen können. Neben der Preisentwicklung gebe es bei den patentgeschützten Arzneimitteln auch den Trend zu mehr beschleunigten Zulassungsverfahren.

Gleichzeitig kämen dadurch aber immer mehr Produkte ohne eine ausreichende Datenbasis zu Nutzen und Risiken für die Patienten auf den Markt. In Deutschland betraf das im Jahr 2016 bereits fast jedes dritte neue Arzneimittel. Im Jahr 2011 waren es noch unter zehn Prozent. Daher werden nach der Zulassung in der Regel auch weitere klinische Studien und die kontinuierliche Überwachung der Arzneimittelsicherheit bei der Anwendung gefordert.

„Stringenter vorgehen und Sanktionen umsetzen“

 „Doch ist der Marktzugang erst einmal erfolgt, kommen viele Pharmaunternehmen ihrer Verpflichtung nach weiteren Daten nicht ausreichend nach", kritisiert Litsch. „Deshalb muss die Europäische Arzneimittel-Agentur stringenter vorgehen und Sanktionen umsetzen. Außerdem müssen wir in Deutschland Lösungen finden, entsprechende Studien firmenübergreifend zu finanzieren und pharmaunabhängig durchführen zu können."

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